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Sonntag, 12. März 2023

Currywurst mit Berliner Charme

Wenn man in Berlin ist, muss man eine Currywurst essen, so heißt es. Gesagt, getan.  Meine Schwester steuert zielsicher die erste Bude an. Zugegeben wirkt sie unter der Eisenbahnbrücke etwas schrabbelig und nicht sonderlich vertrauenswürdig. Ein älterer Herr steht hinterm Tresen. Er steht mit dem Rücken zu uns und werkelt seelenruhig vor sich hin. Nach einer kleinen Weile dreht er sich um. Er schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Sein Blick sagt deutlich, dass er sich die Formalitäten heute spart. Schließlich wissen wir doch beide, worum es jetzt geht.

 

Ich grüße freundlich, bestelle Currywurst mit Pommes dazu Getränke, sage höflich„bitte“ und warte auf eine Reaktion. Er beginnt zu arbeiten, wortlos nimmt er zwei Teller, legt jeweils eine Wurst drauf und beginnt zu schneiden. Die Frage nach mit oder ohne Darm spart er sich, vermutlich erkennt er diese Touristen schon von weitem und die haben sowieso keine Ahnung. Und damit hätte er bei uns Recht gehabt.

 

Das Geld habe ich schon in der Hand. Ich warte darauf, dass er mir sagt, was es kostet. Er quetscht die Soße aus einer Flasche auf die Würste und dreht sich dann um. Er zieht eine große Tüte Pommes unter der Arbeitsfläche hervor. Mit mir zugedrehten Rücken fragt er „Mayo?“. Ich antworte reflexartig „Gerne“. Pommes und Mayo landen auf den Tellern. Er sagt: „17,80€“. Ich lege meinen Schein auf Tresen und erwarte das Wechselgeld. Doch er stellt nur unsere zwei Teller nach oben und fragt die nächsten Kunden, was sie haben wollen. Ich bin irritiert. Da liegt mein Geld offen auf dem Tresen! Ich will es wieder in meine Manteltasche stecken. Schließlich kann ich auch noch später bezahlen. Er sagt: „Lass ruhig liegen.“ Dann legt er den Schein neben seine Kasse und bedient die weitere Kundschaft.

 

Wir essen. Es ist gut. Pommes mit Currywurst eben. Ich denke über mein Wechselgeld nach. Plötzlich tippt mit Jemand auf die Schulter. Der ältere Herr legt mir mein Wechselgeld auf den Tisch. Es stimmt. Ich hatte vorher nachgerechnet. Ich schäme mich ein bisschen, weil ich so misstrauisch war.

 

Wir essen also noch auf, plaudern über dies und das. Meine Schwester wirft den Müll weg und stellt die Teller dann zurück auf den Tresen. Er schaut sie freundlich lächelnd an und fragt, ob es uns geschmeckt hat. Dit is Berlin.

Samstag, 13. Dezember 2014

Naschmarkt Kreuzberg - süß und herzhaft

Bereits am vergangenen Wochenende machte ich mich mal wieder auf den Weg in die Markthalle Neun in Kreuzberg. Hier war mal wieder Naschmarkt angesagt. Bei diesem Besuch wurde mir mal wieder klar, wie hart dieses Leben ist. Es ist wirklich hart und zwar so richtig hart, vor allem dann, wenn man sich dort zwischen all den Leckereien entscheiden muss. Allein die Tatsache, schon vorher zu wissen, dass man wieder nicht alles probieren, ist schon schrecklich frustrierend.
Die Auswahl fiel wirklich schwer. An diesem Tag startete ich mit einem Scone. Dann gab es zwischendurch einen herzhaften Gang und zwar ein Fischbrötchen mit geräucherter Forelle. Dazu ein Pale Ale von Heidenpeters. Als Dessert gab es ein Schoko-Cuptail mit einer Cognak-Infusion.

Echt hart, aber unglaublich lecker!
Links: Fisch und Bier; Rechts oben: Scone mit Butter, Marmelade und Sahne; Rechts unten: Cuptail

Dienstag, 30. September 2014

Noch eine Stulle

So landläufig sind Stullen nicht unbedingt als besonderer, geschmacklicher Höhepunkt bekannt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man die belegten Brote nun Stulle, Bemme, Fietze oder Knifte nennt. Doch in Berlin gibt es einen tollen, kleinen Laden und da gibt es großartige Stullen. Die von mir genossene und auf dem Foto abgebildete Stulle war mit einer dicken Schicht Frischkäse und getrockneten Tomaten bestrichen. Als Belag fand sich neben einem gegrillten Halloumi auch aromatische Avocado und jede Menge weiteres Grünzeug. Insgesamt also eine wirklich leckere Stulle.

Eine Stulle in Die Stulle

Sonntag, 29. September 2013

Dit is 'n Burger

Die Faszination und die Anziehungskraft des größten deutschen Fast-Food Anbieters, liebevoll von meinen Schülerleinchen Mäc'n genannt, entzieht sich mir gänzlich. Mittlerweile wird mir beim Gedanken an diesen Laden nicht nur schlecht (also Würgereflex), sondern auch blanke Wut kommt in mir auf. Energisch versuche ich hin und wieder meine Schüler zu agitieren, z. B. damit. Das gelingt mir allerdings nur mittelmäßig, schlecht... gar nicht.
Schon in einem früheren Post hab ich davon berichtet, wie geradezu überlebensnotwendig ein Besuch in solch einer Filiale sein kann. Jeder angekündigte Ausflug wird zunächst hinsichtlich eines möglichen Mäc'n-Besuches gecheckt. Sollte dieser negativ ausfallen, ist der ganze Ausflug schon fast hinfällig, naja wohl eher schon fast im A...
Ich habe nichts gegen Fast Food und ich hab auch nichts gegen Burger. Es muss nur gut gemacht sein, wie zum Beispiel ein echter Burger, aus echtem Fleisch, das auch noch richtig gute Qualität hat. Für so ein Teil geb ich gern 5 € aus. Und in so einem Laden bekomm ich außerdem auch noch Service, Freundlichkeit, gute Atmo und ein gutes, kaltes Pils aus der Region und nicht von einer diesen monopolistischen Ketten!

Chilli-Cheese mit Fritten im MarienBurger in der Marienburger

Mittwoch, 11. September 2013

Share your identity

Mit diesem Slogan warb eine Firma auf der IFA. Gestern war ich nämlich mit meinen lieben Schülerleinchen in Berlin, um dieses unfassbare Wahnsinnsevent moderner Geldvernichtung zu bestaunen. Hier versteht man das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, denn hier gibt es alles, was man nicht braucht, aber trotzdem kaufen möchte, weil es einfach mal einen Style hat. Ist es an dieser Stelle eigentlich unangemessen, darauf hinzuweisen, dass in jeder Minute weltweit ein Kind verhungert? Ach, ich seh schon Herrn Drechsler den Kopf schütteln. Mit einem provokanten Grinsen im Gesicht würde er mir sagen: "Oje, oje... Frau Dingens will mal wieder die Welt retten!"
Aber zurück zum Slogen in der Überschrift. Ich hab zwar vergessen, was das für ein Laden war, aber mir war sofort klar, dass ich das nur sehr sehr ungern tun würde. Um ehrlich zu sein, hatte ich direkt nur eine Antwort und die lautete ohne zu zögern einfach nur "nö". Es schüttelte sich in mir kurz, aber heftig ein ganz großes Unbehagen, beinah fast schon ein kleiner fieser Würgereflex, denn ich präferiere vollständig das Gegenteil. Ich möchte meine Identität nicht teilen, ich will sie ganz allein für mich behalten. In diesem Fall werd ich schon mal ganz böse zum Egoschwein. Von mir aus können das Andere machen. Schließlich sind wir doch ein freies Land und da kann von mir aus seine Identität teilen, wer will. Von mir aus auch meine Schüler, die kann ich ja sowieso nicht davor bewahren. Manchmal möchte ich denen gerne ihre fäsbuck-postings ausdrucken und vor die Nase halten. Wozu muss man die neue Beziehung öffentlich posten? Was wollen die Beiden der Welt damit sagen. Wozu muss das Wochenend-Gelage mit mehreren Flaschen hochprozentigem Alkohol weltweit zur Schau gestellt werden? Warum muss nach dem Ende einer Beziehung öffentlich per fäsbuck Dreckwäsche gewaschen werden?
Doch nochmal zurück zum Teilen der Identität. Mal ehrlich, wer würde denn schon meine Identität mit mir teilen wollen? Wozu auch? Und was will eine andere Person mit der Hälfte, einem Drittel oder einem Achtel meiner Identität? Wie muss ich mir das dann vorstellen? Wird die Identität dann aufgeteilt wie ein Stück Kuchen? Mir wird wohl immer ein Rätsel bleiben, warum ich von einer mir leider unbekannt gebliebenen Firma dazu aufgefordert werde, meine Identität zu teilen. Vielleicht weil andere Personen über keine Identität verfügen? Oder weil jemand die eigene Identität blöd findet? Oder mal kurz feststellen möchte, dass meine Identität genauso langweilig und unspektakulär ist, wie jede andere auch?
Rätsel über Rätsel! Aber sollte nicht Jeder von uns hier eine eigene Identität haben? Und dazu noch eine großartige, unverwechselbare und einzigartige? Auf jeden Fall sollte man identity sharing nicht mit car sharing verwechseln, denn Autos kann man zumindest meiner Erfahrung nach wirklich teilen.

Montag, 22. April 2013

Blut, Tränen und Mc'n

Heute war ich mit Schülern unterwegs. Anstrengung, Stress und Stimmung kann dabei je nach Klasse, Fahrtziel und Wetter variieren. Die Kombination heute versprach einen ruhigen Tag, denn es war meine Klasse, es ging nach Berlin und das Wetter war sonnig, aber nicht zu heiß. Das Programm war eng gefasst, relativ übersichtlich und die Bahnverbindung war so gewählt, dass wir zügig und ohne größere Mätzchen von A nach B kommen.
"Ja, aber wir haben doch noch Zeit?" Ich schaute André fragend an, schüttelte den Kopf und sagte nur knapp: "Nein!" André verdrehte die Augen. "Aber... aber... Ich möcht doch noch zu Mc'n" Aus seinen braunen Kulleraugen blickte mir die tiefe Enttäuschung eines kleinen Jungen entgegen, der soeben verstand, dass es doch nicht der  Weihnachtsmann ist, der am Heiligen Abend die Geschenke bringt.
Da gesellte sich Flo in seiner coolen, entspannten Checkerpose zu uns, rempelte mir so kumpelhaft in die Seite: "Ach, Frau Dingens, ham'se sich doch mal nicht so. Wir haben doch noch genug Zeit. Und Mc'n geht doch auch ganz schnell. Heeßt ja wohl ooch Fast Food" Nein, wir hatten die Zeit nicht und ich erklärte mit pädagogischer Sanftmut, dass wir nur wenige Minuten Zeit zum Umsteigen haben. Andrés Verzweiflung wuchs zusehends und fast hatte ich den Eindruck, dass der Junge gleich anfängt zu weinen. Ich legte ihm die Hand um die Schultern. "Mäuschen, du bist heut ganz schön traurig und enttäuscht." Dabei bemühte ich mich eines ernsthaften Tonfalles, denn ich hatte mal irgendwo gehört, dass es wirklich total wichtig ist, dass man seine Schüler ernst nimmt. "Ja!" schniefte André nur. "Aber heute haben wir keine Zeit!" beschwichtigte ich. Er war wohl sicher immer noch traurig, aber er verstand wohl.

Und dann war da noch der kleine blonde und blauäugige Benni, der sich im Eifer des Gefechtes den Ketchup von seinem Bratwurstbrötchen auf die Hose drückte und seiner Mitschülerin mit kessem Grinsen im Gesicht erklärte, dass er Blut auf der Hose hat, weil er ja nun grad seine Tage hätte. Benni bat mich zuerst um ein Taschentuch und dann um einen Tampon. Letzteres natürlich nur zum Scherz und ersteres um das Ketchupblut von seiner Hose zu wischen. Zunächst wollte er wissen, ob denn Ketchup aus den Klamotten wieder rausgeht. Ich nickte. Dann stellte Benni noch fest, dass Frauen ja mal schon allein wegen der Hygieneartikel teuer seien... 

Montag, 4. März 2013

Wieder im Schlaraffenland

Bereits im vergangenen Jahr war ich in der schönen Markthalle Neun, um dem Genuss zu frönen und zu naschen. Dabei stellte ich mal wieder fest, dass das Leben kann echt grausam sein kann, wenn einem zwischen all den Gemälden die Augen übergehen und man sich zwischen all den Köstlichkeiten wieder nicht entscheiden kann. Ich fühlte mich wiederum wie im Schlaraffenland, auch wenn einem diese wunderbaren Teilchen nicht direkt in den Mund flogen. Darüber bin ich auch ganz froh, da wir ja alle wissen, wie die Geschichte mit dem Schlaraffenland endete und außerdem entscheide ich auch immer noch ganz gern allein, was den Weg in meinen Mund findet. Neben einem wunderbaren Stück Torte mit Grapefruit und Pistazie hab ich wieder einige fantastische Fruchtaufstriche von Bock und Gardener geschossen und mit nach Hause genommen. Leider hab ich versprochen, dass ich etwas abgeben werde. Grober Fehler!

mh, lecker, lecker... Naschmarkt in der Markhalle Neun, Kreuzberg

Dienstag, 4. September 2012

Im Schlaraffenland

Am vergangenen Wochenende verschlug es mich für einige Stunden mal wieder in die Landeshauptstadt. Dort gab es eine kleine, aber sehr feine Messe und nein, ich meine nicht die IFA, denn die ist ja bekanntermaßen weder klein noch fein.


Ich besuchte den Naschmarkt, der allerlei Feines zu bieten hatte. Abschließend erbeutete ich noch zwei Gläschen, die mit delikatestem Geschmackserlebnis gefüllt war. Links eine Himbeer-Minz-Marmelade von Bock und Gardener. Nachdem ich den Testlöffel mit dieser Marmelade im Mund hatte, entfuhr mir nur: "Oh, die ist geil, die nehm ich mit." Dabei hatte ich mein ganzes Leben geglaubt, ich sei kein Marmeladenfan. Rechts daneben ein Zwiebel-Portwein-Chutney von feinschlicht. Dazu kann ich auch nur sagen: "Geil!"

links: Bock und Gardener, Die wahrscheinlich leckerste Marmelade nördlich des Ätna; rechts: feinschlicht, mit Herz gedacht - von Hand gemacht

Mittwoch, 6. Juni 2012

Wer will, dass die Welt...

Eastside Gallery, Künstlerin: Elisa Budzinski, 1990

Dienstag, 29. Mai 2012

Have you seen this sock?

Am vergangenen Pfingstsonntag verschlug es mich mal wieder nach Berlin und zwar in den sogenannten Szenekiez von Friedrichshain. Dort habe ich mich dann auf einem kleinen Trödelmarkt verliebt. In Monster! Und zwar nicht in so fiese, gruselige, schleimige Dinger, die einen in Angst und Schrecken versetzen, sondern in ganz süße, knuffige Biester, die dazu noch in unglaublicher Liebe zum Detail aufs Papier gezaubert wurden. In den abgeranzen, schmuddeligen Rahmen schienen sie mich mich all ihren Kulleraugen anzuflehen: "Rette mich! Bei dir zu Hause fühl ich mich sicher wohl." 
Besonders traurig wirkte da eine Socke, so einsam, verlassen und ungeliebt. Eigentlich wollte ich sie alle mitnehmen und beschützen, aber ich entschied mich nun zunächst erst einmal für die Socke. Aber ich will mehr aus Zozoville. Schließlich fühlt sich so eine Socke bestimmt einsam ohne seine Monsterfreunde.
Nun bin ich stolze Besitzerin eines Johan Potma. Gut, nur ein kleines Poster etwa im A3-Format. Aber wie ich hier lesen konnte, sind die Originale dieses Künstlers schon mehrere tausend Euro wert.

Have you seen this sock? - Missing, Johan Potma 2010

Sonntag, 22. Januar 2012

Shopping in Berlin

Berlin ist bekanntermaßen immer für einen Ausflug gut, egal was man sucht und sollte man mal nichts suchen, dann wird man gefunden. Ich entdeckte einen Schuhladen mit den wirklich schärfsten Schuhen, die ich je gesehen hab. Mal ehrlich diese Teile, so schnöde nur als "Schuhe" zu bezeichnen, ist absolut mehr als unwürdig. Zudem braucht frau dafür nicht nur einen Waffenschein, sondern auch ein Lauftraining.

Sanctum Berlin, Sophienstraße



Und tatsächlich gibt es in Berlin wirklich alles, sogar liebevoll handgeschriebene Kassenzettel. So etwas hab ich in meinem ganzen Leben noch nie in der Hand gehabt. Berlin erstaunt und verblüfft.


Donnerstag, 22. Dezember 2011

Es weihnachtet...

Wenn Schüler mit roten Weihnachtsmannmützen durch das Schulhaus laufen, wenn Schüler von Mutti schnell noch Plätzchen backen lassen und mitbringen (und dabei spielt es auch keine Rolle aus welchem Grund, Hauptsache lecker), wenn sich Schüler plötzlich liebevoll verpackte Geschenke machen und vor allem wenn sie erwarten, dass man keinen "richtigen" Unterricht mehr macht (was auch immer das jetzt genau heißen soll). Dann weihnachtet es und zwar ganz schwer. Für die zwei schweren Fälle von Weihnachtsverweigerung gab es dann von mir eine schriftliche Zusatzarbeit. Aber wer nicht will, der hat schon!

Ein weiteres Indiz dafür, dass Weihnachten mit großen Schritten naht, sind die unzähligen Weihnachtsmärkte. Die können gut sein, müssen aber nicht. Ich hab glücklicherweise einen von den Guten erwischt...

Berlin, Gendarmenmarkt

Donnerstag, 23. Juni 2011

Chinesische Mauer in Europa?

Klassenausflüge haben doch immer auch einen immens hohen Unterhaltungswert. Die Ankunft am Flughafen Tempelhof wurde mir durch einen besonders interessanten geografischen Hinweis versüßt. 

Zunächst wollte der wirklich sympathische Begleiter aus der Elternschaft eben mal einfach nur Wissen aus der Kategorie "Überflüssig" an den mehr oder zugegebenermaßen wohl eher weniger geneigten Schüler bringen. So sagte er, dass der Flughafen Tempelhof aus dem Weltall zu sehen sei und das größte zusammenhängende Gebäude Europas sei. Plötzlich schoss es aus Lisa heraus: "Ne, auf gar keinen Fall, das glaub ich nicht. Das Dingens-Center ist doch viel größer." Worauf Joyce anmerkte, dass die Chinesische Mauer doch viel, viel, viel größer sei. Da ging mein Klassenbester dazwischen und erklärte mit ruhiger Stimme, ja geradezu liebevoll, dass die Chinesische Mauer selbstverständlich auch aus dem Weltall zu sehen sei, dass China aber nun mal nicht in Europa läge. Darauf fauchte Lisa und herrschte ihn an: "Woher willst du das denn wissen?"

Was soll ich dazu noch sagen? Außer, wie eingangs bereits bemerkt, dass ein Klassenausflug immer einen ganz besonderen Unterhaltungswert hat. 

Und wer sich die Größe des Tempelhofer Flughafens nicht vorstellen kann, dem helfe ich bildlich mal nach und für alle, die nicht glauben, dass China nicht in Europa liegt, sei entweder ein Online-Karten-Dienst oder ein handelsüblicher Atlas empfohlen...

Flughafengebäude Berlin Tempelhof

Dienstag, 14. Dezember 2010

Scala und Kolacny Brothers

Kaum aus dem Bett gefallen, beschloss ich nach einem Blick aus dem Fenster doch nicht nach Berlin zu fahren, denn es goss aus Kübeln, am Samstag. Doch dann wurde mir klar, dass ich es bereuen würde, den ganzen Samstag im Bett zu verbringen und das obwohl sich diese Freizeitbeschäftigung bei dieser Wetterlage  sich doch geradezu aufdrängte. Doch ich entschied mich spontan für das Kontrastprogramm. 

Ich stieg in eine - ich will mal sagen - kuschelig gefüllte Regionalbahn. Dann stieg ich um in einen Bus, der Richtung Neukölln fuhr. Zugegeben, in meinem Kopf kreisten ein paar Klischees, denn noch am Vorabend sah ich eine Diskussion mit einem jungen Mann, der war mal Chef in voll krasser Gang in Neukölln. Als ich aus dem Bus ausstieg, dachte ich noch so bei mir "Voll krass hässliche Gegend! Vielleicht kann man es da auch nur in voll krasser Gang ertragen."

Aber ich war ja nicht wegen Sightseeing hier, sondern wegen dem international bekannten Mädchenchor Scala

Scala in den Gropius Passagen, Berlin

Also begab ich mich, bevor ich mich ins Weihnachtsshopping-Gewühle stürzte, in ein doch recht kleines Areal vor eine kleine rote Bühne. Ich fragte mich noch, wie das denn hier funktionieren soll, wenn hier noch so zwei, drei, vier Leute dazu kommen und die Leute auf den Rolltreppen einfach stehen bleiben. Das kann ein schönes Geschiebe und Gedränge werden. Dann kamen die Mädels, der Chorleiter und der Mann fürs Klavier (Pianist?) auf die Bühne. Die Mädels begannen an zu singen. Und ich hatte das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt. Zunächst hatte ich das komische Gefühl, dass ein Kaufhaus doch ein absolut unpassender Auftrittsort sei (ach tschuldigung, das heißt ja heut location...) Doch dieses komische Gefühl verschwand wirklich schnell. Nach einigen Titeln stellte ich fest, dass die Rolltreppen gestoppt wurden und ähnlich verhielt es sich auch mit den Menschen. Sie standen und hörten zu. Es machte sich wirklich Weihnachtsstimmung breit und das in einem Shopping-Tempel.
Besonders beeindruckt hat mich neben den wunderbaren Stimmen auch die Tatsache, dass Scala sogar für Hollywood singt. Ihre Version des Titels "Creep"  von Radiohead ist im Kinofilm "Social Network" zu hören.

Sonntag, 21. November 2010

November in Berlin

Berlin, Friedrichstraße

Isabelle Geffroy alias Zaz

Am Freitag machte ich mal wieder auf in die Hauptstadt. Dem freundlichen Shopping-Tipp eines lieben Freundes folgend begab ich mich auf die Friedrichstraße ins Kulturkaufhaus Dussmann, wo ich nicht nur den einen oder anderen Euro ausgegeben habe, sondern auch einem fantastischen Konzert lauschte.

Zaz gibt Autogramme
Die junge Dame, die in Turnschuhen und Jeans, so völlig schnörkellos die kleine Bühne betrat, heißt Zaz und ist in Frankreich im Moment die absolute Nummer Eins. Und ich kann  verstehen, dass unzählige Kritiker wahre Lobeshymnen auf Zaz anstimmen. Dabei wird sie schon mit Edith Piaf verglichen, auch wenn sie das selbst für ziemlich übertrieben hält. Dabei kann ich den geradezu euphorischen Kritiken nur beipflichten. Zaz ist einfach nur bezaubernd, fröhlich, emotional. Ihre Stimme und ihre Musik ist fesselnd, auch ohne, dass man auch nur ein Wort französisch spricht, versteht man alles. Gut gelaunt tanzt sie über die Bühne und spielt mit dem Publikum. Diese Frau ist ein Ereignis! Man muss sie gesehen und vor allem gehört haben.

Und hier mein persönlicher Favorit aus ihrem Album Zaz, "Je veux":

Samstag, 20. November 2010

Eine Postkarte


Nein, wirklich!
Solche Postkarten kann man tatsächlich kaufen und sogar verschicken, wenn man sich traut...

Freitag, 5. November 2010

Berliner Leber Art

Eine Lokalität "Unter den Linden"

Ein besonders erhellendes Foto von meiner Touristenfotosafari in Berlin hätte ich doch fast unterschlagen. Berlin ist groß und dabei gilt es zu beachten, dass es da unterschiedliche Pflaster gibt. Hier wäre ein Beispiel für ein wirklich teures Pflaster.


Aber glücklicherweise (oder auch manchmal unglücklicherweise) ist so eine Festplatte doch unerbittlich, denn sie speichert einfach alles. Sonst wäre dieser unglaubliche Preisknüller doch  in Vergessenheit geraten, weil ein menschliches Gehirn im Gegensatz dazu doch eher geneigt ist die negativen Dinge eher zu vergessen und vor allem das Positive abzuspeichern.


Und ohne diesen Fotobeweis würde mir das doch keiner glauben. Schließlich sagt man doch immer so schön: Das glaub ich nicht, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hat...

Montag, 11. Oktober 2010

Zweimal Berlin

Mein erstes Ferienwochenende verbrachte ich in Berlin. Zunächst begab ich mich am Samstag auf Touristensafari. Ich wollte all das sehen, was man eben als Tourist so sehen muss. Am Postdamer Bahnhof begann meine Reise. Ich stieg aus dem Tiefbahnhof empor, die Sonne schien mir ins Gesicht und mir stockte der Atem. All die Wolkenkratzer um mich herum waren also die "Neue Mitte" von Berlin. Nach einem kurzen Moment der Schnappatmung machte sich Orientierungslosigkeit bei mir breit. Mein erster Gedanke war: "Ich will sofort wieder nach Hause!" Aber dann lief ich einfach drauf los. So fand ich auch, was ich suchte: Kleine Reste der Berliner Mauer. Mein Weg führte mich weiter über die Friedrichstraße zur Galarie Lafayette, wo ich einen Augenblick vermutlich ganz besondere Menschen bei Austern und Champagner beobachtete. 

Nach den Impressionen des puren Luxus ging ich weiter und landete "Unter den Linden" am Brandenburger Tor. So begab ich mich dann zum Denkmal der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und ich fragte mich die ganze Zeit, welchen Eindruck nun dieses Denkmal auf mich machen sollte. Eine Mutter hinter mir maßregelte ihr Kind: "Das ist ein Denkmal! Es dient der Erinnerung und Besinnung!" Eine Diskussion mehrerer Frauen wurde laut. Sie waren sich auch nicht über die Wirkung des Denkmals einig, ob es nun gelungen sei oder nicht. Auf jeden Fall passe es nicht in die Umgebung, darin waren sie sich einig. Ich begab mich nun auf den Weg zwischen den Stelen hindurch und ich konnte immer noch nicht so recht sagen, welchen Eindruck ich nun habe.

Berlin, Denkmal der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus

Am Sonntag fuhr ich wieder nach Berlin und ich freute mich diesmal ganz besonders. Zum einen traf ich einen lieben Freund wieder und zum anderen wusste ich, dass mir dieser Insider das "wahre" Berlin zeigen konnte. Er zeigte mir faszinierende Ecken - vorbei an der Eastside Galerie, den neuen "In" Stadtteil Friedrichshain mit den überhaupt angesagtesten Bürokomplexen der Stadt und den dreckigen Bahnhof Ostkreuz. Zunächst nahmen wir ein kleines Getränk in einer wirklich zauberhaften -ja - Location: einer Turnhalle, also einer ehemaligen Turnhalle. Dann kam das kleine Hüngerchen und mein lieber Freund überlegte, was wir nun essen könnten und welche kulinarische Köstlichkeit er mir denn anbieten könnte. Sushi? Falafel? Döner? Currywurst?
Am Ende des Abends gab es dann den besten Burger, den ich jemals gegessen habe und ich habe schon wirklich viele Burger gegessen. Allerdings Fast Food war das nicht, weil der Laden wirklich sehr beliebt ist, aber das Warten hat sich absolut gelohnt. Achja, das war der MarienBurger in der Marienburger.
MarienBurger in Berlin