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Freitag, 14. September 2012

Hinten anstellen

Gestern schlich ich vor dem Verlassen der Schule an der Küche vorbei, denn hier werkelte Frau Neumann mit ihrer Koch-AG und der Duft auf dem Flur war einfach zu verführerisch. Ich steckte meinen Kopf durch die Tür und wollte eigentlich nur fragen, was die Lieben hier gerade zaubern.
Plötzlich rief es aus verschiedenen Richtung: "Hallo, Frau Dingens!" Sofort stand Jonas vor mir und strahlte mich mit seinen blauen Äuglein an: "Frau Dingens, Frau Dingens und wie haben Sie sich entschieden?" Dabei schien er ein klein wenig vor lauter Aufregung zu hüpfen. Das ist genau der Jonas, der mir vor einiger Zeit feierlich erklärte, dass er mich heiraten wolle. Ich lächelte mild, schüttelte den Kopf und antwortete, dass er doch erst mal seinen Abschluss machen solle, dann könne man ja vielleicht nochmal reden. Jonas legte den Kopf schief und strahlte mich weiter an. Henni trat von der Seite heran, strahlte mich ebenfalls an und wollte dann wissen: "Was soll Frau Dingens entscheiden?" Jonas drehte sich zu Henni, baute sich auf. Dann erklärte Jonas mit Stolz geschwellter Brust: "Ich hab Frau Dingens einen Heiratsantrag gemacht." Da lachte Henni verächtlich auf den Kleinen herab und winkte ab. "Pah, Kleener, da musst du dich schon erstmal hinten anstellen!"
Noch im Weggehen hörte ich die Beiden feilschen, wer denn die besseren Karten hätte. "Da bring ich Rosen mit!" - "Mein Strauß wird mindestens doppelt so groß sein!" 

Achja, es gab übrigens Kartoffelauflauf.

Tja und dann ging Hennis heute vor mir auf die Knie, um mir ein Stück Kreide zu reichen, was mir runterfiel und später schob er mir dann noch seine Nummer zu. Mh, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Stimmt es dann vielleicht doch, dass sich Geschichte wiederholt...

Montag, 16. April 2012

Vermissen, Baby

Nachdem der Wecker heut morgen viel zu früh klingelte, erstaunte mich mal wieder die Tatsache, dass ich erneut ganz schnell in den Alltag eintauchte und mich vergessen ließ, dass ich Ferien hatte. Schon nach der zweiten Stunde strahlte ich mit täuschend echt gespielter guten Laune meine Schüler an und hauchte "Ach, Leute, jetzt weiß ich, was mir zehn Tage gefehlt hat." Die einhellige Meinung meiner Schüler war natürlich, dass sie mich auch vermisst haben. Es ist in diesen Momenten nicht wichtig, ob die Schüler meine Ironie verstanden haben, weil ich diese kleinen lustigen Spielereien mag.
In der zehnten Klasse zog ich direkt das gleiche Spiel nochmal ab. Erst verzog ich eine leicht saure Miene, so als hätte ich grad in eine unfassbar saure Zitrone gebissen. Die Mädels und Jungs verbreiteten etwa zehn Minuten vor Unterrichtsschluss eine wirklich nervige Unruhe. Nachdem ich noch völlig übertrieben mit den Augen rollte, säuselte ich wiederholt "Jetzt weiß ich, was mir in den vergangenen zehn Tagen gefehlt hat." Natürlich wurde ich auch wieder seitens der Schüler vermisst. Doch nun fügte ich noch an, dass ich es ganz schrecklich finde, wenn diese Truppe in wenigen Wochen die Schule verlässt. Ich würde sie nämlich alle ganz fürchterlich schrecklich brutal vermissen. Plötzlich wurde Karl ganz aufgeregt, seine Augen glänzten und er strahlte mich mit einem unfassbar knuffigen Lächeln an. Dann platzt es aus tiefstem Herzen aus ihm raus: "Dann können Sie ja anrufen. Die Nummer haben Sie ja schon!" Genau, die hab ich ja schon, wie könnte ich das vergessen.

Mittwoch, 28. September 2011

Am Bus und die neue Nummer

Der heutige Tag startete mit einer Fahrt mit dem Bus und das ist immer wieder ein Ereignis, denn das ist ganz zufälligerweise genau der Bus mit dem auch zahlreiche Schüler den Weg zu unseren schönen, kleinen Schule finden. Mit Schwung biege ich um die Ecke und ich seh die Trüppchen stehen. Die wenigsten Schüler nehmen mich überhaupt noch wahr, denn ich fahr seit Schulbeginn ein Mal pro Woche mit diesem Bus. Da sitzt in ein paar Metern Entfernung der sympathische Felix auf einer Bank und winkt mir zu. Dann steht plötzlich ein blonder Wuschelkopf vor mir (ich fürchte, dass da beim Blondieren was schief gelaufen sein muss), strahlt mich an und legt mir ihren Arm vorsichtig um den Hals. Einige meiner Mädels begrüßen mich wortlos, nur mit einem Lächeln und einer Umarmung. Ich merke, dass alle noch recht müde sind, denn aus der Schule kenn ich die meisten deutlich gesprächiger... Die Begrüßung hat dann auch manchmal schon etwas leicht hysterisches, denn da stürmen die besagten Mädels auf mich zu und rufen schon mal aus vollem Halse meinen Namen durch das Schulhaus.
In einer anderen Ecke versammeln sich einige Zehntklässler, die sich mir schon im vergangenen Schuljahr als Lieblingsneunte einen Namen gemacht haben. Dennis dreht sich irgendwie komisch zur Seite. Dann grint er mich schelmisch an und ich frag mich, was er mir damit sagen möchte. Der Bus fährt ein und wir stellen uns an. Genau hinter mir steht nun Dennis und nimmt noch einen letzten tiefen Zug von seiner Zigarette. Plötzlich guckt er schon wieder so komisch. "Aber Jeder weiß doch hier, dass du rauchst!", sag ich zu ihm. "Ja, schon. Aber ich darf doch eigentlich nicht in der Öffentlichkeit und so und Sie als Lehrer müssten doch dann Schritte einleiten... Jugendamt, oder so?!" "Aber, du bist doch schon 16..." "Mh, ja schon..." - Eigentlich hätte ich an dieser Stelle viel lieber etwas in der Art gesagt, wie "Raucher küssen, ist wie einen Aschenbecher auslecken!" Aber das fiel mir natürlich erst später ein.


Dafür machte mir Dennis später im Unterricht noch ein kleine Freude. Nach der Begrüßung teilte er mir mit, dass er eine neue Telefonnummern hätte. Ich lächelte mild und sagte: "Na, dann schreib mir sie auf und leg sie hier auf meinen Tisch." Das tat Dennis dann auch und keine zwei Minuten später kniete Dennis mal wieder vor mir nieder und gab mir einen kleinen Zettel mit Herzchen, seinem Namen, seiner Nummer und einem "I love you" in die Hand.

Am Ende des Unterrichtes stand dann plötzlich noch Jasper  mit einem Kartentrick vor mir und und die Karte, die ich zog, war dieses Pik-Ass und darauf stand seine Telefonnummer. Mit einem Augenzwinkern und einem nahezu legendär charmanten Lächeln verabschiedete er sich "Rufen Sie mich doch mal an...!"

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Call me, Baby

Es war heut wieder ein ganz besonderes Vergnügen für mich in die 9A zu gehen, denn ich mag sie. Eine ganz eigenwillig liebenswerte Truppe: 15 Jungs und 4 Mädchen. Hier kocht sozusagen das pubertäre Testosteron. Und das kann man wörtlich nehmen.
Heut in der ersten Stunde begrüßte mich Karl direkt mit leuchtenden Augen: "Ach Frau Dingens, ich hab mich schon auf Sie gefreut. Sie sehen heut wieder echt scharf aus." Und das war nicht das erste Mal. Schon mehrfach musste ich solch billige Anmachen einiger Schüler abwehren. Da war auch Karl schon immer ganz vorn dabei, vor allem sein legendäres Angebot führte im Kollegium zu lautstarkem Gelächter und wird gern wieder aufgegriffen, um sich nach dem aktuellen Stand der Dinge zu erkundigen.
In der zweiten Stunde gab es doch tatsächlich auch mal eine fachliche Frage von Tony, die dann aber von Dennis jäh unterbrochen wurde, indem er Tony zurief: "Vergiss es, du bekommst ihre Handynummer nicht!" Worauf Tony mich fragte, ob ich denn seine Nummer haben möchte. Ich zuckte nur die Schultern und antwortet, er solle sich keinen Zwang antun. Noch ehe ich diesen Satz beendet hatte und auch nicht mal im entferntesten daran dachte, welche Konsequenzen das haben könnte, hatte ich einen Zettel mit einer Handynummer in der Hand. Tony grinste von einem Ohr zum anderen und erklärte mir dann, dass er sich auf meinen Anruf freuen würde. Wenn ich geahnt hätte, was jetzt kommt, hätte ich - ja hätte ich anders reagiert? Nein, ich glaube nicht, denn ich fand es lustig, wie dann plötzlich weitere Jungs begannen Zettelchen zu schreiben und mir dann zuriefen: "Frau Dingens, wollen Sie auch meine Nummer? Ich bin Single! Keine Angst, ich tu ihnen auch nichts!" Ich lachte herzlich. Dann ging ich durch die Reihen und sammelte mir die Handy-Nummern von drei weiteren Schülern ein.

Handynummern meiner Schüler, natürlich unkenntlich gemacht - versteht sich

Doch dann musste ich meinen Jungs mal was klar machen: Ich werde nie mit ihnen ausgehen oder mit ihnen einen trinken gehen, solange sie meine Schüler sind. Wenn ich privat bin, möchte ich keine Schüler um mich haben - ausgeschlossen. Außerdem frage ich mich, wie diese pubertierenden Neuntklässler auf die absolut weltfremde Idee kommen, dass eine - ausgesprochen gutaussehende, junge, charmante, witzige - Lehrerin sich privat mit ihnen treffen möchte. Wie bekloppt!