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Freitag, 10. Juli 2015

Ein entspanntes Projekt

In den vergangenen Jahren (es sind tatsächlich schon Jahre - krass!) habe ich schon mehrfach über meine Erfahrungen mit verschiedenen Projektwochen berichtet. Sie reichten von Katastrophe über Desaster bis hin zu schweren Depressionen. Letztere überfielen mich bei der Frage, was ich denn schon wieder bei der Planung und Durchführung falsch gemacht habe. Ich höre schon die Zweifler, die mir mitteilen wollen, dass es vermutlich alles nicht gut durchdacht war. Eine gute Planung ist doch das A und O, spontan geht ja mal so gar nicht. Außerdem muss ein guter Lehrer Schülerantworten antizipieren und sich vorher Strategien zurechtlegen, dass die Schüler dann doch das tun, was der Lehrer sagt. Immer diese tollen Ideen aus der Theorie, die einem in der Praxis so unglaublich wenig weiterhelfen.
Nun aber zurück zur Projektwoche. Diesmal habe ich mich mal wieder wagemutig an ein Tanzprojekt gewagt. Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen, den ich ahnte schon Schlimmes. Vor meinem inneren Auge liefen die pubertären Mäuschens aus den achten und neunten Klassen schon wieder zur Höchstform auf, um sich unter Tränen die schlimmsten Beschimpfungen an den Kopf zu werfen. Zur Erinnerung an einige dieser unfassbar emotional ergreifenden Momente verweise ich auf diesen Post. 

Aber mal ehrlich, ich lass mir doch von so ein paar Rotzgören nicht den Spaß verderben. Das wäre ja auch noch schöner. Diesmal ziehe ich das gnadenlos durch. So oder so ähnlich hab ich das den Tanzmäuschen auch direkt am ersten Morgen mitgeteilt. Wer mit meiner Vorgehensweise nicht einverstanden ist, sitzt im Handumdrehen am PC und erstellt eine Präsentation zum Thema Tanz - Geschichte des Tanzes - Bedeutung des Tanzes. Außerdem werde ich ihnen keine fertige Choreographie vorlegen, denn es ist zum einen IHR Projekt und zum anderen sage ich schon das ganze Schuljahr über, was sie zu machen haben. Nun bin ich immer noch völlig von den Socken, denn diese Projektwoche war die Entspannteste aller Zeiten. Ich musste nur noch die Musik anmachen. Gut, zwei kleine Aussetzer gab es, aber die sind wirklich nicht der Rede wert.

Meine Theorie ist nun, dass genau diese Ansage am ersten Tag geholfen hat.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Die zehn gemächtigen Gebote

Wie schon in den vergangenen Jahren beschäftigen sich die Neuntklässler mit den zehn Geboten, wenn auch nicht ganz freiwillig. Zunächst müssen sie sich schließlich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, welches in einer eher atheistischen Gegend dazu führt, dass die Aufgabe doch teilweise eher mit Widerwillen durchgeführt wird. Aber ich als böse Lehrerin nehme mir diese Arbeiten immer gern mit, um die Argumentation zu bewerten.

Aber dann, wenn ich sage, dass sie nun ihre eigenen zehn Gebote erstellen dürfen, freuen sie sich wie die kleinen Kinder, was sie ja nun in der neunten Klasse mit 14 oder 15 Jahren nun einmal de facto auch noch sind. Manche nehmen die Aufgabe sehr ernst und ihre Ergebnisse sind damit auch wirklich pädagogisch echt wertvoll, aber leider nicht sehr lustig. Manche überschlagen sich allerdings auch, wie die beiden Jungs im vorliegenden Beispiel. Das ist nämlich nicht nur sehr lustig, sondern strotzt auch noch so vor lauter pubertärem Testosteron.

Montag, 5. Dezember 2011

Nur zwei Stullen

Heute Mittag hatte ich Aufsicht in der Cafeteria. Bei dieser Aufsicht geht es in erster Linie darum, die Kinder zu guten Tischmanieren (wie beispielsweise Essen mit Besteck und Eintopf nicht vom Brot abschlabbern) und zu Sauberkeit (also nicht die ungeliebten Zwiebelstückchen mit dem Löffel aus dem Teller quer über den Tisch zu katapultieren) zu animieren. 
Nach dem Mittagessen verweigerte ein sonst äußerst friedlicher und liebenswerter Schüler das Tischabwischen. Er verließ mit nicht zu überhörendem Gemaule den Raum und verweigerte schlichtweg die von mir aufgetragene Aufgabe und das obwohl er derjenige war, der verschiedene Bestandteile seines Eintopfes über den Tisch verteilte. Egal, was ich sagte und egal, wie ich es sagte - nichts wirkte. Selbst die Drohung eines Cafeteria-Verbotes für eine Woche stieß nur auf ein gelangweiltes Schulterzucken. Mein Standpauke perlte an ihm ab, wie der Regen an so einer neumodernen nanobeschichteten Oberfläche.

Ich war enttäuscht, aber vor allem wütend und zwar so unfassbar wütend, dass mir die Tränen kamen. Beim Weg über den Schulhof, zurück ins Lehrerzimmer, riefen mir ein paar Schüler nach: "Was'n los Frau Dingens?" Wie ein trotziges Kleinkind hätte ich am liebsten mit dem Fuß aufgestampft, mir die Rotze mit dem Ärmel von der Nase gewischt und ihnen mitgeteilt, dass der Christoph ein beschissenes, verficktes Arschloch ist und dass er sich mal selber ficken könne. Aber da ich ja wieder so irgendwas mit Pädagogisch sein muss, blieb es dann nur bei einem lauten und wütendem "Nichts!"

Nach dieser eiskalten Abfuhr wieder im Lehrerzimmer angekommen, wühlte ich in meinen Papierstapeln und fluchte leis vor mich hin. Zum einen, weil ich so einen verfluchten, verfickten Kackzettel suchte, auf dem ich mir heut Notizen und Noten zu Referaten der Neunten vermerkt habe und zum anderen, weil dieser beschissene Stapel an Kurztests auf meinem Schreibtisch einfach nicht kleiner wird. Neuerdings mache ich ja auch noch Heftkontrollen. Diese sagenhaft fantastische Idee hatte ich wahrscheinlich, weil damit die Stapel auf meinem Schreibtisch auf diese Weise noch schneller in unermessliche Höhen wuchern können. Der überaus sympathische Herr Schiller, der mir gegenüber sitzt, strahlte mich mit seinen blauen Augen an, zwinkerte und fragte nur: "Frau Dingens, na wat is los?" 
Da konnte ich nicht mehr, da brach es aus mir raus und zwar alles. Das mit den verfickten Stapeln auf meinem Tisch, die einfach ums Verrecken nicht kleiner werden wollen. Das mit dem beschissenen Zettel mit den Noten der Referate. Dann zu allerletzt noch das widerlich großkotzige Benehmen von Christoph. Und das alles nur wegen zwei Stullen, die der Meier auf dem Tisch liegen lassen hat und weswegen der Christoph den Tisch nicht abwischen wollte.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Ihre Haare...

Heut konnte ich mich gar nicht so recht entscheiden, wohin mit meinen Gefühlen, denn schon in der ersten Stunde hatte ich Vertretung für Chefin in meiner Siebten zu schieben. Das war ja eigentlich nicht so schlimm, da ich sowieso der Meinung bin, dass ich die Mädels und Jungs meiner Siebten zu selten sehe. Zumal da in letzter Zeit so unfassbar viel passiert. Einerseits benehmen die sich seit einiger Zeit wie eine wildgewordene Horde pubertärer Affen im Zoo. Andererseits gibt es ständig Tränen bei den Mädchen, zuletzt erst bei Julia, denn das mit der großen Liebe und ihrem Romeo ist schon wieder vorbei. Dafür beißt sich jetzt Lisa mit Marcel aus der Neunten auf dem Gang rum. Nicht zu vergessen, dass das Kollegium schon arge Befürchtungen hegt, dass unsere Supertussi Vanessa von ihrem Superschnuckel Mario eben mal schnell zwischen den Stunden in der großen Mittagspause geschwängert wird. (naja vielleicht reicht sogar die 15 minütige Frühstückspause) Vor einigen Tagen musste ich die beiden Turteltäubchen geradezu auseinander brüllen. Da kam mir dieses ungezogene Gör auch noch frech und fragte mich, ob ich denn eifersüchtig sei. Worauf ich die Augen verdrehte und bemerkte, dass ich selbstverständlich eifersüchtig sei, weil ich in meinem ganzen Leben noch nie mit einem Achtklässler in der Schule auf'm Gang geknutscht hätte. Allerdings muss ich befürchten, dass die Nessi diese doch schon über die feine Ironie hinausgehende Retourkutsche nicht verstanden hat, so wie der Großteil meiner Schüler, die solche Antworten grundsätzlich für bare Münze nehmen und mir entgeistert entgegnen: "Echt???"

Doch zurück zu meiner Siebten, die so unsäglich abgebaut hat. Aber eigentlich habe ich jetzt keine Lust mich darüber aufzuregen und mich nochmal darüber zu ärgern, wie sich meine Lieben gegenseitig beleidigen, mobben und dissen. Bei dem heutigen wirklich ernsthaften Gespräch gab es zahlreiche Tränen und ich gehe davon aus, ich hoffe - nein - ich bete, dass sie wirklich verstanden haben, was sie sich gegenseitig antun und die hoch und heilig gelobte Besserung länger als nur drei Tage vorhält.

Aber dafür hatte ich heut noch eine wirklich merkwürdige Frage zu beantworten. Als ich ins Klassenzimmer meiner Lieblings-Neunten trat, fiel Max gleich auf, dass meine Haare kürzer sind. Am Ende der Stunde trat Max auf mich zu und fragte mich, ob er mal meine Haare anfassen dürfte. Ich war etwas irritiert, aber antwortete schnell, klar, fast reflexartig: "Nein!" Max sagte nur: "Och, schade...", drehte sich um und verschwand aus der Tür.