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Sonntag, 24. August 2014

Wenn die Motivation mit dem inneren Schweinehund...

Heut morgen ist meine Motivation einfach liegen geblieben. Eiskalt hat sie mich auflaufen lassen als ich aufgestanden bin. Sie drehte sich um und würdigte mich vorerst keines Blickes mehr. Sie ignorierte mich und das obwohl ich morgen nicht nur in ein neues Schuljahr, sondern auch mit einer neuen Klasse starten muss. Den ganzen Tag suchte ich verzweifelt nach einer Lösung. Einerseits wollte ich mich schon ganz gern einfach wieder zu meiner Motivation ins Bett legen, die mich hin und wieder frech angrinste als wolle sie sagen "Komm Baby! Du willst es doch auch." 

Andererseits trieb mich auch das schlechte Gewissen. Schließlich kann ich doch nicht einfach so völlig plan- und vor allem lustlos vor neue Schüler treten. Mal ehrlich, das haben die Kleinen nun wirklich nicht verdient. Sie werden ab morgen in eine neue Schule gehen und das erzeugt sicher eine Menge Aufregung und Nervosität. Es wäre wirklich sehr, sehr ungerecht, wenn ich sie leiden ließe und das nur, weil meine Motivation mit meinem Schweinehund gemeinsame Sache macht und sich den ganzen Sonntag im Bett vergnügt. Die Vorstellung den ganzen Sonntag genüsslich im Bett zu verbringen, ist wirklich echt verlockend. Aber da muss man auch mal Prioritäten setzen.

Also musste ich mich irgendwie austricksen. Das funktioniert bei mir immer ganz gut mit Musik. Auf der Suche nach Guter-Laune-Musik bin ich auf eine junge Frau gestoßen, die sogar meine Motivation aus dem Bett trieb, um sich zu bewegen. Nur der innere Schweinehund, der lümmelt immer noch irgendwo rum. Ich hab ihn schon eine Weile nicht gesehen. Wahrscheinlich erträgt er die ganze Aktivität hier nicht und hat sich in eine ruhige Ecke verkrümmelt.


Mittwoch, 8. August 2012

Heimweh

Für mich war der dritte Schultag nicht sonderlich aufregend, außer ein paar mir wirklich zu private Einblicke in das Liebesleben der Schüler. Da halte ich mir lieber die Ohren zu, denn too-much-Information und schlimme Bilder im Kopf. Außerdem wunderten sich die mittlerweile nicht mehr so neue Frau Neumann und ich uns nur darüber, dass wir so viel Zeit brauchen, um zu entspannen und wirklich im Urlaub anzukommen, aber im Gegensatz dazu schon nach zwei Tagen wieder voll im Alltagstrott stehen.

Doch Herr Schiller berichtete aus seinem Unterricht die herzerweichende Begebenheit eines Siebtklässlers. Er begann den Unterricht mit den üblichen Ausführungen seiner Anforderungen und Unterrichtsgestaltung, die am Anfang mit gewichtiger Miene gerade bei den Neuen durchgeführt werden. Die Alten wissen ja dann schon, dass dann doch nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. 
Nach wenigen Minuten begann es in der zweiten Reihe gar jämmerlich zu schluchzen. Herr Schiller erblickte einen kleinen, blonden Jungen, dem die Tränchen ungehemmt aus seinen Kulleräugchen nur so über seine Wangen rannen. Ernsthaft besorgt blickte Herr Schiller den Kleinen an und fragte, ob denn alles in Ordnung sei. (Was für eine Frage, der Junge heulte gerade! Natürlich war nicht alles in Ordnung!) So lächelte Herr Schiller den Jungen an und bat ihn erstmal kurz rauszugehen. Einen kleinen Moment später folgte er, um in Erfahrung zu bringen, warum denn der Neue so mordsjämmerlich schluchzte. Mit roten Augen erklärte unser kleiner, neuer Schützling, dass er ganz schlimm Heimweh hätte. Das verschlug Herrn Schiller ein wenig die Sprache, denn mit so einer Antwort hatte er schließlich gar nicht gerechnet. Herr Schiller versuchte ihn zu ermuntern, indem er mit kumpelhaftem Ton erklärte: "Aber wir sind doch hier nicht im Ferienlager..." Der Kleine hatte mittlerweile seine Tränen getrocknet, schaute Herrn Schiller fragend an und legte den Kopf schief. Dann purzelte nur ein langes "Hä" aus seinem Mund. Nach einer kleinen Pause sagte er dann noch: "Aber ich hab doch hier noch gar keine Freunde gefunden." - "Aber du bist doch erst den dritten Tag hier. Das wird schon noch!", tröstete Herr Schiller.

Dienstag, 7. August 2012

Die Neuen

Der Morgen begann schon unruhig. Direkt vor meinem Haus, also gefühlt direkt neben meinem Bett wurde auf äußerst unangenehme Weise eine kleine Baustelle eröffnet. Es war nicht laut genug, um einen direkt mit schweren Kopfschmerzen aus dem Bett zu werfen. Es war aber nicht leise genug, um im allgemeinen morgendlichen Geräuschpegel unterzugehen. Von diesem nervigen und dumpfen Geräusch bekam ich schlechte Laune. Das war letztendlich aber auch egal, denn ich musste ja sowieso aufstehen.
Den ganzen Morgen barmte ich. Ich wollte einfach keine neuen Schüler kennenlernen und ich wollte erst recht keine neuen Namen lernen. Das war mir alles mal grundsätzlich viel zu viel. Schon wieder fast 50 neue Kinder, die die Schule bevölkerten, kaum dass ich meine geliebte Zehnte verabschiedet habe. Warum muss das eigentlich jedes Jahr von Neuem beginnen? Immer wieder neue Schüler und ich werde dabei immer älter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich dabei nicht nur einfach jedes Jahr etwas älter werde, sondern auch immer ein klein wenig zynischer. Oder ist das einfach nur der Humor, der mich über Wasser hält? Oder war das heut morgen die Nervosität, die mir da zu schaffen machte?

Na, auf jeden Fall hatte ich heut in den ersten beiden Stunden eine der beiden neuen siebten Klassen. Und ich hatte, wie vermutlich grad schon erwähnt, aber so was von gar keine Lust drauf. Noch etwa 3 m vor der Tür meines Fachraumes wäre ich am liebsten schreiend weggelaufen. Vorher hätte ich den Kleinen aber noch gesagt, dass sie einfach schnell mal nach Hause gehen sollten, denn ich könne sie sowieso nicht leiden. Aber ganz spontan entschloss ich mich dann doch dazu in die neue Klasse zu gehen und einfach völlig unvoreingenommen und natürlich absolut professionell meinen Job zu machen. Ich stand vor der Klasse und ich kriegte kaum den Mund zu, also natürlich nur metaphorisch gesprochen, denn ich hatte meinen Mund selbstverständlich nicht auf! Die Kleinen saßen brav wie die Mäuse in den Bänken auf ihren Plätzen und warteten ganz gespannt und neugierig auf mich. Dann hob ich meine Händen und alle standen, ohne dass ich auch nur einen bösen Blick senden musste, von ihren Plätzen auf. Das "Guten Morgen", das mir die Neuen schenkten, war eines der besten, das ich jemals hörte. Die beiden Stunden, die ich in dieser Klasse hatte, gehörten zu den Besten, die ich jemals gehalten hab. Aber leider wächst sich das, so meine Erfahrung, ziemlich schnell, so etwa in den nächsten 4-6 Wochen raus. Schade!