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Montag, 12. November 2018

Eine Jacke und Stifte

Lisa ist sonst immer zuverlässig und pünktlich zum Stundenbeginn an ihrem Platz. Das war sie heute auch. Doch noch bevor ich die Zehntklässer begrüßen konnte, riss sie die Augen auf. Ihr linker Arm schnellte nach oben. Noch ehe ich ihren Namen sagen konnte und fragen konnte, was sie wolle, rief sie mir zu: "Frau Dingens, entschuldigen Sie bitte, aber ich muss noch meine Jacke holen." 

Höflich war sie ja. 

Ich war irritiert. Stirnrunzelnd gab ich zu verstehen, dass ich nicht verstand, wozu sie im Unterricht ihre Jacke brauchte. Lisa verstand mich mittlerweile ohne Worte. So erklärte sie mir, dass ihre Stifte in ihrer Jacke seien und diese brauche sie schließlich im Unterricht. Richtig. Ich nickte langsam, ganz langsam. "O-k-a-y", stotterte ich. Lisa verschwand.
Ich atmete tief durch. "Früher" begann ich und das obwohl ich diesen Satzanfang im Grunde furchtbar finde. Aber ich koketiere hin und wieder gern damit, da ich auf diese Weise eine ganz eigene Aufmerksamkeit bekomme. Schüler mögen persönliche Anekdoten. Außerdem funktioniert dieses "früher" auch als "fishing for compliments", weil Frau Dingens ja noch gar nicht so alt ist. 
Also ich erhob meine Stimme: "Früher, als ich noch zur Schule ging," und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu "so etwa vor hundert Jahren. Da hatte ich eine Schultasche, in welcher unter anderem eine Federmappe war und in dieser Federmappe waren Stifte." Mittlerweile war Lisa wieder da und grinste. "Ich hab halt meine Stifte in der Jacke..."

Montag, 18. Juni 2018

Fehlende Konzentration

Eine Zehntklässlerin hatte heute einen Termin zur Nachprüfung. Es ging bei ihr um einen besseren Schulabschluss. Das heißt also, wenn sie sich mit dieser Prüfung in einem Fach verbessert, dann wird ihr Abschluss besser. Die Prüfung sollte im Fach Kunst stattfinden. Der Kunstlehrer war sehr gut vorbereitet und selten so aufgeregt wie heute, denn es wäre seine Premiere gewesen. 

Am Dienstag hat Herr Kunst ihr alles Wichtige erklärt. Nach dieser Besprechung scharwenzelte die junge Dame noch durch das Schulhaus. Es war eine Überraschung für so manche Schüler ihr zu begegnen, da die Zähntklässler derzeit im Praktikum sind und sich somit nicht im Schulhaus aufhalten. So waren die anderen Schüler verwundert über ihre Anwesenheit. Einige Schüler scharten sich um sie.

Dienstag, 23. Januar 2018

Ein Stift zum Stundenende

Der Unterricht in der Neunten neigt sich dem Ende zu. Es sind nur noch zwölf Minuten bis zur Pause, vielleicht waren es auch nur noch zehn. Ich bin mir nicht ganz sicher.
Ein junger Mann meldet sich, ach was sag ich, er winkt. Er ist sehr, sehr aufgeregt. Seine blauen Augen hat er weit aufgrissen. Sein Verhalten, das dem eines aufgescheuchten Huhnes gleicht, lässt mich darauf schließen, dass das, was er sagen möchte, wirklich mal so richtig wichtig ist.
Ich möchte ihn ja gerne aufrufen, aber ich bin nicht schnell genug. Nun, ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste. Um seiner Meldung weiteren Nachdruck zu verleihen, ruft er zusätzlich meinen Namen: „Frau Dingens, Frau Dingens!!!“ (Und wenn ich drei Ausrufezeichen schreibe, dann meine ich das so.)
Ich frage ihn, was denn so kurz vor Unterrichtsschluss so wichtig sei. Er fragte in seinem zuckersüßeten Säuselton, ob er auf Toilette dürfe. "Es sind doch nur noch ein paar Minuten bis zur Pause", entgegnete ich ruhig. "Aber, aber... Frau Dingens, der Stift malt schon..."

Sonntag, 16. Juli 2017

„Oh, das ist jetzt aber blöd.“

Eine Szene wie aus Ladykracher. Das Setting: Klassenfahrt. Es ist kurz nach Mitternacht und ich wäre dabei Anke Engelke, die sich mit verschränkten Armen und bösem Blick vor einem Schüler aufbaut, der sich gerade aus der dritten Etage zu den Mädels nach unten schleichen möchte. Der junge Mann steht da barfuß, in Shorts und T – Shirt. Die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich ihn dabei ertappe, dass er eine gute Stunde nach Beginn der Nachtruhe sein Zimmer verlässt.

Aus dem Unterricht kenne ich ihn äußerst spontan und reaktionsschnell, um nicht zu sagen frech und durchaus auch vorlaut. Nach einer Schrecksekunde stellt er dann trocken fest: „Oh, das ist jetzt aber blöd. Ich geh dann mal wieder.“ So dreht er sich um und verschwindet treppauf. Ich grinse in mich hinein und sag leise: „Ja, dann mach das mal…“

Schnitt

Dann berichte ich meiner Kollegin davon und uns schüttelt ein heftiger Lachflash mit Tränen in den Augen. Wir sind uns einig. Klassenfahrt fetzt!

Montag, 23. November 2015

Die Jugend von heute ist besser als ihr Ruf

Heute morgen musste ich mal wieder Bus fahren. Bedauerlicherweise, denn meine ausgesprochen sympathische und sonst äußerst zuverlässige Mitfahrgelegenheit war heute unpässlich. 

Ich betrat den Bus. Der Busfahrer freute sich auch mich mal wieder zu sehen. Dann begann das alte Spiel und ich suchte mir einen Sitzplatz. Das erwies sich anfänglich als ein etwas schwierigeres Unterfangen, denn der Bus schien voll besetzt zu sein. In erster Linie zwar von Schülern, aber in zweiter Linie von Taschen, Rucksäcken und dicken Winterjacken. Als ich dann ganz hinten im Bus angekommen war, machte sich der Frust in mir breit: So ein Mist, so früh, kalt draußen und noch nicht mal ein Sitzplatz. Doch dann räumte eine freundliche, aber sehr ruhige Achtklässlerin Jacke und Tasche vom Platz neben sich und ich konnte mich setzen. Ich schloss die Augen, stöpselte mir die Kopfhörer ein und startete die Musik. Nichts hören und nichts sehen - das wünschte ich mir. Ich erwartete eine ruhige Fahrt, in der die Schülerbande um mich herum auch nur Musik hört oder irgendwie halbherzig noch irgendwelche Vokabeln lernt.

Freitag, 20. Februar 2015

Vorurteile und die Glitzerfee in der Werkstatt

Ich kenne ja die meisten meiner Schüler eben nur so als quasi gewöhnliche Schüler. Nun ist natürlich keiner meiner Schüler gewöhnlich, aber sie sitzen nun eben einfach in meinem Unterricht rum und verhalten sich. Sie verhalten sich wie man es eben so von einem Schüler erwartet. 
Meine lieben Leser, ihr wisst schon, was ich meine. So Schüler halt... Es gibt da unterschiedliche Typen von Schülern. Der klassische Streber ist bei uns eher selten zu finden und sollte da doch mal einer dabei sein, dann ist das vermutlich eher ein Versehen und auf kurz oder lang passt er sich auch dem Niveau der anderen Schüler an. Also, der Streber, er sitzt ruhig auf seinem Platz hört zu, meldet sich und hat immer ganz tolle Antworten. Wenn sich einer dieser Strebertypen meldet, muss ich abwägen, ob ich ihn gleich dran nehme oder ihn noch etwas schmoren lasse. So einer kann nämlich die ganze Stimmung versauen, wenn er oder auch gerne mal eine Sie sofort auf Anhieb die Frage in absoluter Perfektion beantworten kann. 

Freitag, 14. Februar 2014

Plakat

In einer kreativen Gruppenarbeit fragt mich Tilly, ob ich mit der Arbeit zufrieden sei. Genauer gesagt, fragt er mich: "Frau Neumann, äh, tschuldigung, Frau Dingens, geht das so?" Ich liebe diese so präzise ausgefeilte Fragestellung, weil ich dann immer genau weiß, was die Schüler wissen wollen und ich kann daraufhin auch immer so präzise Hinweise geben. Auch wenn ich jetzt schon in Tateinheit mit Frau Neumann als gespaltene Persönlichkeit auftrete, kann ich nicht so recht antworten. Ich lege meine Hand ans Kinn und suche mit geschulten Kennerblick nach den richtigen Worten. Warum lernt man sowas eigentlich nicht schon in der Ausbildung?
Der nun doch schon als junger Mann zu bezeichnende Schüler schaut mich erwartungsvoll an. Ich kenne ihn lang genug um zu wissen, dass er schon mit einem uneingeschränkten Lob rechnet. Vermutlich auch aus diesem Grund muss ich ein bisschen nach Luft ringen. Tilly beginnt zu erklären. Ich entgegne ihm ruhig, dass ich weiß, dass es sich bei seiner Darstellung um eine Karikatur handeln soll. Weiter erkläre ich, dass eine Karikatur nicht funktioniert, wenn sie erst ausführlich erklärt werden muss. Das wisse er natürlich und schüttelt dabei den Kopf. Wahrscheinlich denkt er gerade, dass ich völlig inkompetent sei. Das macht aber nichts, denn da steh ich drüber, weil ich hab meinen Hochschulabschluss schon. Er nicht!
So gehe ich nochmal in mich, lege die Stirn in Falten und schinde Zeit für eine richtig gute pädagogisch wertvolle und diplomatische Antwort. So sage ich: "Ich finde deine Idee wirklich gut. Du bist wirklich kreativ. Aber du musst das plakativer machen!" - "WAS? Ich soll noch ein Plakat machen?!"

Jetzt muss ich dem Jungen noch erklären, was plakativ heißt. Das tue ich auch, aber nicht hier...

Dienstag, 21. Januar 2014

Säue und Wölfe

Was bedeutet Wolf im Schafspelz?
Na, das ist doch wie die kleinen, putzigen Hunde, die so kleine Jäckchen anhaben.

Kennt ihr den Ausspruch "Perlen vor die Säue"?
Aber, das stimmt doch gar nicht! Säue fressen doch gar keine Perlen!

...

Stimmt! Aber wie erklärt man Siebtklässlern, was eine Metapher, also ein sogenanntes "sprachliches Bild" ist. Schließlich haben die Kleinen doch blitzschnell erkannt, dass das doch gar nicht geht, also Sprache und Bild. Bilder malt man mit Stiften oder mit Pinsel und Farbe. Bilder hängt man sich außerdem an die Wand. Aber was sollen dann bitteschön sprachliche Bilder sein und was macht man mit denen?

Mittwoch, 15. Januar 2014

Ein Hund

Es fliegt ja immer mal wieder zerknülltes Papier in der Gegend herum. Dieses gute Fundstück habe ich einem Schüler abgenommen. Seiner Banknachbarin war es etwas peinlich. Ich konnte es an ihrem Gesicht ablesen, aber Josh erklärte mir mit seinem strahlendsten Lächeln, dass das auf dem Blatt lediglich ein Hund sei. Ich schaute mir das Bild genauer an, lächelte und nickte: "Genau, Josh! Das ist ein Hund mit großen Kulleraugen, die dich anschauen und Schlappohren." Von der Seite bestellte Martin auch noch ein Bild. Er wolle auch gern so einen Hund, nur die Augen müssten ein bisschen größer sein." Vani, die Banknachbarin von Josh, schnappte nach Luft und riss die Augen auf: "Aber, aber Frau Dingens! Das ist kein Hund." Ich zwinkerte Josh an, blickte nochmal auf die Zeichnung und erklärte nochmals ruhig: "Natürlich ist das ein Hund!"

Freitag, 20. Dezember 2013

Ein Keks

Was macht man so mit seinen Schülerleinchen am letzten Schultag vor Weihnachten. Die meisten meiner Kollegen vertrieben sich die Zeit ähnlich wie ich, nämlich mit Essen. Außer Herr Krawatnik, denn der schrieb noch in der letzten Stunde mit der zehnten Klasse eine Klassenarbeit. Ganz schön hart...

Unter dem Stundenthema "Gemeinsames Weihnachtsfrühstück" wurden so in fast allen Klassen (eben außer in der Zehnten) Unmengen an Keksen, Schokolade und auch selbst gebackenen Plätzchen vertilgt. Soweit so gut und vor allem auch nichts Besonderes. Aber dieses Jahr hatte ich mein eigenes Plätzchen. Das hatte Jasi extra nur für mich dekoriert und da stand sogar mein Name drauf.

Mein persönliches Plätzchen mit Herzchen *freu*

Freitag, 13. Dezember 2013

Silvesterknallen

Es gibt diesen Unterricht, der läuft von alleine. Die Schüler arbeiten in Gruppen, sie arbeiten wirklich und quatschen nicht. Ich liebe diese Atmosphäre, denn es ist entspannt für die Schüler, aber natürlich auch für mich. Denn ich muss nicht ständig wie ein Schießhund lauern und kontrollieren, wer was macht oder eben im Zweifelsfall eben auch nicht macht. Im Grunde nervt es mich nämlich unglaublich den Schülern ständig gebetsmühlenartig ihre Fehler aufzuzeigen. Mir macht es viel mehr Spaß mir die Gruppenarbeiten anzusehen, zu loben und mich zu freuen, was alles läuft. In dieser Atmosphäre werden meine Tipps und Hinweise nicht als Kritik aufgefasst (unter dem Motto: "Sie finden immer alles scheiße!" oder "Sie sind nie zufrieden!"), sondern als Unterstützung. Zumindest glaube ich das gern und red es mir deswegen auch besonders gern ein.

In einer solchen gelösten Gruppenarbeitsstunde fragte mich Deniz, was ich denn Silvester machen würde.

Samstag, 24. August 2013

Geil, geil, geil

Wenn sich Schüler Zettelchen schreiben, dann hat man als Lehrkraft unterschiedliche Möglichkeiten. Bei den Jüngeren reicht ein böser Blick, dann packen sie ihre Schreibarbeit zur Seite. Wenn man schnell ist, dann sammelt man den Zettel ein. Hier hat man wiederum mehrere Möglichkeiten. Es soll ja tatsächlich Kollegen geben, die diese Dinge dann laut vor der ganzen Klasse vorlesen. Ich werfe die Briefchen gern auch mal in den Müll. Hin und wieder stecke ich mir einen auch mal in die Hosentasche und lese ihn dann im Lehrerzimmer. Spannend ist das meist nie.
Doch am gestrigen Freitag erhielt ich Lektüre mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei den folgenden Schreibarbeiten um eine siebte Klasse handelt. Nachdem der Klassenlehrer über seine Schäfchen informiert wurde, habe ich mir die ersten zarten, erotischen Annäherungsversuche geschnappt. Und nun sind sie hier!
Einfach FICKEN! - Klasse 7

Dienstag, 11. Juni 2013

Warum ist die USA so mächtig?

Aus dem Geschichtsunterricht der neunten Klasse:
Die USA ist ein sehr Rohstoffreiches land und das nicht nur heute sondern auch in denn Weltkriegen sie sind auch immer auf dem technisch neuesten Stand
Aber ob die USA wirklich noch so mächtig ist, ist fraglich weil im September 1999 sagte die Kommission, dass so wie beeindruckend die Armee auch sei würde sie nicht reichen gegen die neuen Gefahren Und da sich die USA meisst von dem Tourrismus finanzieren ist sie abhänig von ihren verbündeten. Sie werden auch schwierigkeiten haben verlässliche Partnerschaften aufzubauen.
Für die meisten ist die USA so mächtig weil sie die "ersten" auf dem Mond waren
Martin Luther King hat sehr viel in der USA bewegt er hat sei für die gleich berechtigung der schwarzen eingesetzt

Wer mir erklären kann, was der angehende junge Mann mir damit sagen möchte, der möge sich bitte melden. Auch nach längerem Grübeln erschließt sich mir der Inhalt nicht. So konnte ich nur dickes rotes Fragezeichen neben dem ersten Absatz machen.

Dennoch muss ich doch davon ausgehen, dass sich der Junge dabei Gedanken gemacht hat. Aber nur welche...

Freitag, 7. Juni 2013

alt oder retro?

Heut stach mir das T - Shirt eines Achtklässlers in die Augen und das nicht nur weil es im schönsten Sommergrün leuchtete. Es waren die EmTiVi -  Idioten der Neunziger darauf abgebildet: Beavis und Butthead. Ich sprach den Jungen an und sagte ihm, dass ich noch die Zeiten kenne, in denen die, die da auf seinem Shirt zu sehen sind, im Fernsehen liefen. Nun wollte ich nur noch eins wissen: "Bin ich jetzt alt oder retro?!" Ich war froh, dass André total entspannt war und einfach nur mit den Schultern zuckte und sich dann letztendlich auch völlig unaufgeregt von mir fotografieren lies. Wahrscheinlich dachte er nur bei sich, dass die Frau Dingens vielleicht grad ein bisschen zu lange in der Sonne gelegen hat. Oder eben auch einfach nur Ferien braucht...

Montag, 29. April 2013

Der Ural - zeichnerisch dargestellt

Hin und wieder gibt's bei mir auch mal eine kleine Spielerunde. Dazu habe ich verschiedene geografische Begriffe auf Kärtchen geschrieben, die die Schüler zeichnen, erklären oder mittels Pantomime darstellen müssen. Die Anderen müssen diesen Begriff erraten. Das ist nicht nur bei den Kleinen, sondern auch bei den Großen äußerst beliebt und zwar vermutlich weil ich da immer zwei Mannschaften gegeneinander antreten lasse. So eine Wettbewerbssituation ist immer sehr motivierend, auch wenn ich den Eindruck habe, dass es letztendlich im Grund egal ist, wer gewinnt.
Bei dieser Runde hier war Mäxchen aus der Zehnten mit mal so richtig viel Elan dabei. Allerdings entschuldigte er sich bevor er den gezogenen Begriff zu zeichnen begann mit den folgenden Worten: "Ich bin nicht stolz darauf, was ich hier jetzt an die Tafel male." Mir war schleierhaft, warum er sich entschuldigte, denn es ging, wie bereits erwähnt, ausschließlich um geografische Begriffe und Mäxchen hatte soeben lediglich den Begriff "Ural" gezogen. Dennoch! Mir schwante Böses...

Montag, 22. April 2013

Blut, Tränen und Mc'n

Heute war ich mit Schülern unterwegs. Anstrengung, Stress und Stimmung kann dabei je nach Klasse, Fahrtziel und Wetter variieren. Die Kombination heute versprach einen ruhigen Tag, denn es war meine Klasse, es ging nach Berlin und das Wetter war sonnig, aber nicht zu heiß. Das Programm war eng gefasst, relativ übersichtlich und die Bahnverbindung war so gewählt, dass wir zügig und ohne größere Mätzchen von A nach B kommen.
"Ja, aber wir haben doch noch Zeit?" Ich schaute André fragend an, schüttelte den Kopf und sagte nur knapp: "Nein!" André verdrehte die Augen. "Aber... aber... Ich möcht doch noch zu Mc'n" Aus seinen braunen Kulleraugen blickte mir die tiefe Enttäuschung eines kleinen Jungen entgegen, der soeben verstand, dass es doch nicht der  Weihnachtsmann ist, der am Heiligen Abend die Geschenke bringt.
Da gesellte sich Flo in seiner coolen, entspannten Checkerpose zu uns, rempelte mir so kumpelhaft in die Seite: "Ach, Frau Dingens, ham'se sich doch mal nicht so. Wir haben doch noch genug Zeit. Und Mc'n geht doch auch ganz schnell. Heeßt ja wohl ooch Fast Food" Nein, wir hatten die Zeit nicht und ich erklärte mit pädagogischer Sanftmut, dass wir nur wenige Minuten Zeit zum Umsteigen haben. Andrés Verzweiflung wuchs zusehends und fast hatte ich den Eindruck, dass der Junge gleich anfängt zu weinen. Ich legte ihm die Hand um die Schultern. "Mäuschen, du bist heut ganz schön traurig und enttäuscht." Dabei bemühte ich mich eines ernsthaften Tonfalles, denn ich hatte mal irgendwo gehört, dass es wirklich total wichtig ist, dass man seine Schüler ernst nimmt. "Ja!" schniefte André nur. "Aber heute haben wir keine Zeit!" beschwichtigte ich. Er war wohl sicher immer noch traurig, aber er verstand wohl.

Und dann war da noch der kleine blonde und blauäugige Benni, der sich im Eifer des Gefechtes den Ketchup von seinem Bratwurstbrötchen auf die Hose drückte und seiner Mitschülerin mit kessem Grinsen im Gesicht erklärte, dass er Blut auf der Hose hat, weil er ja nun grad seine Tage hätte. Benni bat mich zuerst um ein Taschentuch und dann um einen Tampon. Letzteres natürlich nur zum Scherz und ersteres um das Ketchupblut von seiner Hose zu wischen. Zunächst wollte er wissen, ob denn Ketchup aus den Klamotten wieder rausgeht. Ich nickte. Dann stellte Benni noch fest, dass Frauen ja mal schon allein wegen der Hygieneartikel teuer seien... 

Montag, 8. April 2013

Abstriche machen

Bloß gut, dass ich mir immer mal so kleine Zettelchen schreibe. Ansonsten würden mir doch viele meiner schönen Geschichten, Anekdoten und mich auch schon mal zur Verzweiflung bringende Äußerungen durch die Lappen gehen, wie zum Beispiel diese hier. 

In meiner Klasse ging es darum eine Abstimmung durchzuführen. Frag nicht warum und worüber! Manchmal steh ich eben voll auf so demokratisches Gedöhns und so. Vor allem fühlen sich dann meine kleinen Schnuffels so ernst genommen. Zumal sie ja nun schon in der neunten Klasse sind und damit schon so echt voll krass erwachsen. 
Aber nun zurück zu dieser Abstimmung. Ich hab da in meiner Klasse einen von der ganz besonders motivierten und engagierten Fraktion, der immer direkt aufspringt, mit den Fingern schnippst und ganz laut "HIER" schreit. So auch diesmal. Wir hatten schon die Liste mit den unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten an der Tafel stehen. Da schrie Jon vor lauter Euphorie schon ganz außer sich: "Ich, ich will die Abstriche machen!"
Ich brach zuerst in lautes Gelächter und dann unter dem Gelächter in Tränen aus. In meinem Kopf hämmerte laut nur ein Gedanke ("Aber nicht bei mir..."), den ich allerdings nicht laut äußerte. Da mich meine Klasse schon völlig verständnislos anstarrte. Offensichtlich hatte nur ich die Doppeldeutigkeit verstanden. 

Naja, da muss ich dann wohl einfach auch mal Abstriche machen...

Mittwoch, 13. März 2013

Vernetztheit der Weltwirtschaft

Nachdem den lieben Kleinen klar sein sollte, dass Japan ein wichtiger Lieferant von technischen Gerätschaften oder wichtigen Kleinteilen für technischen Gerätschaften sind, sollten sie diese Vernetzheit der Weltwirtschaft grafisch darstellen. Aber bei der folgenden Darstellung habe ich mich erschrocken, denn der kleine Theo meint doch tatsächlich, dass nach der Atomkatastrophe von Fukushima 20% der Welt nicht mehr hergestellt werden.
Grafische Darstellung der Venetzheit der Weltwirtschaft am Beispiel Japan - oder?
Das wirft nun verschiedene Fragen auf: Wer stellt die Welt her? Wie wird sie hergestellt? Warum wurde die Herstellung eingestellt? Welche Folgen hat das? Liegt das jetzt an der globalen Erwärmung oder weil Fukushima total verseucht ist? ...

Freitag, 1. März 2013

Ein guter Zuhörer

Neulich gesellte sich Luis bei der Pausenaufsicht zu mir. Er lächelte mich an, legte den Kopf schief, wobei sein langer schwarzer Pony auf die Seite rutschte und sein linkes Auge freilegte (Das muss ich mir merken! Luis hat auf der linken Seite ein Auge unterm Pony) und kratze sich fragend am Kinn: "Frau Dingens, Sie schauen heut so merkwürdig, Ihnen liegt doch was auf dem Herzen." Ich war verblüfft, geradezu ein wenig geschockt, denn ich sah mich nur so um und passte auf, dass keiner dem anderen aufs Maul haut oder die Eine einer Anderen die Haare büschelweise ausreißt oder Schneebälle wirft, was auf unserem Schulhof absolut verboten ist und unter Strafe steht.
 So legte ich nun für die Antwort auch den Kopf ein wenig schief und antwortete dem Zehntklässer mit einem kleinen Lächeln im Gesicht: "Oh, Luis, selbst wenn dem so wäre, würde ich es dir nicht erzählen." Noch wirkte Luis sehr ernst und besorgt, denn er führte weiter aus, "aber, Frau Dingens, ich bin wirklich ein sehr guter Zuhörer." Was sollte ich nun darauf antworten, zumal ich schon kurz vor einem Lachanfall stand. Dennoch bemühte ich mich redlich nach bestem Wissen und Gewissen eine diplomatische Antwort zu geben. "Das glaube ich dir gern, Luis. Das kann ich mir auch wirklich gut vorstellen." Nun musste endlich auch Luis lachen. Ich war froh, dass ich mich nicht mehr zusammenreißen musste und während ich vor lauter Lachen losprustete, legte ich ihm noch kurz nickend die Hand kumpelhaft auf die Schulter, denn er übermittelte mir noch ein rührendes Hilfsangebot: "Also, Frau Dingens, wenn Sie mal jemanden zum Reden brauchen..."

Mit herzhaftem Lachen gingen wir nach der Hofpause in den Unterricht.

Freitag, 22. Februar 2013

Moskau, Moskau...

"Moskau ist ein schönes Land" - Oder was singt da eigentlich Dschinghis Khan in ihrem allseits beliebten Partyklassiker? Vielleicht kurz mal nachhören...


Na, meine lieben Schüler wissen das jedenfalls auch nicht so genau, denn sie vermuten die Stadt noch in ganz anderen Gefilden unseres schönen Planetens, wie ich bei der Kontrolle eines Tests zu diesem Thema feststellen durfte. Zunächst einmal ist Moskau nicht nur ein schönes Land, sondern liegt auch westlich von Russland und damit fast neben Polen (aber eben nur fast!) und auch ganz nah an der Grenze zur Chechischen Republik. Damit finden wir Moskau auf in der Nordhalbkugel. Natürlich ist dies alles grundsätzlich nicht so ganz falsch, aber etwas präziser war meine Erwartung für die Lagebeschreibung dann doch schon. Ich sehe Herrn Schiller schon vor meinem geistigen Auge kopfschüttelnd aufstöhnen: "Ach, Frau Dingens, sei doch nicht immer so kleinlich!" - Doch bin ich, wenn ich den Dreck das Thema ausführlich behandelt habe und sogar die räudige unhandliche Karte ausgegraben aufgehängt habe.
Achja, außerdem liegt Moskau ganz nah am Meer, nämlich neben dem Ozean Paziphisch.