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Freitag, 29. Januar 2016

Verschwinden

Nachdem ich mich schon vor einiger Zeit - huch - es sind doch tatsächlich schon mehr als fünf Jahre als Lehrer geoutet habe, offenbare ich hier nun eine Leidenschaft aus meinem Privatleben. Ich spiele nämlich seit einem Jahr Theater. Viele mögen jetzt vielleicht der Meinung sein, dass ich das gar nicht bräuchte, denn schließlich hab ich ja schon beruflich den ganzen Tag Theater. Das mag wohl in gewisser Weise schon richtig sein, aber die Stücke, die meine Schülerleinchen so abliefern, sind meist nicht ganz so gut und der Unterhaltungswert hält sich nicht immer, aber meist auch in Grenzen. Außerdem muss ich beruflich immer die Rolle "Lehrer" geben, auch wenn die durchaus sehr abwechslungsreich sein kann, war ich auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

So landete ich also beim Theater. Diese Rolle, die mir zugeteilt wurde, war nun wirklich nicht für mich geschrieben, wohl eher im Gegenteil und verlangte einiges von mir. Doch nach und nach hab ich mich mit diesem fiesen Typen, den ich darstellen muss, angefreundet. Ich bin im Alltag nämlich recht selten, also eher gar nicht fies. (Naja außer manchmal zu Schülern, wenn sie keine Hausaufgaben machen oder mir nicht zuhören.) Doch mittlerweile macht mir diese Rolle sogar richtig Spaß. Ich muss gestehen, so ein bisschen Fiessein fetzt.
Die Premiere war aufregend. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Es war wirklich eine krasse Erfahrung. Doch nach dem dritten oder vierten Auftritt war es echt schwer die Konzentration zu behalten. Zwischen meinen Auftritten saß ich also mit meinen Schauspielkollegen hinter der Bühne. Wir müssen uns ja leise verhalten, damit wir das Stück vorn auf der Bühne nicht stören und auch das Publikum nicht ablenken. Somit fallen Gespräche schon mal aus. Es bleibt leises Getuschel, das uns ab und an ein wenig die Zeit vertreibt. Manchmal wird mit dem Händi gespielt. Doch letztendlich sitzen wir alle auf Stühlen und warten auf unseren nächsten Auftritt.
Ich gähne. Ich bin echt müde und mir ist wirklich langweilig. Es ist also keine Überraschung, dass ich nochmals gähne. Und nochmal. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mir schrecklich langweilig ist? Ich gähne schon wieder sehr herzhaft. Meine Schauspielkollegin schaut mich ernst an und fragt nur kurz: "Langweilig?" Ich reiße die Augen auf. Ich bin irritiert und denke nur: "Ja klar und wie!" Dann fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu: "Dann geh doch!" 

Der Gag saß. Ich wollte lachen, aber ihr wisst schon, wir sitzen immer noch hinter der Bühne und das Stück ist noch lange nicht zu Ende.

Dienstag, 1. Mai 2012

Hexenfeuer

Früher war alles besser, selbst so ein lausiges Feuer. Am 30. April wird Walpurgisnacht gefeiert und die Winter-Hexe verbrannt. So stand ich nun mit lieben Menschen um das gestrige Feuer herum und stellte ziemlich schnell fest "Es ist langweilig!" - "Genau" erwiderte mein Gegenüber, "und früher hat das außerdem alles viel mehr gefetzt."
Genau, früher mussten wir noch harte Verhandlungen mit unseren Eltern führen, damit wir Abends länger draußen bleiben durften und nicht schon mit Mutti und Vati nach Hause gehen mussten. Heute ist es egal, wann wir nach Hause gehen. Es war aufregend sich mit Freunden am Feuer zu treffen. Vielleicht traf man ja gar den süßesten Jungen der ganzen Schule, den man natürlich nicht ansprach, sondern nur von weitem anschmachtete. Heute hatte ich das Gefühl, hier hängen nur besoffene Penner ab. Natürlich reizte man früher die Ausgehzeit bis zur letzten Minute aus. Naja, ich überzog auch immer gern ein bisschen. Schließlich war es ja dunkel und man konnte doch die Zahlen auf der Uhr so schlecht erkennen. Aber es war gefährlich all zu lang zu überziehen, denn am Ersten Mai hieß es früh raus zum Aufmarschieren. 8 Uhr war Stellprobe und wenn man dann am Abend vorher zu spät ins Bett kam, erwies sich das morgendliche Weckerklingeln möglicherweise mehr als unerfreulich. Aber ich war damals noch jung genug, um das Aufmarschieren am Ersten Mai mit all den Plakaten und Blumen, die die Kleinen gebastelt haben, aufregend zu finden.

Im Grunde bin ich doch ganz froh, dass ich heut nicht mehr zum Ersten Mai raus muss und im Fernsehen auf allen ZWEI Programmen die große Parade aus Berlin übertragen wurde. Vielleicht war ja früher doch nicht alles besser...



Samstag, 14. Januar 2012

Bazzilo oder Tag der Offenen Tür

Der Samstag gehört zu meinen Lieblingstagen, denn ich kann zunächst einmal ausschlafen und ich bin ein ganz großer Fan von lange schlafen. Ich mag ja meinen Job, aber das mit dem früh Aufstehen ist nicht so mein Fall. Doch dieser Samstag warf schon lange seine dunklen Schatten voraus. In fetten Lettern stand in meinem Kalender: Tag der Offenen Tür. Heut morgen als der Wecker klingelte, verfluchte ich diesen Tag, denn wer geht schon Samstag gern in die Schule. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Aber man will ja ein gutes Bild bei potentiellen neuen Schülern und vor allem bei den dazugehörenden Eltern hinterlassen. Dazu wappnete ich mit einer Tafel Schokolade im Gepäck, damit ich nicht wegen Unterzuckerung noch pampig werde und der letzte Funke guter Laune vollends im Orkus versinkt.
In meinem Fachraum angekommen, stöpselte ich mir meine Musik an die Lautsprecher an und machte mich auf lange und zwar ganz besonders lange vier Stunden gefasst. Ich verteilte ein bisschen Material auf den Tischen, hängte noch ein paar Plakate auf und wischte nochmal besonders sorgfältig die Tafel. Die Schüler haben ja noch nicht mal das richtig drauf: sauberer, nasser Schwamm und Tafel von oben nach unten wischen, voll anspruchsvoll und so. Als wenn nicht schon meine Laune fast auf dem Nullpunkt angekommen wäre, schneiten jetzt auch noch ein paar Schüler herein und posaunten "Wat, gibts jetzt auch noch Musik? Ist das Ihre? Darf ich mal kucken?" - "Nein, Finger weg! Das ist mein Rechner und meine Musik!" zischte ich. Ich konnte nicht verhehlen, dass ich ein wenig schlechte Laune hatte. Mit einer entschuldigenden Geste und einem Ist-ja-schon-gut-Blick zogen die beiden Jungs wieder ab. Ein paar Eltern fragten nach Herrn Schiller. Da dachte ich noch so bei mir, wenn das so weitergeht, ziehe ich am Ende noch eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt vor, denn da ist wenigstens was los.