Wer eine Reise macht, der kann was erzählen. Dieses alte Sprichwort bewahrheitete sich heute bei mir mal wieder. Ich bin mit der Deutschen Bahn unterwegs. Beim Gleiswechsel durch eine Unterführung fällt mir ein braungebranntes Pärchen auf. Beide berucksackt. Er bewegt sich schnellen Schrittes, sein Oberkörper nach vorn gebeugt. Vielleicht ist er mit dieser Körperhaltung schneller oder sein Rucksack ist so schwer. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass sie nicht genau weiß, wo sie hin müssen. Sie schaut sich unsicher um.
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Freitag, 3. August 2018
Donnerstag, 30. April 2015
Schienenersatzverkehr nach Spanien
Manchmal, nein nicht manchmal, sondern immer gerade dann, wenn es schlecht läuft, sollte ich mir vorstellen in einen Bus zu steigen, der in die Sonne fährt. Das mag vielleicht für den Einen oder Anderen wie Beschiss aussehen, aber hey, ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt. Die beiden Männer vor ein paar Tagen im Bus haben den ganzen beschissenen grauen Tag auch mir Humor genommen.
Der Tag war nicht nur grau, kalt und regnerisch, sondern es haute sogar noch ein paar fiese, fette Schneeflocken auf die Erde. Und dabei war es schon Ende April, also quasi fast schon Mai. Das war zunächst schon mal ätzend genug. Doch dazu kam noch der Schienenersatzverkehr, der die Fahrt umständlich und ewig lang machte. Ist das nicht ein wirklich schönes Wort "Schienenersatzverkehr". Toll! Ich bin ja der festen Überzeugung, dass nur die deutsche Sprache solch schöne Wortungetüme möglich macht.
Nun, ich stieg in den Bus des Schienenersatzverkehrs und ließ mich auf meinen Sitz plumpsen. Ganz ehrlich, ich hatte schon jetzt keine Lust mehr. Da stiegen zwei Herren mittleren Alters ein, die das hier alles offensichtlich viel lustiger fanden wie ich. So begrüßte der Eine die Reisenden mit den Worten: "Ich heiße Sie herzlich willkommen im Reisebus nach Spanien." Fröhlich fügte der Zweite hinzu, dass wir nun den Badeanzug und die Sonnenbrille auspacken sollten. Der Erste lachte und erklärte: "Genau und in Kürze schenken wir dann auch Sangria aus!"
Na dann, auf nach Malle...
Donnerstag, 6. November 2014
Bahnstreik und das Ruhrgebiet in Brandenburg
Mein Kollege Drechsler unterrichtet Wirtschaft und befragte nun heut die Schüler nach der wirtschaftsstärksten Region im schönen Brandenburg. Sein verschmitzes Grinsen im Gesicht ließ mich schon ahnen, dass die Schülerantwort wohl eher suboptimal ausfallen wird. So parierte ich blitzschnell mit meiner Antwort und rief lachend in den Raum: "Na, Berlin!" Und ich wähnte mich schon siegessicher die falsche Schülerantwort erraten zu haben. Doch Herr Drechsler schüttelte langsam den Kopf und machte noch eine kleine Pause. Wohl einfach nur, um es noch ein bisschen spannender zu machen. "Nein, das Ruhrgebiet." Ich zog die Augenbrauen zusammen, legte den Kopf fragend zur Seite und kratzte mich kurz hinterm Ohr. "Und warum brauch ich dann fünf Stunden mit dem Zug bis nach Duisburg?" Herr Müller, die Stimme aus dem Hintergrund erwiderte nur kurz und trocken: "Bahnstreik"
Mittwoch, 11. Juli 2012
Der kleine Macho
Während der heutigen Zugfahrt hatte ich das Vergnügen mit einer besonderen Naturgewalt, welche auch noch besonders niedlich war. Im Mittelpunkt dieses Erlebnisses stand ein Zwerg von vielleicht zwei oder drei Jahren. Er hatte braunen Kullerknopfaugen, schwarzen Locken und war, wie schon erwähnt, eben insgesamt unheimlich knuffig. Dennoch erstaunte mich auf den ersten Blick mit welch unglaublicher Selbstsicherheit und Stärke er seine Eltern im Griff hatte.
Die junge Frau, seine Mutter, die neben im saß, war wirklich hübsch mit ihren langen schwarzen Locken, dem Cappuccino-braunen Teint und den dunklen Augen, wenn auch schon mit sehr ausladenden Hüften und mehr als nur einem kleinen Bäuchlein über der etwas zu niedrig sitzenden Hüftjeans gesegnet. Sie war vielleicht Mitte 20. Ihr Mann, also der Vater war ein bulliger Typ, diplomatisch formuliert, vielleicht war er auch nur ein wenig zu fett oder auch einfach nur schwanger... Am Oberarm trug er ein Tätowierung: einen Stacheldraht, wie ihn, so glaube ich mich erinnern zu können, auch Pamela Anderson trägt. Unter dem Stacheldraht konnte man mir unbekannte Schriftzeichen lesen, wenn man sie lesen konnte. Ich schätze mal, das war arabisch. Ich möchte mich für die Klischeekiste entschuldigen, die ich jetzt aufziehe, wenn ich so dreist behaupte, dass es eine türkische Familie gewesen sein muss, aber wer seinen Sohn Ali nennt, der hat, nochmals tschuldigung, auch nicht anderes verdient.
Meine Aufmerksamkeit eroberte der kleine Ali als er nörgelnd und tobend an der schweren Schwenktür zum Abteil hing, die er unter allen Umständen allein öffnen wollte, es aber doch leider noch nicht schaffte, weil er nun doch noch etwas zu klein und zu schwach dafür war. Er beschwerte sich lautstark und zischte seinen Vater an als ihm dieser helfen wollte. Mit einem kleinen, unaufälligen Stupser öffnete Alis Vater die Tür. Ein weiterer Fahrgast im Abteil erklärte noch beherzt: "Musst noch 'ne Stulle mehr essen!"
Ali hatte nun die freie Platzwahl und konnte sich nun, welch Überraschung (!), so kaum zwischen den vier Plätzen entscheiden. Er kletterte erst auf den Sitz rechts neben seinen Vater und stellte sich hin, um noch einen Blick auf seine Mutter zu werfen, die noch solange im Stehen wartete bis sich der kleine Pascha nun endlich mal entschieden hat. Alis Vater erklärte seinem Jungen zunächst einmal in einem recht barschen Ton, dass er sich setzen solle. Mit einer kleinen Verstimmung tat das nun der kleine und wirklich niedlich drollig dreinschauende Ali. Doch so recht passte ihm der Platz neben Daddy dann doch nicht, denn für ihn war nur der Platz an der Sonne, also am Fenster angemessen. So bestieg er den Platz am Fenster und saß nun seinem Vater gegenüber. Mami wartete solange brav. Das muss wirklich eine tolle Frau mit sehr viel Geduld sein. Beeindruckend! Denn ich fürchte mir wäre inzwischen schon der Kragen geplatzt, aber natürlich nur ganz höflich und pädagogisch wertvoll.
Nachdem nun King Ali seinen Platz eingenommen hatte, setzte sich auch die beeindruckend geduldige Frau, also seine Mutter. Doch nun begann das Theater erst richtig. Noch war Ali gut gelaut und lachte. Seinen braunen Äuglein funkelten, wenn auch bei genauerer Betrachtung schon ein wenig angriffslustig. Er gab seiner Mama ein Fantasiewort vor, welches sie wiederholen sollte. "tabi tabi to" Sie hatte wirklich Spaß daran, den kleinen Lehrer zu foppen, denn sie wiederholte die Silben immer falsch. Sie lachte herzhaft - NOCH! Denn der kleine Großmufti wurde böse. Er zog seine Mutter an ihren langen, schwarzen Locken. Das sah zwar schon irgendwie süß aus, wie Ali mit seiner Mutter kämpfte, aber in meinen Augen wirkte es grotesk, wie sie lachte, aber dabei "Aua!" rief. Das Spiel ging weiter. Alis Mama dachte sich immer weiter falsche Fantasieworte aus, um ihren kleinen süßen Stinker aus der Reserve zu locken. Bonsai-Chauvi Ali wurde wirklich sauer mit bösen Blicken und Handgreiflichkeiten versuchte er seine Mutter zu stoppen. Sie hatte wirklich viel Spaß, aber als Erwachsene hätte sie doch merken müssen, dass das für den kleinen Ali schon längst kein lustiges Spiel mehr war. Er schlug seine Mutter mit seinen kleinen Patschehand auf den Mund. Merkwürdig war nun, dass Alis Mama immer noch lachte.
Nachdem nun King Ali seinen Platz eingenommen hatte, setzte sich auch die beeindruckend geduldige Frau, also seine Mutter. Doch nun begann das Theater erst richtig. Noch war Ali gut gelaut und lachte. Seinen braunen Äuglein funkelten, wenn auch bei genauerer Betrachtung schon ein wenig angriffslustig. Er gab seiner Mama ein Fantasiewort vor, welches sie wiederholen sollte. "tabi tabi to" Sie hatte wirklich Spaß daran, den kleinen Lehrer zu foppen, denn sie wiederholte die Silben immer falsch. Sie lachte herzhaft - NOCH! Denn der kleine Großmufti wurde böse. Er zog seine Mutter an ihren langen, schwarzen Locken. Das sah zwar schon irgendwie süß aus, wie Ali mit seiner Mutter kämpfte, aber in meinen Augen wirkte es grotesk, wie sie lachte, aber dabei "Aua!" rief. Das Spiel ging weiter. Alis Mama dachte sich immer weiter falsche Fantasieworte aus, um ihren kleinen süßen Stinker aus der Reserve zu locken. Bonsai-Chauvi Ali wurde wirklich sauer mit bösen Blicken und Handgreiflichkeiten versuchte er seine Mutter zu stoppen. Sie hatte wirklich viel Spaß, aber als Erwachsene hätte sie doch merken müssen, dass das für den kleinen Ali schon längst kein lustiges Spiel mehr war. Er schlug seine Mutter mit seinen kleinen Patschehand auf den Mund. Merkwürdig war nun, dass Alis Mama immer noch lachte.
Das war der Moment in dem Alis Papa wieder in das Spiel eingriff. Er packte seinen Thronfolger und schlug ihm auf die Finger, was der Kleine mit sofortigem und markerschütterndem Gebrüll quittierte. Jetzt sprachen Mama und Papa Ali türkisch (oder welche arabische Sprache das auch immer war). Sie diskutieren. Mama Ali war sauer. Ali auch. Dann zog Papa Ali seinen kleinen Schatz auf seinen Schoß und drückte ihn an seine starke Männerbrust um ihn zu trösten. Mini-Macker Ali schniefte und gab einen kleinen Seufzer von sich.
Er setzte sich nun auf und drehte sich zu seiner Mama. Offensichtlich stand nun eine Entschuldigung an, vermutlich nicht ganz freiwillig, dennoch schien es auf den ersten Blick so als hätte der kleine Superchecker verstanden, worum es ging. Nun schaute er seine Mutter mit einem fast schon reumütigen Blick an und gab ihr die Hand, die er sich direkt an ihrer Hose wieder abwischte. Mama Ali lächelte schon fast wieder, wogegen Papa Ali böse schaute. So gab der Kleine mit unschuldsengelsgleichen Blick seiner Mutter nochmals die Hand zur Versöhnung und täuschte nur noch ganz schwach an, dass er die kleine Patschehand wiederum an Mamas Hose abwischen würde. Der Frieden oder einfach der Status quo schien wieder hergestellt.
Er setzte sich nun auf und drehte sich zu seiner Mama. Offensichtlich stand nun eine Entschuldigung an, vermutlich nicht ganz freiwillig, dennoch schien es auf den ersten Blick so als hätte der kleine Superchecker verstanden, worum es ging. Nun schaute er seine Mutter mit einem fast schon reumütigen Blick an und gab ihr die Hand, die er sich direkt an ihrer Hose wieder abwischte. Mama Ali lächelte schon fast wieder, wogegen Papa Ali böse schaute. So gab der Kleine mit unschuldsengelsgleichen Blick seiner Mutter nochmals die Hand zur Versöhnung und täuschte nur noch ganz schwach an, dass er die kleine Patschehand wiederum an Mamas Hose abwischen würde. Der Frieden oder einfach der Status quo schien wieder hergestellt.
So züchten die Beiden ganz unabsichtlich einen neuen Obermacho heran, der sich für die absolute Krönung der Schöpfung hält und in spätestens einem Jahr nicht nur seine Eltern komplett im Griff hat.
Dienstag, 11. Oktober 2011
Männer und Farben
So eine Zugfahrt ist bekanntermaßen
immer ein Erlebnis. Die aufregende Architektur an der Strecke, die man
bei Fahrten mit der Regionalbahn in aller Schönheit genießen kann. Hinzu
kommen die unterschiedlichsten Überraschungen der Deutschen Bahn. Doch
auch die Fahrgäste können für Unterhaltung sorgen.
![]() |
| Idyllische Impressionen am Wegesrand |
Heute, so glaube ich, habe ich einen
Volltreffer gelandet. Bei der Platzwahl entscheide ich, so wie meist in
meinem Leben, nicht in erster Linie strategisch, sondern eher spontan,
so aus'm Bauch raus. Und heute landete ich mit zielsicherer Genauigkeit
vermutlich im lautesten Abteil des ganzen Zuges. Hinter mir saß eine
Horde Kleinkinder, irgendwo schrie ein Baby wie am Spieß und vor mir
platzierten sich zwei Herren, deren Äußeres nichts Gutes verhieß. Also
machen wir mal die Klischeekiste auf und freuen uns an unserer
Oberflächlichkeit. Die beiden Herren trugen neben Ohrringen, auch eine
Bierfahne vor sich her und waren zudem noch unrasiert. Außerdem umwölkte
sie der zarte Duft kalten Zigaretterauches. Nachdem sie sich setzten,
klapperte der eine schon auffällig mit Glasflaschen und öffnete ein
Bier, so kurz nach'm Mittag gegen eins. Nunja, für einen Frühschoppen
war es zwar jetzt schon zu spät, wenn wir ehrlich sind, aber warum
nicht. Die beiden Herren tauschten fröhliche Sprüche aus, über die Kühe
auf einer vorbeiziehenden Weide und diskutierten nun darüber, ob das
denn nun die Glücklichen seien. Oder über eine Solaranlage, die der eine
beherzt Solarium nannte und der andere darauf entgegnete, dass er sich
da ja mal gerne runterlegen könne, um auf die Wirkung zu warten.
Doch dann fragte der eine, mit der
räudigen Mütze auf'm Kopf, welche Farbe denn das neue Shirt hätte.
"Khaki" lautete die Antwort. Ich sah vor mir eine kleine Wolke mit
dicken Fragezeichen über der Mütze aufsteigen. "Gagi?" Spätestens jetzt
war es für mich eindeutig, dass die beiden Herren aus Sachsen stammten.
"Nee, Khaki!" - ??? "Gagi" - "Naja, manchmal haben Farben eben komische
Namen." versuchte der Andere zu beschwichtigen. "Mh, aber das Hemd, was
du anhast, ist doch lila!", konterte der Mann mit der Mütze mit gewisser
Überlegenheit in der Stimme. "Ne, das ist aubergine." Die Stimme des
Mannes ohne Mütze klang ein wenig danach als würde er sich ob seines
Expertenwissens tatsächlich schämen. Die Wolke mit den Fragezeichen über
der Mütze wurde immer größer und ich glaube, sie leuchtete auch schon
ein wenig, vielleicht in dezentem Warnrot. "Was? Ein Ober mit einer
Schiene?" - "Ne, ne! Wie die Frucht, die aussieht, wie 'ne Gurke. Eine
Aubergine!" - "So, so. Und oberschiene soll also eine Farbe sein..." -
"Ich hab mir das doch nicht ausgedacht!" Es klang beinah wie eine
Entschuldigung. Schade war nur, dass die Beiden genau jetzt aussteigen
mussten. Dabei hätte ich doch so gern noch mehr über Trendfarben, wie
mauve, sand oder cappucino gelernt.
Die Horde Kinder war nun auch schon
raus, kein Baby brüllte mehr und plötzlich war es wieder ganz ruhig im
Zug. So hatte ich wieder mehr Muse, um die zauberhafte Architektur der
alten Bahnhöfe und die ausgesprochen kreativen Graffiti zu genießen.
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Dienstag, 3. August 2010
Wer eine Reise tut...
Wer eine Reise tut, der hat viel zu erzählen, so heißt es doch landläufig. Und tatsächlich bestätigt sich dieses Sprichwort gerade heute für mich. Doch zum ersten Mal habe ich das Gefühl solch alltägliche Geschichten tatsächlich festhalten zu wollen.
Zunächst mutet es doch etwas merkwürdig an in einer Regionalbahn von Leipzig nach Zwickau, also obwohl Messe- und Weltstadt Leipzig, dann doch eher ländlich, meinen schicken tragbaren Rechner auszupacken und los zuschreiben. Einige verwunderte Blicke ernte ich. Ein junges Mädchen beugt sich neugierig nach vorn und hofft darauf, einige Blicke auf meinen Bildschirm zu erhaschen. Doch leider kann sie nichts erkennen und lehnt sich wieder zurück, mampft weiter an ihrem Baguette.
Eben saß noch in einem Café und trank auf die Schnelle noch einen Latte Machciato. Ich hatte heut noch keinen Kaffee und so war ich soweit noch nicht ganz Herr meiner Sinne. Noch so im Halbschlaf versuchte ich die FAZ durchzublättern, was sich allerdings als fast unmöglich darstellte, da sie in eine stabile Holzleiste eingespannt war und aus diesem Grund extrem unhandlich war. Ich beäugte die Technik und verstand, dass ich die beiden Holzleisten gegeneinander schieben muss, um die Zeitung aus ihrem Gespann zu befreien. Endlich konnte ich etwas lesen und dazu diesen schönen heißen Kaffee trinken. Ein Beitrag über die Kinder vom Prenzlauer Berg erregte meine Neugier. Glücklicherweise bin ich ein wirklich geübter Schnellleser, denn ich stellte fest, dass ich in zehn Minuten zum Bahnsteig musste. 40 Minuten Aufenthalt auf dem Leipziger Hauptbahnhof sind absolut zu wenig.
Zwei Damen zu meiner linken Seite genossen zur Mittagsstunde zwei Stückchen Kuchen - jede. Zu meiner rechten Seite saß ein Pärchen, das frühstückte. Ich verstand nur nicht recht worüber die Beiden sich unterhielten. Denn ich schnappte nur Fetzen ihres Gespräches auf. Mir schien so, dass sie ihm eindringlich zu verstehen geben wollte, dass sie ihn liebe. Er erklärte ihr ohne den Anschein einer Gefühlsregung, dass sie doch erwachsen seien und eine Lösung finden müssten, mit denen sie beide leben konnten. Während ich über ihre Geschichte nachdachte, setzten sich zwei ältere Damen an den freien Tisch zwischen mir und dem Pärchen. "Nu setz dich mal, mein Schätzchen!", flötete die eine Dame der anderen im feinsten Leipziger Sächsisch über den Tisch zu. "Ist der Stuhl recht so oder möchtest du lieber hier auf der Bank sitzen?" - "Nee, hier is schon prima." Ich war doch recht amüsiert, denn so schönes Sächsisch hatte ich schon lang nicht mehr gehört. Dann fragte die Dame, die direkt rechts neben mir auf der Bank saß, die Andere, was sie denn trinken wolle und ob sie denn "Schpreit" kenne. Ich hielt kurz in meiner Lektüre inne und ich fragte mich, was das denn sein solle. Als die zweite Dame dann antwortete: "Nu glar, kennsch Schpreit", wurde mir klar, dass damit dass süße klebrige Zeug gemeint ist, das gemeinhin auch als Softdrink bekannt ist. So bestellte die erste Dame "Zwei Schpreit". Um sich zu vergewissern, ob die Bedienung auch richtig verstanden hatte, wiederholte sie: "Also zwei Sprite." Glücklicherweise verbarg ich mein Gesicht hinter einer Zeitung, so konnte keiner sehen, dass ich wirklich grinsen musste. Ich hätte zu gerne diese Szenerie weiter verfolgt, denn die erste Dame packte gerade als ich meine Tasche schulterte eine Digitalkamera aus. Das hätte wirklich spannend werden können. Sie hatte soeben angekündigt, dass sie der zweiten Dame gerne ihren Jungen zeigen wollte. So eilte ich aus dem Café auf Bahnsteig 16, wo bereits die Regionalbahn nach Zwickau stand und in welcher ich mich nun in doch ein wenig unbequemer Sitzposition befinde.
Ich bin müde und ich befürchte, dass die Wirkung des Kaffees schon nachlässt. Die Nacht war kurz und vor allem unbequem. In meiner neuen Wohnung befinden etwa 30 gut gefüllte Umzugskartons und ein rotes Ikearegal. Kein Bett, kein Tisch, kein Kühlschrank. So habe ich die erste Nacht in meiner neuen Wohnung auf dem Teppich in einem Schlafsack verbracht. Am Morgen hatte ich mich schon auf einen Kaffee gefreut. Der Wasserkocher, eine Tasse und die Aufbrühkanne für den Kaffee standen bereit. Mit 200 prozentiger Sicherheit befand sich das Kaffeepulver in derselben Kiste wie die Aufbrühkanne. Doch am heutigen Morgen war das Kaffeepulver nicht mehr aufzufinden. Selbst mit frisch geputzter Brille war es nicht mehr zu entdecken. Es machte mich wahnsinnig, denn am Abend davor hatte ich es doch noch in den Händen gehabt. Offen gestanden verstehe ich es bis jetzt noch nicht, wo dieses Biest abgeblieben ist. Das nebulöse Verschwinden des Kaffeepulvers bescherte mir nach einer miesen Nacht auch noch einen miesen Morgen ohne Kaffee. Wenigstens hatte ich Zahnbürste und die Zahnpasta in den Kisten schon gefunden und im Bad sichergestellt. Somit genügte mein Aufenthalt zumindest den minimalen hygienischen Standards. Frisch gewaschen und mit frisch geputzten Zähnen - und hatte ich schon erwähnt ohne Kaffee? - verließ ich das Haus und begab mich auf die Reise in diesen neuen schönen Sommertag. Alles eine Frage der Perspektive! Sicherlich hätte ich auch sagen können: Dieser Tag begann schon so beschissen ohne Kaffee, dass da ja nichts Gutes mehr kommen kann.
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