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Freitag, 20. Juni 2014

Ich liebe Sie (zum Zweiten) oder Milf

Heute hatte ich mal wieder so ganz normalen Unterricht, also eigentlich wie immer. Ich stehe oder sitze wahlweise ganz vorn und stelle Fragen. Manchmal referiere ich auch so vor mich hin, obwohl ich mich wirklich bemühe es zu vermeiden. Da fällt mir auf, dies wäre kein guter Satz in einem Arbeitszeugnis: "Sie hat sich bemüht."
Ich hab noch gar nicht richtig angefangen und schon schweife ich ab. Also ich erkläre gerade etwas Wichtiges, obwohl im Grunde eigentlich alles wichtig ist, was ich erkläre, aber dies war eben besonders wichtig. Da sehe ich aus den Augenwinkeln Dan und Konrad plaudern. Nachdem ich meine Ausführungen beendet habe, wende ich mich zu Dan und bitte ihn nochmals zu wiederholen, was ich eben erklärt habe. Ich erwarte, dass er stockt, stammelt oder sich vielleicht sogar dafür entschuldigt, dass er nicht zugehört hat und nicht weiß, wovon ich gerade gesprochen habe. Aber mittlerweile hab ich gelernt, dass dies ausgesprochen selten vorkommt. Und sollte es tatsächlich mal vorkommen, dann muss ich leider davon ausgehen, dass der Schüler es nicht erst meint. Aber heut hat mich mal wieder ein Schüler fast sprachlos gemacht. Denn Dan schaut mich direkt an, seine blauen Augen leuchten als könne ihn kein Wässerchen trüben: "Frau Dingens, ich liebe Sie." Ich bin total perplex und vermutlich steht mir der Mund vor lauter Staunen ein wenig offen. Nur ganz kurz muss ich nach Worten ringen, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass diese Worte an mein Ohr dringen. So antworte ich kurz und trocken: "Dan, ich hoffe, das war eine Wette und du bekommst Geld dafür." - "Nein." Ebenso kurz und trocken war Dans Antwort.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Die zehn gemächtigen Gebote

Wie schon in den vergangenen Jahren beschäftigen sich die Neuntklässler mit den zehn Geboten, wenn auch nicht ganz freiwillig. Zunächst müssen sie sich schließlich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, welches in einer eher atheistischen Gegend dazu führt, dass die Aufgabe doch teilweise eher mit Widerwillen durchgeführt wird. Aber ich als böse Lehrerin nehme mir diese Arbeiten immer gern mit, um die Argumentation zu bewerten.

Aber dann, wenn ich sage, dass sie nun ihre eigenen zehn Gebote erstellen dürfen, freuen sie sich wie die kleinen Kinder, was sie ja nun in der neunten Klasse mit 14 oder 15 Jahren nun einmal de facto auch noch sind. Manche nehmen die Aufgabe sehr ernst und ihre Ergebnisse sind damit auch wirklich pädagogisch echt wertvoll, aber leider nicht sehr lustig. Manche überschlagen sich allerdings auch, wie die beiden Jungs im vorliegenden Beispiel. Das ist nämlich nicht nur sehr lustig, sondern strotzt auch noch so vor lauter pubertärem Testosteron.

Freitag, 13. Dezember 2013

Silvesterknallen

Es gibt diesen Unterricht, der läuft von alleine. Die Schüler arbeiten in Gruppen, sie arbeiten wirklich und quatschen nicht. Ich liebe diese Atmosphäre, denn es ist entspannt für die Schüler, aber natürlich auch für mich. Denn ich muss nicht ständig wie ein Schießhund lauern und kontrollieren, wer was macht oder eben im Zweifelsfall eben auch nicht macht. Im Grunde nervt es mich nämlich unglaublich den Schülern ständig gebetsmühlenartig ihre Fehler aufzuzeigen. Mir macht es viel mehr Spaß mir die Gruppenarbeiten anzusehen, zu loben und mich zu freuen, was alles läuft. In dieser Atmosphäre werden meine Tipps und Hinweise nicht als Kritik aufgefasst (unter dem Motto: "Sie finden immer alles scheiße!" oder "Sie sind nie zufrieden!"), sondern als Unterstützung. Zumindest glaube ich das gern und red es mir deswegen auch besonders gern ein.

In einer solchen gelösten Gruppenarbeitsstunde fragte mich Deniz, was ich denn Silvester machen würde.

Samstag, 24. August 2013

Geil, geil, geil

Wenn sich Schüler Zettelchen schreiben, dann hat man als Lehrkraft unterschiedliche Möglichkeiten. Bei den Jüngeren reicht ein böser Blick, dann packen sie ihre Schreibarbeit zur Seite. Wenn man schnell ist, dann sammelt man den Zettel ein. Hier hat man wiederum mehrere Möglichkeiten. Es soll ja tatsächlich Kollegen geben, die diese Dinge dann laut vor der ganzen Klasse vorlesen. Ich werfe die Briefchen gern auch mal in den Müll. Hin und wieder stecke ich mir einen auch mal in die Hosentasche und lese ihn dann im Lehrerzimmer. Spannend ist das meist nie.
Doch am gestrigen Freitag erhielt ich Lektüre mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei den folgenden Schreibarbeiten um eine siebte Klasse handelt. Nachdem der Klassenlehrer über seine Schäfchen informiert wurde, habe ich mir die ersten zarten, erotischen Annäherungsversuche geschnappt. Und nun sind sie hier!
Einfach FICKEN! - Klasse 7

Mittwoch, 29. Februar 2012

Darf man Schüler dissen?

Nachdem ich gestern einen Tag krankheitsbedingt ausfiel, wurde ich heut mit besonders lieben Worten meiner Schüler begrüßt: "Och, Frau Dingens, Sie sind ja wieder da. Sie hätten ruhig länger krank sein können. So mindestens bis morgen..." Ich liebe diese Sätze, die so völlig unvermittelt und ohne jede Einleitung beginnen, von einem "Guten Morgen" ganz zu schweigen. Aber ähnlich heiter ging dieser Tag auch weiter.

Bei der Mittagsaufsicht kümmerte ich mich mal wieder darum, dass die lieben Kleinen auch brav ihren Tisch abwischen. Das verläuft meist völlig problemlos. Doch heute hatte ich es mit einem mittelschweren Fall zu tun. Einen schweren Fall von Tischwischverweigerung hatte ich hier schon mal beschrieben. Heute weigerte sich Reiner  geradezu boshaft meiner Aufforderung den Tisch abzuwischen. Gute Gründe hatte er natürlich allemal. Das tangierte mich aber eher peripher, da er eben einfach dran war. Ich hasse diese Momente, denn in Ermangelung eines Druckmittels wie schlechte Noten oder die Androhung von Schlägen musste ich mir etwas anderes einfallen lassen und zwar schnell, denn Reiner zog mit einem fiesen Grinsen im Gesicht ab. Also hieß das Motto: "Blamieren oder kassieren!" Und ich entschied mich für blamieren und zwar Reiner auf dem versammelten Schulhof blamieren. Ich brüllte quer über den Schulhof, der zur großen Mittagspause natürlich gut gefüllt war. "Reiner ist so ein Mädchen, der will den Tisch nicht abwischen." 
Zwei Mädchen, die neben mir standen, hatten vor lauter Lachen eine gesunde rote Gesichtsfarbe und schon fast Tränen in den Augen. Offensichtlich hatte ich so ganz spontan genau den richtigen Ton getroffen. Diese Reaktion spornte mich an und ich hatte schon zahlreiche andere Kommentare in meinem Kopf herumschwirren, die ich aber leider nicht mehr nutzen konnte, denn Reiner stand plötzlich vor mir, mit gesengten Kopf und geradezu reumütig entgegnete er mir: "Ja, schon gut. Ich wisch ja schon ab. Aber bitte hören Sie jetzt auf!" Dabei hatte mir grad noch Franz zugeflüstert, dass Reiner auf Lynn steht und wenn ich das rufen würde, ... Aber wie gesagt, Reiner wischte ja jetzt brav den Tisch ab.
 
Nach der Pause berichtete mir der aufsichtsführende Kollege, dass einige Schüler fragten, ob ich denn so etwas dürfe. Mit großer Diplomatie kommentierte Herr Dellas den Fall folgendermaßen: "Ja, natürlich, die Frau Dingens darf alles... - Solange es nicht ehrverletzend ist, " schob er im Weggehen noch nach. Nur um juristisch auf der sicheren Seite zu sein...

Zum Ende des Schultages lernte ich noch von einer meiner Lieblingszehnten, dass die besonderen drei Worte nicht "Ich liebe dich!" sind, sondern "Fick mich, bitte!"

Montag, 5. Dezember 2011

Nur zwei Stullen

Heute Mittag hatte ich Aufsicht in der Cafeteria. Bei dieser Aufsicht geht es in erster Linie darum, die Kinder zu guten Tischmanieren (wie beispielsweise Essen mit Besteck und Eintopf nicht vom Brot abschlabbern) und zu Sauberkeit (also nicht die ungeliebten Zwiebelstückchen mit dem Löffel aus dem Teller quer über den Tisch zu katapultieren) zu animieren. 
Nach dem Mittagessen verweigerte ein sonst äußerst friedlicher und liebenswerter Schüler das Tischabwischen. Er verließ mit nicht zu überhörendem Gemaule den Raum und verweigerte schlichtweg die von mir aufgetragene Aufgabe und das obwohl er derjenige war, der verschiedene Bestandteile seines Eintopfes über den Tisch verteilte. Egal, was ich sagte und egal, wie ich es sagte - nichts wirkte. Selbst die Drohung eines Cafeteria-Verbotes für eine Woche stieß nur auf ein gelangweiltes Schulterzucken. Mein Standpauke perlte an ihm ab, wie der Regen an so einer neumodernen nanobeschichteten Oberfläche.

Ich war enttäuscht, aber vor allem wütend und zwar so unfassbar wütend, dass mir die Tränen kamen. Beim Weg über den Schulhof, zurück ins Lehrerzimmer, riefen mir ein paar Schüler nach: "Was'n los Frau Dingens?" Wie ein trotziges Kleinkind hätte ich am liebsten mit dem Fuß aufgestampft, mir die Rotze mit dem Ärmel von der Nase gewischt und ihnen mitgeteilt, dass der Christoph ein beschissenes, verficktes Arschloch ist und dass er sich mal selber ficken könne. Aber da ich ja wieder so irgendwas mit Pädagogisch sein muss, blieb es dann nur bei einem lauten und wütendem "Nichts!"

Nach dieser eiskalten Abfuhr wieder im Lehrerzimmer angekommen, wühlte ich in meinen Papierstapeln und fluchte leis vor mich hin. Zum einen, weil ich so einen verfluchten, verfickten Kackzettel suchte, auf dem ich mir heut Notizen und Noten zu Referaten der Neunten vermerkt habe und zum anderen, weil dieser beschissene Stapel an Kurztests auf meinem Schreibtisch einfach nicht kleiner wird. Neuerdings mache ich ja auch noch Heftkontrollen. Diese sagenhaft fantastische Idee hatte ich wahrscheinlich, weil damit die Stapel auf meinem Schreibtisch auf diese Weise noch schneller in unermessliche Höhen wuchern können. Der überaus sympathische Herr Schiller, der mir gegenüber sitzt, strahlte mich mit seinen blauen Augen an, zwinkerte und fragte nur: "Frau Dingens, na wat is los?" 
Da konnte ich nicht mehr, da brach es aus mir raus und zwar alles. Das mit den verfickten Stapeln auf meinem Tisch, die einfach ums Verrecken nicht kleiner werden wollen. Das mit dem beschissenen Zettel mit den Noten der Referate. Dann zu allerletzt noch das widerlich großkotzige Benehmen von Christoph. Und das alles nur wegen zwei Stullen, die der Meier auf dem Tisch liegen lassen hat und weswegen der Christoph den Tisch nicht abwischen wollte.

Samstag, 20. November 2010

Eine Postkarte


Nein, wirklich!
Solche Postkarten kann man tatsächlich kaufen und sogar verschicken, wenn man sich traut...

Donnerstag, 16. September 2010

The man who went to Malta

Die Arbeit kann doch so unglaublich viel Spaß machen und unendlich lustig sein, wenn es solche Pausenfüller gibt. Ich habe heut aus diesem Grund Tränen gelacht...