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Montag, 5. Dezember 2011

Nur zwei Stullen

Heute Mittag hatte ich Aufsicht in der Cafeteria. Bei dieser Aufsicht geht es in erster Linie darum, die Kinder zu guten Tischmanieren (wie beispielsweise Essen mit Besteck und Eintopf nicht vom Brot abschlabbern) und zu Sauberkeit (also nicht die ungeliebten Zwiebelstückchen mit dem Löffel aus dem Teller quer über den Tisch zu katapultieren) zu animieren. 
Nach dem Mittagessen verweigerte ein sonst äußerst friedlicher und liebenswerter Schüler das Tischabwischen. Er verließ mit nicht zu überhörendem Gemaule den Raum und verweigerte schlichtweg die von mir aufgetragene Aufgabe und das obwohl er derjenige war, der verschiedene Bestandteile seines Eintopfes über den Tisch verteilte. Egal, was ich sagte und egal, wie ich es sagte - nichts wirkte. Selbst die Drohung eines Cafeteria-Verbotes für eine Woche stieß nur auf ein gelangweiltes Schulterzucken. Mein Standpauke perlte an ihm ab, wie der Regen an so einer neumodernen nanobeschichteten Oberfläche.

Ich war enttäuscht, aber vor allem wütend und zwar so unfassbar wütend, dass mir die Tränen kamen. Beim Weg über den Schulhof, zurück ins Lehrerzimmer, riefen mir ein paar Schüler nach: "Was'n los Frau Dingens?" Wie ein trotziges Kleinkind hätte ich am liebsten mit dem Fuß aufgestampft, mir die Rotze mit dem Ärmel von der Nase gewischt und ihnen mitgeteilt, dass der Christoph ein beschissenes, verficktes Arschloch ist und dass er sich mal selber ficken könne. Aber da ich ja wieder so irgendwas mit Pädagogisch sein muss, blieb es dann nur bei einem lauten und wütendem "Nichts!"

Nach dieser eiskalten Abfuhr wieder im Lehrerzimmer angekommen, wühlte ich in meinen Papierstapeln und fluchte leis vor mich hin. Zum einen, weil ich so einen verfluchten, verfickten Kackzettel suchte, auf dem ich mir heut Notizen und Noten zu Referaten der Neunten vermerkt habe und zum anderen, weil dieser beschissene Stapel an Kurztests auf meinem Schreibtisch einfach nicht kleiner wird. Neuerdings mache ich ja auch noch Heftkontrollen. Diese sagenhaft fantastische Idee hatte ich wahrscheinlich, weil damit die Stapel auf meinem Schreibtisch auf diese Weise noch schneller in unermessliche Höhen wuchern können. Der überaus sympathische Herr Schiller, der mir gegenüber sitzt, strahlte mich mit seinen blauen Augen an, zwinkerte und fragte nur: "Frau Dingens, na wat is los?" 
Da konnte ich nicht mehr, da brach es aus mir raus und zwar alles. Das mit den verfickten Stapeln auf meinem Tisch, die einfach ums Verrecken nicht kleiner werden wollen. Das mit dem beschissenen Zettel mit den Noten der Referate. Dann zu allerletzt noch das widerlich großkotzige Benehmen von Christoph. Und das alles nur wegen zwei Stullen, die der Meier auf dem Tisch liegen lassen hat und weswegen der Christoph den Tisch nicht abwischen wollte.

Mittwoch, 9. November 2011

Tilly und früher war alles besser

Heut war mal wieder Busfahrtag. Freudestrahlend begrüßte mich Tilly schon von weitem, denn er hat immer etwas ganz Wichtiges mitzuteilen, auch wenn es keiner wissen will. Wir nennen ihn im Kollegium auch schon gerne mal Professor Doktor, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Heut bat er mich darum, dass er seine Pause eher beenden dürfe, um ins Schulgebäude zu kommen. (Die Schüler müssen bei uns vorm Unterricht noch auf dem Schulhof warten und dürfen erst zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn ins Schulgebäude.) Schließlich hängen doch heute die Listen für die Projektwoche aus und er müsse sich ganz dringend unbedingt als Erster eintragen, weil doch sonst seine Wunschgruppe schon voll sei. Ich lächelte höflich und sagte, dass ich für ihn keine Ausnahme machen könne und dachte still weiter, dass er sich gefälligst wie alle anderen um die guten Plätze prügeln müsse. Schade, antwortete Tilly und ich glaube, er war auch ein wenig beleidigt.

Dann lernte auch ich am frühen Morgen auch noch etwas Neues. Früher war alles besser! Es fahren immer ein paar Grundschüler mit. Als diese wieder ausgestiegen waren, erklärte Max, neunte Klasse und ein besonders sensibles Gemüt, dass sich diese Kinder von heute nicht mehr zu benehmen wüssten. Diese Bälger seien wirklich unmöglich. Als er noch ein kleines Kind gewesen war, hätte er noch gewusst, wie man sich zu benehmen hat, aber diese Rotzgören von heute. Einfach nur schrecklich, mal ehrlich! Erstaunlich, erstaunlich, was Max, der mir im vergangenen Schuljahr noch fast jeden Unterricht gesprengt hat, so plötzlich von sich gibt.

Aber manchmal wird im Bus auch gekuschelt. So steht die kluge Ina aus der achten Klasse offensichtlich auf die jüngeren Männer aus der siebten... (tschuldigung, das Bild ist etwas verwackelt. Da ist der Bus wohl grad durch ein Schlagloch gefahren.)


Und zum Schluss noch der Kalauer des Tages:
Mach dich doch endlich mal aus dem Staubitz...