Es fliegt ja immer mal wieder zerknülltes Papier in der Gegend herum. Dieses gute Fundstück habe ich einem Schüler abgenommen. Seiner Banknachbarin war es etwas peinlich. Ich konnte es an ihrem Gesicht ablesen, aber Josh erklärte mir mit seinem strahlendsten Lächeln, dass das auf dem Blatt lediglich ein Hund sei. Ich schaute mir das Bild genauer an, lächelte und nickte: "Genau, Josh! Das ist ein Hund mit großen Kulleraugen, die dich anschauen und Schlappohren." Von der Seite bestellte Martin auch noch ein Bild. Er wolle auch gern so einen Hund, nur die Augen müssten ein bisschen größer sein." Vani, die Banknachbarin von Josh, schnappte nach Luft und riss die Augen auf: "Aber, aber Frau Dingens! Das ist kein Hund." Ich zwinkerte Josh an, blickte nochmal auf die Zeichnung und erklärte nochmals ruhig: "Natürlich ist das ein Hund!"
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Mittwoch, 15. Januar 2014
Freitag, 14. Dezember 2012
Balzverhalten pubertierender Kleinstädter im ÖPNV
Heute morgen war es kalt und ich musste mal wieder Bus fahren. Gut, schon nicht mehr ganz so kalt wie noch vor ein paar Tagen, aber die Temperaturen lagen immer noch deutlich unter Null. Da verwunderte mich zunächst nur das Outfit mancher Schüler. Zwischen aufgetürmten Schneehaufen und auf gefrorenen Flächen standen ein paar Mädels mit Stoffschuhen, die ja bekanntlich meist nur über eine dünne Gummisohle verfügen. Ich hatte zwei paar dicke Socken in meinen dicken Schuhen und hatte trotzdem kalte Füße. Naja, aber die Hauptsache ist doch, dass das Styling stimmt und Hauptsache Konfers. Das dachte ich mir dann auch als ich Sonja aus der Achten in der Schülermeute entdeckte, denn sie trug bei etwa minus fünf Grad nicht nur eben erwähnte Stoffschuhe, sondern auch die Jacke offen.
Es verwunderte mich dann noch viel mehr, dass Sonja im Bus auch noch ihren breiten Loop-Schal ablegte, der bis dahin ihr großzügiges Dekolletee verdeckte. Vermutlich tat sie das, um sicher zu stellen, dass auch alle genau sehen können, was sie unter ihrem weißen, sehr engen und auch ein wenig durchsichtigem Shirt im Feinripp-Männer-Unterhemd-Stil trug. Verwundert war ich nicht nur, weil es, wie bereits erwähnt, ziemlich kalt war, sondern weil ich Sonja bis dato für ein intelligentes Mädchen gehalten habe, das nicht mit ihren beiden Argumenten in der Bluse trumpfen muss. Aber egal! Die 68er sind doch auch für sexuelle Freiheit auf die Straße gegangen und haben ihre BHs verbrannt. Leider steckt nun hinter Sonjas Offenherzigkeit sicherlich keine politische Aussage, sondern wohl eher die Aussage: Hauptsache die Hupen springen den Jungs direkt ins Gesicht! Das gibt Aufmerksamkeit und Anerkennung. Mit ihrem Dekolletee bis knapp überm Bauchnabel verfehlte sie diese Wirkung nicht. Wenige Haltestellen später stieg ein Zehntklässler ein und setzt sich neben sie. Beide trennte nun nur noch der Gang.
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