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Sonntag, 27. März 2016

Bela B. fährt Bus

Gestern war ich mit mal wieder mit dem Bus unterwegs. Ich stand an der Haltestelle und fummelte so an meinem Kopfhörern rum. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass der Bus die Haltestelle ansteuert und ich traute meinen Augen kaum. Mein erster Gedanke war: "Der kleine Bruder von Bela B. fährt im Erzgebirge Bus. Obwohl es könnte auch sein Sohn sein."
Doch bevor ich die Geschichte erzähle, spielen wir doch mal das beliebte Spiel mit den Vorurteilen. Öffnet jetzt mal die Schublade, auf der "Busfahrer" steht. Bei mir jedenfalls ist da ein älterer Herr drin, bei dem das Diensthemd ein klein wenig über dem Bauch spannt und die graue Strickjacke, die er trägt, ist schon ein bisschen abgeschubbert. Diplomatisch formuliert hat das mit Sicherheit bequeme Kleidungsstück seine besten Jahre hinter sich. Der Herr ist schon grau und die Haare sind dünn. 
Souverän, wenn auch lustlos manövriert er den Bus auch durch die engsten Kurven. An dieser Stelle fallen mir noch die bösen Seitenhiebe eines LKW-Fahrers ein, der behauptete, dass Busfahrer nur geradeaus fahren könnten. Vermutlich ist das auch so ein formschönes Vorurteil. Als Fahrgast wartet man vergeblich auf eine Reaktion, wenn man den Bus betritt. Kommunikation ist auch überbewertet. So erhält man wortlos seinen Fahrschein, denn der Herr kennt natürlich das gesamte Tarifangebot aus dem Efef. Vermutlich sogar aus den vergangenen zwanzig Jahren.

Montag, 23. November 2015

Die Jugend von heute ist besser als ihr Ruf

Heute morgen musste ich mal wieder Bus fahren. Bedauerlicherweise, denn meine ausgesprochen sympathische und sonst äußerst zuverlässige Mitfahrgelegenheit war heute unpässlich. 

Ich betrat den Bus. Der Busfahrer freute sich auch mich mal wieder zu sehen. Dann begann das alte Spiel und ich suchte mir einen Sitzplatz. Das erwies sich anfänglich als ein etwas schwierigeres Unterfangen, denn der Bus schien voll besetzt zu sein. In erster Linie zwar von Schülern, aber in zweiter Linie von Taschen, Rucksäcken und dicken Winterjacken. Als ich dann ganz hinten im Bus angekommen war, machte sich der Frust in mir breit: So ein Mist, so früh, kalt draußen und noch nicht mal ein Sitzplatz. Doch dann räumte eine freundliche, aber sehr ruhige Achtklässlerin Jacke und Tasche vom Platz neben sich und ich konnte mich setzen. Ich schloss die Augen, stöpselte mir die Kopfhörer ein und startete die Musik. Nichts hören und nichts sehen - das wünschte ich mir. Ich erwartete eine ruhige Fahrt, in der die Schülerbande um mich herum auch nur Musik hört oder irgendwie halbherzig noch irgendwelche Vokabeln lernt.

Freitag, 19. Juni 2015

Die geborgte Hose

Ich begab mich vor einigen Tagen nach Leipzig. Es sollte ein schöner Abend mit Musik unter freiem Himmel werden. Doch leider musste ich dazu erst einige Hindernisse überwinden. Zunächst muss ich zum Leidwesen aller Leipziger anmerken, dass es die unfreundlichsten Busfahrer nicht in Berlin, sondern in Leipzig gibt. Die Straßenbahn, die mich zum Hotel bringen sollte, hielt und der Fahrer erklärte, dass die Bahn jetzt irgendwie anders fahren müsse, weil... nun warum auch immer. Aber es sollte ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden. So stieg ich in den Bus. Doch nachdem der Busfahrer schon drei Fahrgäste vor mir wegen vermeintlich blöder Fragen angeschissen hatte, wusste ich als blöder Touri auch nicht mehr weiter. Vermutlich hätte er mir auch erklärt, dass er die gleiche Umleitung fahren würde, wie eben schon heut morgen. Blöd nur, dass ich mich heut morgen eben noch nicht in Leipzig aufgehalten hatte, aber wenn dem nämlich so gewesen wäre, hätte ich ja auch nicht fragen müssen. So erkundigte ich mich bei verschiedenen Fahrgästen und fand doch noch den Weg. Zur Ehrenrettung Leipzigs kann ich sagen, dass die Leipziger wirklich ausgesprochen freundlich und hilfsbereit sind.

Dienstag, 9. Juni 2015

Unterricht und Busfahren

Wie funktioniert eigentlich Unterricht? Diese Frage hab ich mir so im Grunde nie so wirklich gestellt, denn es gibt Tage da läuft's und Tage da läuft's eben nicht. Da möchte ich mir am liebtsten den Kopf auf dem Tisch blutig schlagen. Denn da gibt es manchmal Tage, an denen, musst du als Lehrer jeden einzelnen Schritt vorgeben. Da musst du sogar Zehntklässler an die Hand nehmen und alles genau erklären.  

Das musst du dir dann in etwa so vorstellen:
Wir fahren heute Bus. Dort drüben ist die Bushaltestelle. Am besten ich geh mit und zeige euch das mal. Seht her, das ist die Bushaltestelle und hier ist das Schild. Wenn der Bus hält, steigen alle ein. Lasst eure Taschen nicht an der Bushaltestelle liegen. Wir fahren zwei Haltestellen. Achim, zählt mit. Jetzt steigen alle aus. Auch der Paul, der sich ganz hinten hingesetzt hat. Nehmt alle auch eure Taschen mit.
Aber dann gibt es Tage, da steigen die Schüler von ganz allein in den Bus. Das heißt, du musst ihnen noch nicht einmal die Bushaltestelle zeigen. Ein großartiges Gefühl. Dann steigst du selbst in den Bus, gibst Gas und rast mit voller Geschwindigkeit auf den Abgrund zu. Du packst das Lenkrad und hältst die Richtung, wenn du jetzt Glück hast, dann fliegst du mit deinen Schülern im Bus über den Abgrund. Wenn du Pech hat, dann stürzt du ab.
Und für diese Glücksmomente, wenn der Bus über den Abgrund fliegt, bin ich Lehrer geworden. Ups, dabei darf ich doch gar keinen Bus fahren...

Freitag, 14. Dezember 2012

Balzverhalten pubertierender Kleinstädter im ÖPNV

Heute morgen war es kalt und ich musste mal wieder Bus fahren. Gut, schon nicht mehr ganz so kalt wie noch vor ein paar Tagen, aber die Temperaturen lagen immer noch deutlich unter Null. Da verwunderte mich zunächst nur das Outfit mancher Schüler. Zwischen aufgetürmten Schneehaufen und auf gefrorenen Flächen standen ein paar Mädels mit Stoffschuhen, die ja bekanntlich meist nur über eine dünne Gummisohle verfügen. Ich hatte zwei paar dicke Socken in meinen dicken Schuhen und hatte trotzdem kalte Füße. Naja, aber die Hauptsache ist doch, dass das Styling stimmt und Hauptsache Konfers. Das dachte ich mir dann auch als ich Sonja aus der Achten in der Schülermeute entdeckte, denn sie trug bei etwa minus fünf Grad nicht nur eben erwähnte Stoffschuhe, sondern auch die Jacke offen.
Es verwunderte mich dann noch viel mehr, dass Sonja im Bus auch noch ihren breiten Loop-Schal ablegte, der bis dahin ihr großzügiges Dekolletee verdeckte. Vermutlich tat sie das, um sicher zu stellen, dass auch alle genau sehen können, was sie unter ihrem weißen, sehr engen und auch ein wenig durchsichtigem Shirt im Feinripp-Männer-Unterhemd-Stil trug. Verwundert war ich nicht nur, weil es, wie bereits erwähnt, ziemlich kalt war, sondern weil ich Sonja bis dato für ein intelligentes Mädchen gehalten habe, das nicht mit ihren beiden Argumenten in der Bluse trumpfen muss. Aber egal! Die 68er sind doch auch für sexuelle Freiheit auf die Straße gegangen und haben ihre BHs verbrannt. Leider steckt nun hinter Sonjas Offenherzigkeit sicherlich keine politische Aussage, sondern wohl eher die Aussage: Hauptsache die Hupen springen den Jungs direkt ins Gesicht! Das gibt Aufmerksamkeit und Anerkennung. Mit ihrem Dekolletee bis knapp überm Bauchnabel verfehlte sie diese Wirkung nicht. Wenige Haltestellen später stieg ein Zehntklässler ein und setzt sich neben sie. Beide trennte nun nur noch der Gang. 

Freitag, 24. August 2012

Dit is Schule

Grad sitz ich heut morgen noch beim Frühstück mit einem heißen Kaffee in der Hand, da blinkt mein Telefon, also ich meine natürlich das Display. Es blunk, weil das Gerät um diese frühe Stunde noch ohne Ton auskommen muss. Da sollten sich unsere lieben Schülerlein mal ein Beispiel nehmen. Denn so hin und wieder klingelt schon mal ein Handy im Unterricht und meist ist dann sogar Mutti dran, die ja eigentlich wissen sollte, dass ihr wohlerzogener Sprößling grad im Unterricht sitzt und bekanntermaßen für's Leben lernt.
Aber zurück zu meinem nicht klingelnden, sondern blinkenden Handy. Wer schreibt mir um diese Zeit eigentlich schon Nachrichten? Grübel... Es war die Frau Neumann und ich hoffte schon, dass vielleicht aufgrund von verschiedenster gefährlicher und vor allem ansteckender Viren die Schule heut ausfällt. Unsere Frau Neumann ist nämlich Sicherheitsbeauftragte. Sie hatte eine fantastische Nachricht für mich, aber dann doch nicht so wie ich zunächst vermutete. Für mich wäre heut eigentlich Busfahrtag gewesen, aber Frau Neumann hat mich gerettet. Sie rettete mich vor anstrengenden Schülern, die im Bus noch lauter und noch ungehemmter ihr Privatleben ausplaudern als schon aus dem Schulalltag allgemein bekannt, auch wenn das nahezu unmöglich scheint.

Als ich in ihr Auto stieg, welches im übrigen einen Namen hat, was ich aber aus datenschutztechnischen Gründen, natürlich rein formal juristisch, nicht nennen kann, begrüßte sie mich nicht nur mit einem bezaubernden Lächeln sowie einem motivierten "Guten Morgen", sondern auch mit diesem Titel.




und dit is mal Programm für nächsten Montach...

Mittwoch, 23. Mai 2012

Busgeschichten

Heut war mal wieder Busfahrtag. Ich begebe mich nun mal wieder gemächlichen Schrittes zur Bushaltestelle. Alles wie gehabt. Nur an diesem Morgen traute ich meine Augen kaum. Einige hundert Meter entfernt stand ein Junge und ich wunderte mich, weil mich das merkwürdige Gefühl beschlich, dass ich den Jungen kennen sollte. Natürlich müssen etliche meiner Schüler auch zu dieser Haltestelle. Doch warum sollte da plötzlich einer meiner Schützlinge an der Straße auf mich warten. Doch nicht etwa um ein paar Meter mit mir zur Haltestelle zu laufen?
Ich runzelte die Stirn und glaubte meinen Augen kaum. Das muss doch der kleine Schuster sein, der mich mit seinem rotzigen Verhalten im Unterricht schrecklich nervt. Der immer, wenn ich ihn ermahne, seine blauen Kulleräugchen aufreißt und den Unschuldsengel gibt. Das hat der Kleine echt gut drauf, denn er ist verflixt knuffig. Anfangs funktionierte die Masche bei ihm noch echt gut, aber das wächst sich ja glücklicherweise mit Zeit ziemlich schnell raus.
Wie mir noch so diese Gedanken durch den Kopf kreisen und ich dem Jungen immer näher komme, wird das Bild deutlicher. Nein, es ist tatsächlich der kleine Schuster, der mich frech angrinst. Er tippt auf seine Uhr und brüllt quer über die Straße "Für die paar Meter mehr als drei Minuten. Sie sind ja wirklich langsam." Verdutzt überquere ich die Straße und trau mich nicht einmal zu fragen, wie er denn auf die Idee gekommen sei auf mich zu warten. Im Grunde denke ich nur mal wieder bei mit "Ne, wie süß! Isser nich knuffig!" Wir gehen die wenigen Meter gemeinsam zur Bushaltestelle und unterhalten uns übers viel zu frühe Aufstehen.
Kurz nachdem wir die Bushaltestelle erreicht haben, verdrückt er sich ohne einen Blick zu seinen Klassenkameraden und ich wundere mich immer noch. Da hat doch der kleine Schuster tatsächlich auf mich gewartet. Isser nicht knuffig!

Nach Unterrichtsschluss steige ich wieder in den Bus. Neben mir ist noch ein Platz frei. Normalerweise machen die Lieben da keinen Terz mehr und setzen sich einfach neben mich. Doch da kommt Marek, grinst mich frech von der Seite an und brüllt durch den ganzen Bus: "Ey, Dingelchen, kann ich hier mal hin?" - Ich stutze. Da muss ich mich wohl verhört haben. Jetzt muss ich wohl doch nochmal die böse, strenge Lehrerin raushängen lassen. Mit einem harten Blick fahre ich ihn scharf an. "Vergiss es! Und schon erst recht nicht in diesem Ton!" Leicht verschämt und mit entschuldigender Geste fragt er nun: "Ja, schon gut, entschuldigen Sie, Frau Dingens, darf ich mich hier hinsetzen?" Ich nehme meine Tasche vom Sitz, nicke nur huldvoll und er setzt sich.
Doch plötzlich dröhnt die tiefe Stimme von einem unseren zahlreichen Mäxe aus der Zehnten durch den Bus. "Ey, Daniel, schau mal, hier drüben! Der Kleine hier aus der Siebten macht sich an deine Freundin ran!" Ich grinse mir einen ab, packe mir meine Kopfhörer mit schön laut Musik auf die Ohren und denke mir meinen Teil. Man muss auch nicht immer alles kommentieren!

Donnerstag, 5. Januar 2012

Begrüßungsrituale

Heut hab ich auch mal wieder sehr viel gelernt, denn es ist außerordentlich interessant wie sich die Schülerinnen und Schüler untereinander begrüßen. Landläufig müsste man ja meinen ein einfaches "Hallo" würde ausreichen, aber weit gefehlt, denn hier gibt es zahllose Unterschiede. Ich glaube ja sogar, dass bei den Begrüßungsritualen nicht nur die jeweilige Tagesform, sondern auch die Hackordnung unter den Schülern deutlich wird.
Es begann schon am frühen Morgen am Bus. Ein kleines Grüppchen meiner Schüler stand da schon so rum. Meist geh ich so halb an ihnen vorbei, dreh ich mich kurz zu ihnen und, sag eben "moin" und tu so als würd ich mit denen sonst soweit nix zu tun haben. Schließlich bin ich noch nicht im Dienst. Bis dann doch plötzlich einer was von mir wissen will und je nach Laune und je nach Schüler geb ich eine Antwort und murmle noch so fast im Halbschlaf mit einem zugegebenermaßen kleinen, fiesen Grinsen im Gesicht "Nö, bin noch nicht im Dienst!" Worauf mir der Schüler antwortet, dass er ja eigentlich auch noch nicht im Dienst sei. "Und genau deshalb kann ich dir jetzt auch nicht dein Telefon wegnehmen und das Kaugummikauen verbieten...", entgegnete ich.
Aber halt, ich schweife ab, denn ich wollte ja über die unterschiedlichen Art und Weisen der Begrüßung berichten. Martin und John sind eigentlich gute Freunde, so dachte ich bis heut immer, aber nach der heutigen Begrüßung glaube ich, dass bei denen dicke Luft ist. In besagtem Grüppchen stand schon Martin und John kam hinzu. Die Jungs wurden alle zünftig mit Handschlag begrüßt und die Mädels mit einer angetäuschten und ein wenig halbherzig anmutenden Umarmung. Dann wollte John auch Martin die Hand geben, doch Martin verweigerte. John zuckte die Schultern und zog ab. Einige Minuten später tauchte ein mit etwas zu viel Wasserstoffperoxid gefärbter Blondschopf namens Linda auf. Sie drückte, knuddelte und herze alle. Am Ende dieses Gruppenkuschelns legte sie den rechten Arm über meine Schulter, wobei ich den linken Arm leicht hob und ihn kurz unterhalb ihres Schulterblattes ablegte. Ganz wichtig ist bei dieser Art von Umarmung den Gegenüber nicht wirklich herzig zu drücken, denn diese würde ein Zuviel an körperlicher Nähe bedeuten und das ist von beiden Seiten nicht unbedingt erwünscht.  Das nenne ich übrigens eine kurze, angetäuschte Umarmung, die allerdings in diesem Fall nicht unbedingt als herzlos zu bezeichnen ist.
Als an der nächsten Haltestelle weitere Schüler einstiegen, wurde es erst richtig spannend, was die Hackordnung bei der Begrüßung angeht. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Sophie stieg ein und das was jetzt kam, glich einer bis in kleinste Detail durchinszenierten Choreographie, was doch eigentlich "nur" Begrüßung war. Sie drehte sich nach rechts und links, um all ihre Freunde mit einem kleinen Küsschen auf die Wange zu begrüßen. So weit, so üblich. Doch dann erreichte sie den hinteren Teil des Busses, wo ihre Klassenkameraden und offensichtlich besten Freunde saßen. Die ersten beiden Jungs bekamen nur ein Küßchen auf die Wange. Dann war Linda dran und die bekam sogar schon Küsschen links und Küsschen rechts. Andreas wurde schon mit einer gewagten Dreierkombination (Küsschen links-rechts-links) begrüßt. Nachdem die beiden sich angemessen angestrahlt hatten, wurde Lisa begrüßt. Sie erhielt nach der einfachen Rechts-Links-Kombination noch einen Kuss auf den Mund. Abschließend wurde noch die hinterste Reihe gedrückt und geherzt. Das Highlight war dann die Begrüßung von Leander, der schlicht direkt einen Kuss auf den Mund gedrückt bekam. Nun war Sophie endlich, so hoffte ich, mit allen Begrüßungen soweit durch. 
Doch ich hatte mich geirrt. Nach der Such nach einem freien Platz landete sie neben mir und gab mir dann mit ihrem typischen Sonnenscheinstrahlelächeln die Hand und wünschte mir einen "Guten Morgen". Ich strahlte zurück und sagte natürlich auch ganz brav "Guten Morgen". Schließlich sind so außerordentlich freundliche und höfliche Schüler selten. Wir setzten unsere Kopfhörer auf und fürs erste war der Begrüßungsmarathon zumindest für Sophie erledigt.

Mittwoch, 9. November 2011

Tilly und früher war alles besser

Heut war mal wieder Busfahrtag. Freudestrahlend begrüßte mich Tilly schon von weitem, denn er hat immer etwas ganz Wichtiges mitzuteilen, auch wenn es keiner wissen will. Wir nennen ihn im Kollegium auch schon gerne mal Professor Doktor, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Heut bat er mich darum, dass er seine Pause eher beenden dürfe, um ins Schulgebäude zu kommen. (Die Schüler müssen bei uns vorm Unterricht noch auf dem Schulhof warten und dürfen erst zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn ins Schulgebäude.) Schließlich hängen doch heute die Listen für die Projektwoche aus und er müsse sich ganz dringend unbedingt als Erster eintragen, weil doch sonst seine Wunschgruppe schon voll sei. Ich lächelte höflich und sagte, dass ich für ihn keine Ausnahme machen könne und dachte still weiter, dass er sich gefälligst wie alle anderen um die guten Plätze prügeln müsse. Schade, antwortete Tilly und ich glaube, er war auch ein wenig beleidigt.

Dann lernte auch ich am frühen Morgen auch noch etwas Neues. Früher war alles besser! Es fahren immer ein paar Grundschüler mit. Als diese wieder ausgestiegen waren, erklärte Max, neunte Klasse und ein besonders sensibles Gemüt, dass sich diese Kinder von heute nicht mehr zu benehmen wüssten. Diese Bälger seien wirklich unmöglich. Als er noch ein kleines Kind gewesen war, hätte er noch gewusst, wie man sich zu benehmen hat, aber diese Rotzgören von heute. Einfach nur schrecklich, mal ehrlich! Erstaunlich, erstaunlich, was Max, der mir im vergangenen Schuljahr noch fast jeden Unterricht gesprengt hat, so plötzlich von sich gibt.

Aber manchmal wird im Bus auch gekuschelt. So steht die kluge Ina aus der achten Klasse offensichtlich auf die jüngeren Männer aus der siebten... (tschuldigung, das Bild ist etwas verwackelt. Da ist der Bus wohl grad durch ein Schlagloch gefahren.)


Und zum Schluss noch der Kalauer des Tages:
Mach dich doch endlich mal aus dem Staubitz...

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Einfach nur herzig...

Ich fahre gern Bus und davon hab ich auch schon einmal berichtet. Mittlerweile haben sich meine Schüler auch daran gewöhnt, dass ich neben ihnen im Bus sitze. Das "Hallo" ist nicht mehr so laut und euphorisch, wie noch zu Beginn des Schuljahres. Das macht mich auch wirklich froh, denn mit so hysterischen Begrüßungen am frühen Morgen kann ich gar nicht gut umgehen, denn ich muss schließlich so früh am Morgen auch erstmal ganz langsam wach werden. Da unterscheide ich mich kaum von meinen Schülern.
So lehnen sich meine Schüler jetzt entspannt zurück, nehmen mich kaum noch wahr. Manche kuscheln sich zur Seite und nehmen auf der Schulter des Nachbarn noch ein kleines Nickerchen. Das sieht wirklich süß aus, wenn die großen, lauten Jungs so mit geschlossenen Augen beinah miteinander kuscheln. Manche blättern auch leicht hektisch noch den einen oder anderen Hefter durch. Zu Hause, am Vortag Lernen ist ja auch voll überflüssig und anstrengend. Bekanntermaßen ist das Lernen morgens im Bus am effektivsten. Schließlich muss dann der ganze Quatsch nur mal eben für zwei oder drei Stunden ins Kurzzeitgedächtnis. Alles andere wäre ja auch überflüssig.

Manche unterhalten sich und das klingt dann unter anderem so:
Jens: "Da vorn sitzt eine, die find ich echt heiß."
Daniel: "Welche?"
Jens: "Na, da ganz vorn, mit den langen blonden Haaren..."
Daniel springt auf, schaut dem Mädchen ins Gesicht, macht auf den Haken kehrt und setzt sich wieder. Mit wiegendem Kopf und gespitzten Lippen sagt er nur kurz: "Naja..."
Jens: "Ja, aber mann, du musst auch mal in meiner Liga denken und nicht in deiner! Ich find sie gut."
Daniel: "Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters."


Etwas später steht Tim ganz langsam auf, um sich auf den Boden zu hocken, denn da liegen zwei Blätter. Vor mir sitzt die schlafende und Musik hörende Sophie. Ihr sind die Blätter wohl von Schoß gerutscht. Vermutlich hat sie auch vorgehabt, sich früh im Bus noch besonders wirkungsvoll auf schulische Pflichten vorzubereiten. Tim bewegt sich ganz sachte, hebt die Blätter auf und legt sie Sophie vorsichtig, geradezu liebevoll auf den Schoß zurück. Davon aufgeschreckt blickt Sophie irritiert um sich und Tim macht ihr in umsichtiger Weise pantomimisch (Sophie hört immer noch Musik) deutlich, was passiert ist. Beruhigt rutscht Sophie noch einmal für ein paar Minuten tiefer in den Sitz und schließt die Augen.

Und um diesen herzigen Momenten noch einen würdigen Abschluss geben, bekam ich noch zwei Herzchen: eins von Marten und eins von Jens.

Mittwoch, 28. September 2011

Am Bus und die neue Nummer

Der heutige Tag startete mit einer Fahrt mit dem Bus und das ist immer wieder ein Ereignis, denn das ist ganz zufälligerweise genau der Bus mit dem auch zahlreiche Schüler den Weg zu unseren schönen, kleinen Schule finden. Mit Schwung biege ich um die Ecke und ich seh die Trüppchen stehen. Die wenigsten Schüler nehmen mich überhaupt noch wahr, denn ich fahr seit Schulbeginn ein Mal pro Woche mit diesem Bus. Da sitzt in ein paar Metern Entfernung der sympathische Felix auf einer Bank und winkt mir zu. Dann steht plötzlich ein blonder Wuschelkopf vor mir (ich fürchte, dass da beim Blondieren was schief gelaufen sein muss), strahlt mich an und legt mir ihren Arm vorsichtig um den Hals. Einige meiner Mädels begrüßen mich wortlos, nur mit einem Lächeln und einer Umarmung. Ich merke, dass alle noch recht müde sind, denn aus der Schule kenn ich die meisten deutlich gesprächiger... Die Begrüßung hat dann auch manchmal schon etwas leicht hysterisches, denn da stürmen die besagten Mädels auf mich zu und rufen schon mal aus vollem Halse meinen Namen durch das Schulhaus.
In einer anderen Ecke versammeln sich einige Zehntklässler, die sich mir schon im vergangenen Schuljahr als Lieblingsneunte einen Namen gemacht haben. Dennis dreht sich irgendwie komisch zur Seite. Dann grint er mich schelmisch an und ich frag mich, was er mir damit sagen möchte. Der Bus fährt ein und wir stellen uns an. Genau hinter mir steht nun Dennis und nimmt noch einen letzten tiefen Zug von seiner Zigarette. Plötzlich guckt er schon wieder so komisch. "Aber Jeder weiß doch hier, dass du rauchst!", sag ich zu ihm. "Ja, schon. Aber ich darf doch eigentlich nicht in der Öffentlichkeit und so und Sie als Lehrer müssten doch dann Schritte einleiten... Jugendamt, oder so?!" "Aber, du bist doch schon 16..." "Mh, ja schon..." - Eigentlich hätte ich an dieser Stelle viel lieber etwas in der Art gesagt, wie "Raucher küssen, ist wie einen Aschenbecher auslecken!" Aber das fiel mir natürlich erst später ein.


Dafür machte mir Dennis später im Unterricht noch ein kleine Freude. Nach der Begrüßung teilte er mir mit, dass er eine neue Telefonnummern hätte. Ich lächelte mild und sagte: "Na, dann schreib mir sie auf und leg sie hier auf meinen Tisch." Das tat Dennis dann auch und keine zwei Minuten später kniete Dennis mal wieder vor mir nieder und gab mir einen kleinen Zettel mit Herzchen, seinem Namen, seiner Nummer und einem "I love you" in die Hand.

Am Ende des Unterrichtes stand dann plötzlich noch Jasper  mit einem Kartentrick vor mir und und die Karte, die ich zog, war dieses Pik-Ass und darauf stand seine Telefonnummer. Mit einem Augenzwinkern und einem nahezu legendär charmanten Lächeln verabschiedete er sich "Rufen Sie mich doch mal an...!"

Montag, 14. März 2011

Loch in der Hose

Jeden Morgen fahr ich an der Bushaltestelle vorbei, an der meine Schüler auf den Schulbus warten. Manchmal sind sie schon weg, manchmal winken ein paar. Doch heut traute ich meinen Augen nicht. Ich blieb kurz stehen. Meine Lieblingsjungs aus der Neunten freuten sich. Andre freute sich sogar so sehr, dass er seinen Pulli hochschob und einen wohl definierten Waschbrettbauch freilegte. Sicher, es ist nicht mehr ganz so kalt, aber ich war doch sehr überrascht, wenn auch ausgesprochen positiv. Denn wann bekomm ich schon mal so eine Aussicht vor die Linse.
In der Schule angekommen, wollten zuerst Andres Kumpels natürlich wissen, wie ich diese Aktion fand. Ich lächelte nur vielsagend. Dann erklärte mir Andre auch noch, dass er sich  normalerweise nicht eben mal so frei machen würde und normalerweise Geld dafür nähme. Er grinste von einem Ohr zum anderen und fragte, was ich ihm denn böte, wenn er mir nochmal seinen durchtrainierten Oberkörper zeigen würde. Ich lachte nur und bat ihn zu Hause nicht zu erzählen, dass eine Lehrerin verlangen würde, dass er sich auszog! Das könnte nämlich nicht nur zu Verwirrung, sondern zu schweren Missverständnissen führen. Andre versprach es mir!

Diese Begrüßung toppte in der nächsten Stunde der kleine Wuschelkopf Nico aus der Achten. Wie immer tuschelte er mit seinem Nachbarn. Ich ermahnte ihn mehrfach und drohte ihm den Rauswurf an. Dann platzte es aus ihm heraus: Frau Dinges, Sie haben ein Loch in der Hose, hinten an der Arschtasche. Die Lacher waren damit selbstverständlich auf meiner Seite. Die Klasse tobte. Nico hatte auch großes Mitleid mit denen, die seinen Ausruf beim ersten Mal nicht mitbekommen hatten. So wiederholte er lauthals seine Entdeckung. An dieser Stelle wurde ich böse und schrie ihn an, er solle endlich aufhören mir auf den Arsch zu starren. Wo kommen wir denn hin, wenn mir schon die Achtklässler auf den Arsch glotzen!

In der Pause befühlte ich unaufällig meine Po-Tasche und hatte das Gefühl, dass dieses Loch wirklich sehr klein sein musste. Dann befragte ich meine Kollegin, ob es denn ein schlimmes, großes Loch sei. Sie schüttelte den Kopf: Nein, nein! Nur ein ganz kleines! Aber was soll ich daraus schließen? Nico hatte die ganze Stunde offensichtlich nur eins im Kopf...