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Sonntag, 16. Juli 2017

„Oh, das ist jetzt aber blöd.“

Eine Szene wie aus Ladykracher. Das Setting: Klassenfahrt. Es ist kurz nach Mitternacht und ich wäre dabei Anke Engelke, die sich mit verschränkten Armen und bösem Blick vor einem Schüler aufbaut, der sich gerade aus der dritten Etage zu den Mädels nach unten schleichen möchte. Der junge Mann steht da barfuß, in Shorts und T – Shirt. Die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich ihn dabei ertappe, dass er eine gute Stunde nach Beginn der Nachtruhe sein Zimmer verlässt.

Aus dem Unterricht kenne ich ihn äußerst spontan und reaktionsschnell, um nicht zu sagen frech und durchaus auch vorlaut. Nach einer Schrecksekunde stellt er dann trocken fest: „Oh, das ist jetzt aber blöd. Ich geh dann mal wieder.“ So dreht er sich um und verschwindet treppauf. Ich grinse in mich hinein und sag leise: „Ja, dann mach das mal…“

Schnitt

Dann berichte ich meiner Kollegin davon und uns schüttelt ein heftiger Lachflash mit Tränen in den Augen. Wir sind uns einig. Klassenfahrt fetzt!

Donnerstag, 30. Januar 2014

War Lance Armstrong auf dem Mond?

Neulich fragte mich der Phil ganz aufgeregt, ob ich denn glaube, dass Lance Armstrong tatsächlich auf dem Mond gewesen sei. Seine blauen Augen leuchteten, so versuchte ich ihn mit seiner Frage ernst zu nehmen, da ich davon ausging, dass der Junge wirklich Interesse an dieser Geschichte hatte. Nur fiel es mir schwer die Fassung zu wahren, denn irgendwie haut das mit dem Namen ja nicht so ganz hin. Natürlich war mir klar, worauf er hinaus wollte. Schließlich kenne ich diese Verschwörungstheorie, dass die Amerikaner die Mondlandung angeblich nur im Studio inszeniert haben sollen. Allerdings hatte ich keine Lust mich dazu zu äußern, da mir das auch irgendwie egal ist.

Doch bevor ich Phil zunächst auf den falschen Namen hinweisen konnte, gesellte sich Daniel zu uns und merkte an, in Denkerpose mit der Hand am Kinn: "Aber, Frau Dingens, aber war das nicht Louis Armstrong. Lance war doch so ein Jazzmusiker." Ich musste tief durchatmen und konnte kaum noch an mich halten. Mir liefen schon fast die Tränen. Marten, den ich aus den Augenwinkeln beobachten konnte, hatte vor Lachen schon einen hochroten Kopf und erklärte, dass Lance mit dem Fahrrad sicherlich länger bis zum Mond gebraucht hätte, aber mit entsprechenden Doping wäre es sicherlich möglich. Jetzt brach zunächst meine ruhige Fassade und dann auch in lautes Gelächter aus. Ich rang nun wie Marten nach Luft. Und irgendwie war das jetzt so ein Insider-Ding zwischen Marten und mir. Phil stand immer noch mit seiner Frage und nun dazu noch völlig hilflos in einer Gruppe weiterer Schüler, die alle keine Ahnung hatten, worum es ging. Nach einer Weile bekam nun auch Marten wieder Luft und sortierte dann fachkundig die Namen. Daniel rieb sich das Kinn und nickte wissend: "Ja. Stimmt. Neil Armstrong war der auf dem Mond..."

Freitag, 1. März 2013

Ein guter Zuhörer

Neulich gesellte sich Luis bei der Pausenaufsicht zu mir. Er lächelte mich an, legte den Kopf schief, wobei sein langer schwarzer Pony auf die Seite rutschte und sein linkes Auge freilegte (Das muss ich mir merken! Luis hat auf der linken Seite ein Auge unterm Pony) und kratze sich fragend am Kinn: "Frau Dingens, Sie schauen heut so merkwürdig, Ihnen liegt doch was auf dem Herzen." Ich war verblüfft, geradezu ein wenig geschockt, denn ich sah mich nur so um und passte auf, dass keiner dem anderen aufs Maul haut oder die Eine einer Anderen die Haare büschelweise ausreißt oder Schneebälle wirft, was auf unserem Schulhof absolut verboten ist und unter Strafe steht.
 So legte ich nun für die Antwort auch den Kopf ein wenig schief und antwortete dem Zehntklässer mit einem kleinen Lächeln im Gesicht: "Oh, Luis, selbst wenn dem so wäre, würde ich es dir nicht erzählen." Noch wirkte Luis sehr ernst und besorgt, denn er führte weiter aus, "aber, Frau Dingens, ich bin wirklich ein sehr guter Zuhörer." Was sollte ich nun darauf antworten, zumal ich schon kurz vor einem Lachanfall stand. Dennoch bemühte ich mich redlich nach bestem Wissen und Gewissen eine diplomatische Antwort zu geben. "Das glaube ich dir gern, Luis. Das kann ich mir auch wirklich gut vorstellen." Nun musste endlich auch Luis lachen. Ich war froh, dass ich mich nicht mehr zusammenreißen musste und während ich vor lauter Lachen losprustete, legte ich ihm noch kurz nickend die Hand kumpelhaft auf die Schulter, denn er übermittelte mir noch ein rührendes Hilfsangebot: "Also, Frau Dingens, wenn Sie mal jemanden zum Reden brauchen..."

Mit herzhaftem Lachen gingen wir nach der Hofpause in den Unterricht.