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Montag, 12. November 2018

Eine Jacke und Stifte

Lisa ist sonst immer zuverlässig und pünktlich zum Stundenbeginn an ihrem Platz. Das war sie heute auch. Doch noch bevor ich die Zehntklässer begrüßen konnte, riss sie die Augen auf. Ihr linker Arm schnellte nach oben. Noch ehe ich ihren Namen sagen konnte und fragen konnte, was sie wolle, rief sie mir zu: "Frau Dingens, entschuldigen Sie bitte, aber ich muss noch meine Jacke holen." 

Höflich war sie ja. 

Ich war irritiert. Stirnrunzelnd gab ich zu verstehen, dass ich nicht verstand, wozu sie im Unterricht ihre Jacke brauchte. Lisa verstand mich mittlerweile ohne Worte. So erklärte sie mir, dass ihre Stifte in ihrer Jacke seien und diese brauche sie schließlich im Unterricht. Richtig. Ich nickte langsam, ganz langsam. "O-k-a-y", stotterte ich. Lisa verschwand.
Ich atmete tief durch. "Früher" begann ich und das obwohl ich diesen Satzanfang im Grunde furchtbar finde. Aber ich koketiere hin und wieder gern damit, da ich auf diese Weise eine ganz eigene Aufmerksamkeit bekomme. Schüler mögen persönliche Anekdoten. Außerdem funktioniert dieses "früher" auch als "fishing for compliments", weil Frau Dingens ja noch gar nicht so alt ist. 
Also ich erhob meine Stimme: "Früher, als ich noch zur Schule ging," und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu "so etwa vor hundert Jahren. Da hatte ich eine Schultasche, in welcher unter anderem eine Federmappe war und in dieser Federmappe waren Stifte." Mittlerweile war Lisa wieder da und grinste. "Ich hab halt meine Stifte in der Jacke..."

Dienstag, 20. Dezember 2011

Und warum stehen Sie?

So kurz vor Weihnachten drehen meine Jungs nochmal richtig auf und sprühen nur so vor Charme, sogar solche von denen ich es nicht erwartet hatte. Heut war das zum Beispiel René. 

Die ganze Geschichte verlief also folgendermaßen: Zu Unterrichtsbeginn müssen unsere Schüler zur Begrüßung aufstehen. (Vermutlich hatte ich das auch irgendwann schon mal erwähnt.) Ich warte dann immer so lang bis alle Schüler still sind und das kann manchmal sehr sehr lange dauern. (Das hab ich dann vermutlich auch schon irgendwann mal erwähnt.) In den zehnten Klassen lässt sich diese Prozedur meist zügig durchziehen. Nur heut dauerte es ewig. Erst musste Karl noch ein Späßchen machen (unter dem Motto: "Schaun'se doch mal, Frau Dingens, das ist doch voll witzig), dann drehte sich Daniel nochmal um und Mäxchen musste sowieso nochmal stänkern. Ich verdrehte schon genervt die Augen. Normalerweise wirkt das in den Zehnten schon, denn die können meine Mimik schon ganz gut lesen und wissen genau, welche Laune ich damit ausdrücken möchte und vor allem welches Verhalten ich von ihnen dann erwarte. 
Direkt vor mir in der ersten Reihe stand René und maulte irgendwas vor sich hin, was ich zum Anlass nahm mich mal grundsätzlich über die aktuelle Situation auszukotzen. Ich begann meinen kleinen Anschiss damit, dass ich vorgab, seine Maulerei durchaus verstehen können. Schließlich sei es ja auch schrecklich hart zu Unterrichtsbeginn mal eben für ein paar Sekunden ruhig dazustehen. Bei diesem ganzen Prozedere würde ich mich schließlich auch immer ganz mies fühlen, weil ich es im Grunde gar nicht gut ertragen könne, dass so junge Leute so lang stehen müssten. 
Mir war schon klar, dass nur die wenigsten Schüler diese Ironie verstehen und ob sie René verstanden hat, vermag ich nicht zu sagen, aber er antwortete mir mit fragendem Blick und den Worten: "Und warum stehen Sie dann noch?" So recht verstand ich erst gar nicht, was er mir sagen wollte. Aber nachdem seine Worte einige sehr lange Sekunden durch mein Gehirn zirkulierten, wurde mir klar, dass das vermutlich ein Kompliment sein sollte. Stefan, der nur einen Tisch hinter René stand, riss die Augen auf, hob die Hand und zeigte nahezu schon fassungslos auf René. Dann schnappte er kurz nach Luft und prustete: "Frau Dingens, haben Sie gemerkt, René hat Ihnen grad ein Kompliment gemacht!" Ich nickte ein wenig verstohlen, strahlte dann aber über das ganze Gesicht. "Ja, ich hab es gemerkt!" Ich lächelte René an. "Und ich bin beeindruckt, denn damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet." René lächelte zurück. Ich glaube, er war ein wenig verlegen...

Freitag, 28. Oktober 2011

Komplimente

Heut hat mir mein Lieblings-Dennis fast die Schamesröte ins Gesicht getrieben, indem er mir ein Kompliment machte, von dem ich zwar ausgehe, dass es nur geheuchelt war, aber in meinem Inneren zutiefst darum bete, dass er es ernst gemeint hat. Schließlich war es doch zu schön.
Er sagte: "Frau Dingens, Sie sehen wirklich noch sehr jung aus, also höchstens 20, aber nur, weil Sie sich älter geschminkt haben." Ich hätte den Jungen auf der Stelle vor Freude zu Boden knutschen können. Am liebsten hätte ich ihn für dieses Kompliment auf einen Drink eingeladen. Natürlich habe ich weder das eine noch das andere gemacht, weil eine Horde anderer Schüler um uns herum standen. Obwohl ich schon ein klein wenig Lust dazu gehabt hätte. Denn wann bekommt man als Frau schon solche Komplimente und dann noch von so einem jungen Kerl! Da würde man sich schon ganz gern mal angemessen bedanken.
Naja und außerdem wissen wir doch alle wie Gerüchte entstehen! Nämlich genau so! Schüler verstehen den Humor nicht und schon hat Frau Dingens was illegales mit einem Schülern... Oder so!?