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Dienstag, 27. Dezember 2011

Eine "angenehme" Reise

Nach Weihnachten hätte ich noch eine kleine vorweihnachtliche Geschichte. Ich dachte mir einfach mal die Technik für ein paar Tage ruhen zu lassen und siehe da, welch Wunder, ich konnte tatsächlich auch mal ohne Internet.

Kurz vor Weihnachten dachte ich mir, ich könnte mir ein kleines vorweihnachtliches Geschenk machen und fahre ICE. Normalerweise bin ich zu sparsam (böse Zungen würden behaupten zu geizig) für den Zuschlag, aber wie heißt es so schön, Moment, ich schlag mal kurz nach...: ICE fahren ist nicht nur schnell und besonders komfortabel was die ergonomisch und körpergerecht geformten Sitzplätze angeht, sondern auch noch mit anderen zahlreichen Vorteilen verbunden. Ja, das hab ich gemerkt! 
Komischerweise unter dem Motto: The same procedere as every year. So kurz vor Weihnachten ist schließlich absolut nicht damit zu rechnen, dass sich die Anzahl der Fahrgäste an den Tagen vor Weihnachten vervielfacht. Wie immer eine äußerst schwache Kür für ein Dienstleistungsunternehmen, das gern für seinen guten Service vor allem in seinen Fernverkehrszügen wirbt. Also, ich dachte ich gönne mir mal was und ich zahle den Zuschlag für den ICE. Letztendlich nicht nur eine Frechheit, sondern auch völlig überflüssig, da der Zug so voll war, dass gar kein Schaffner, ach ne das heißt ja heute Zugbegleiter, durchkommen konnte. Schieben, Dränglen und das wirklich schwierige Unterfangen sich irgendwo in ein Plätzchen zu quetschen, wo man wenigstens halbwegs gut stehen kann. Bei diesem Versuch hatte ich auch schon einen Rucksack im Kreuz und dachte so bei mir, dass es doch wirklich ausgesprochen angenehm wäre, wenn der Herr den Rucksack abnehmen würde. (So anspruchslos wird man plötzlich in einem der Vorzeigezüge der Deutschen Bahn, die für Bequemlichkeit stehen.) Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass sich genau dieses Unternehmen als schwieriges Unterfangen erweist, wenn sich zahllose Fahrgäste um einen herum drängen. Nun denn, irgendwann hat es der Herr dann geschafft und es wurde, nun ja, stehenderweise irgendwie angenehm. 
Um mich herum standen unzählige Fahrgäste, keiner murrte. Warum sollten sie auch, denn schließlich hatte sie ja auch einen Platz in diesem überfüllten ICE bekommen und was soll ich sagen, dieser Zug hatte zudem auch noch keine einzige Minute Verspätung, was ja bekanntermaßen nicht selbstverständlich ist. All diese eng gedrängten Fahrgäste standen nun mit ihren teuren Telefonen in der Hand um mich herum und spielten, hörten Musik, checkten E-Mails oder kommunizierten über facebook. Da stand ich nun mit meinem zwei Jahre alten, doch auch schon mit Touchscreen versehenen Telefon, das auch Internet und mp3 kann, aber weitaus weniger luxuriös und modern daher kam, wie all die anderen highend Smartphones um mich herum. Ich fühlte mich ein wenig mies und dachte so bei mir, dass ich mir wohl besser ein neues Telefon hätte vom Weihnachtsmann wünschen sollen. 
Eine junge Frau neben mir telefonierte ungeniert und es störte auch offensichtlich sonst keinen, dass sie gerade ihre Weihnachtsfeiertage managte. "Na klar bin ich morgen bei meinen Eltern, aber heut schau ich noch bei Paul und Anna auf ein paar Glühwein vorbei. Am ersten Feiertag bin ich dann bei Chris, das ist ja wohl logisch oder was hattest du denn gedacht...!" Ich drehte meine Musik lauter, denn es geht mir wirklich schwer auf die Nerven, wenn Andere ihre Privatangelegenheiten so in aller Offentlichkeit ausdiskutieren. Da soll mir mal noch einer mit Datenschutz kommen! Plötzlich schob sich ein junger Vater mit seinem kleinen Sohn durch die Menge. Der kleine Wonneknubbel krallte sich mit aller Macht an seinem Papa fest. Sein Köpfchen rotierte wie ein Kreisel und die Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich hoffte, dass die Beiden bald aus dem überfüllten ICE aussteigen konnten oder einen entspannten Sitzplatz finden.

Ich war froh, dass ich schon nach einer halben Stunde Luxusfahrt im zuschlagspflichtigen ICE aussteigen konnte. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es eine Frechheit ist, für so eine Fahrt Zuschlag zahlen zu müssen? Auf jeden Fall stieg ich nun in eine Regionalbahn, in der es auch kuschlig (also gut gefüllt), aber nicht ganz so kuschlig war, wie in dem überfüllten ICE. (nur zur Erinnerung für eine halbe Stunde stehen musste ich Zuschlag zahlen!!!) Die Fahrgäste strömten ein und die Koffer, Taschen, Rucksäcke und Geschenke wurden gestapelt. Es erinnerte mich ein wenig an Tetris. Als ich den Zug betrat, fand ich noch ein nettes Plätzchen. Naja, es war wenigstens ein Sitzplatz und links und rechts neben mir war noch Luft. Mir war klar, dass dieser Luxus nicht lange bleibt. Die Reihen füllten sich. Es wurde eng, man kam sich näher, ob man wollte oder nicht. Der Zug fuhr an und aus den Lautsprechern tönten die klaren Worte in feinstem Sächsisch: "Wir begrüßen Sie im Regionalexpress 1234 und wir wünschen Ihnen eine angenehme Fahrt mit der Deutschen Bahn." Ich wusste nicht so recht, ob der Herr das wirklich ernst meinte. Für mich hatte das eher was von Realsatire. Naja, auf jeden Fall musste ich für diese Fahrt und diesen Sitzplatz keinen Zuschlag zahlen!
Der junge Mann links neben mir schielte mir aufs Display meines Telefons. Ich kam nicht umhin die Unterhaltung der jungen Frau rechts neben mir mit ihrem Begleiter zu lauschen. Manchmal lunschte ich in ihr Buch mit dem verheißungsvollen Titel "Kann Kapitalismus moralisch sein?" Ob diese Frage rhetorisch gemeint war? Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt Schulter an Schulter mit der jungen Studentin zu sitzen. Manchmal lächelten wir uns verständnisvoll an. Dann packte sie ihr Telefon aus. Es war ein vielleicht zehn Jahre altes Klapphandy, noch so mit Tasten! Das Gerät war zwar klein, aber wirkte sehr klobig und total unstylisch. Und plötzlich fühlte ich mich mit meinem Telefon wieder als Gewinner, auf der Überholspur... ätsch, ich hab schon eins mit Touchscreen! Der Tag war gerettet. Und die Moral von der Geschichte? Alles mal wieder eine Frage der Perspektive!

Montag, 28. November 2011

Sooo vermisst

Nach drei Wochen Praktikum waren heut endlich die Zehnten wieder da. Schon vor der ersten Stunde strahlt mich Jasper an und wären links und rechts am Kopf nicht die Ohren befestigt, wäre sein unwiderstehliches Lächeln (oder war es schon ein Grinsen?) noch größer geworden. "Na, Frau Dingens, wie geht es Ihnen? Jetzt, wo wir wieder da sind. Sie haben uns doch gaaanz sicher schrecklich vermisst,"  säuselte mir der Kleine schon fast ins Ohr. "Ja, natürlich, hab ich euch vermisst und ganz besonders dich!" antwortete ich mit einem schelmischen Grinsen und war froh dabei, dass Jasper zu der seltenen Ausnahme von Schüler gehört, der Ironie versteht.

Dann betrat ich die 10b, die ich im vergangenen Jahr, in der sie noch Neunte war, wirklich hasste. Doch das hat sich mittlerweile geändert und zwar so sehr, dass ich am heutigen Tag den Klassenraum betrat, strahlte und die Jungs und Mädels mit den Worten begrüßte "Scheiße, mann, hab ich euch vermisst." André strahlte zurück und antwortete: "Wir haben uns ja auch lang nicht gesehen. Ich kann verstehen, dass Sie uns vermisst haben." - "Genau" grinte ich, "und deshalb müssen wir uns zur Begrüßung auch mal gaaanz dolle drücken!" Bei André handelt es sich wiederum um einen Schüler, der es nicht so mit Ironie hat. Genau aus diesem Grund hat er diese ironische Ansage wohl auch wörtlich genommen und kam mit ausgebreiteten Armen auf mich zu. Ehe ich so recht wusste, ob ich das überhaupt wollte, fühlte ich mich wie in einen Schraubstock eingespannt. André packte zu, aber richtig, so dass ich kaum noch Luft bekam. Danach ging er zu seinem Platz zurück und strahlte weiter. Ich rang schwer nach Luft, sortierte mich kurz und sortierte mich dann nochmal kurz....

Den letzten Rest verpasste mir dann noch Michi, der mich ebenfalls mit strahlendem Lächeln begrüßte, welches ich mit einen "Hallo Schatz!" erwiderte. Solch unbedachte Äußerungen meinerseits gehören im Grunde wirklich bestraft, denn dieser junge Mann versteht eben auch keine Ironie. Oder ist er einfach auch nur bekifft und weiß grad nicht so genau, dass er eine Lehrerin vor sich hat. Manche würden dieses Verhalten auch als distanzgemindert bezeichnen. Außerdem frage ich mich ernsthaft, warum diese Kerls solche flapsigen Kommentare von mir auch immer für bare Münze nehmen. Schließlich konnte ich auch wirklich nicht ahnen, dass er nun gleich von hinten an mich heranhüpft, mir um die Taille fasst, seinen Kopf an meinen Rücken lehnt und feste zudrückt. Vielleicht sollte ich doch in Zukunft ein klitzekleinwenig vorsichtiger sein.

Mittwoch, 9. November 2011

Tilly und früher war alles besser

Heut war mal wieder Busfahrtag. Freudestrahlend begrüßte mich Tilly schon von weitem, denn er hat immer etwas ganz Wichtiges mitzuteilen, auch wenn es keiner wissen will. Wir nennen ihn im Kollegium auch schon gerne mal Professor Doktor, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Heut bat er mich darum, dass er seine Pause eher beenden dürfe, um ins Schulgebäude zu kommen. (Die Schüler müssen bei uns vorm Unterricht noch auf dem Schulhof warten und dürfen erst zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn ins Schulgebäude.) Schließlich hängen doch heute die Listen für die Projektwoche aus und er müsse sich ganz dringend unbedingt als Erster eintragen, weil doch sonst seine Wunschgruppe schon voll sei. Ich lächelte höflich und sagte, dass ich für ihn keine Ausnahme machen könne und dachte still weiter, dass er sich gefälligst wie alle anderen um die guten Plätze prügeln müsse. Schade, antwortete Tilly und ich glaube, er war auch ein wenig beleidigt.

Dann lernte auch ich am frühen Morgen auch noch etwas Neues. Früher war alles besser! Es fahren immer ein paar Grundschüler mit. Als diese wieder ausgestiegen waren, erklärte Max, neunte Klasse und ein besonders sensibles Gemüt, dass sich diese Kinder von heute nicht mehr zu benehmen wüssten. Diese Bälger seien wirklich unmöglich. Als er noch ein kleines Kind gewesen war, hätte er noch gewusst, wie man sich zu benehmen hat, aber diese Rotzgören von heute. Einfach nur schrecklich, mal ehrlich! Erstaunlich, erstaunlich, was Max, der mir im vergangenen Schuljahr noch fast jeden Unterricht gesprengt hat, so plötzlich von sich gibt.

Aber manchmal wird im Bus auch gekuschelt. So steht die kluge Ina aus der achten Klasse offensichtlich auf die jüngeren Männer aus der siebten... (tschuldigung, das Bild ist etwas verwackelt. Da ist der Bus wohl grad durch ein Schlagloch gefahren.)


Und zum Schluss noch der Kalauer des Tages:
Mach dich doch endlich mal aus dem Staubitz...