Freitag, 9. November 2012
Dienstag, 6. November 2012
Kinderkacke
Die zehnten Klassen sind im Moment außer Haus und gerade im Praktikum. So hatte ich heut zwei wunderbare Freistunden, die ich mal so ausgiebig genießen konnte, indem ich mal wieder etwas tat, für das ich solange keine Muse hatte: ein neues Arbeitsblatt erstellen, gestalten und nach allen Regeln der Kunst zu formatieren. Das sieht mal wieder todschick aus, nur schade, dass ich jetzt schon weiß, dass die Schüler nicht zu schätzen wissen, wieviel Arbeit ich in solch ein selbst erstelltem Arbeitsblatt stecke. Das kann man sich ja alles fix und fertig bei gugl runterladen.
Außerdem konnte ich nochmal über den gestrigen Eltern-Schüler-Sprechtag sinnieren. Da war die kleine Lena aus der Siebten, die im Unterricht kaum den Mund aufbekommt, dafür allerdings immer fleißig am Schreiben ist - nur nicht das Tafelbild, sondern eher Briefchen an Thorsten aus der Achten. Als sie dann gestern neben ihrer Mutter und vor mir saß, kriegte sie plötzlich kaum noch den Mund zu und ich war erschüttert wie sich die Mutter von dieser kleinen unverschämten Kackbratze über den Mund fahren ließ. Auch Herr Drechsler stimmte mir zu. Er hatte kurz nach mir das Vergnügen. Kurzerhand hat er Lena rausgeschmissen, also nein, er hat sie höflich gebeten, den Raum zu verlassen, damit er sich in Ruhe mal alleine mit ihrer Mutter unterhalten kann. Dennoch beläuft sich das Resümee auf Altbekanntes.
Und dann war da noch dieses Verhalten, das Kindergartenniveau hatte und das obwohl ich mich, zumindest laut Stundenplan in einer siebten Klasse befand. Tobi erklärte mir, dass Max und Paul ihn mobben und ihn die ganze Zeit mit Papierkügelchen bewerfen. Tim war ganz aufgelöst, weil man ihm angeblich seinen Stift geklaut hatte und außerdem habe Martin ihn geschlagen. Darauf rechtfertigte sich Martin, dass aber Tim angefangen habe. Das ginge jetzt aber zu weit, erklärte Tim, er müsse sich ja schließlich wehren, wenn ... ja, wenn... Ich hätte mir das ja alles angehört, wenn ich das nicht schon gefühlte tausend Mal mit viel Ruhe, pädagogischer Fürsorge und einem dicken, fetten Helfersyndrom gemacht hätte. Ehrlich, ich hab mir immer für diese Kleinigkeiten viel Zeit genommen und nach Kompromissen und Erklärungen gesucht. Doch diesmal platzte es aus mir heraus: "Das ist doch alles Kinderkacke! Darüber diskutiere ich nicht! Schluss!!!"
Freitag, 2. November 2012
Freitagsfüller Nr. 21
- Den 1. November hätte ich gern im Bett verbracht.
- Mit meinen dicken kuscheligen selbstgestrickten Socken habe ich fast immer warme Füße.
- Wenn ich in Amerika wählen dürfte, - gute Frage - darf ich aber nicht!
- Mal wieder ein paar Korrekturen muss ich als nächstes dringend erledigen.
- Draussen vor der Tür liegt ein Fußabstreicher.
- Eine schicke und stylische Stehlampe im Stile der Pusteblumen auf der Dresdner Prager Straße ist meine letzte Internet-Bestellung.
- Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein bisschen Ruhe, morgen
habe ichhat die Schulleitung Tag der Offenen Tür geplant und Sonntag möchte ich zum Cheese Berlin!
Montag, 29. Oktober 2012
Freitag, 26. Oktober 2012
Abenteuerspielplatz Bundeswehr
Der gestrige Ausflug liegt mir immer noch schwer im Magen und zudem fällt es mir schwer zu erklären, warum ich mich darauf eingelassen habe. Meine Klasse besuchte das Logistikbataillon der Bundeswehr. Wenn man Kritik übt, dann beginnt man doch immer mit dem positiven. Dann tue ich das doch auch. Am Morgen regnete es noch, doch später verzogen sich die Wolken und es blieb weitgehend trocken. Das Essen in der Bundeswehrkantine war richtig gut und der Tag war komplett für lau. Naja, finanziert von Steuergelder und somit letztendlich dann doch wiederum von unter anderem mir bezahlt.
Fällt das dann unter Negativ? Die Mädels und Jungs sollten sich doch einfach nur mal anschauen, wie die bei der Bundeswehr arbeiten und was die da so den ganzen Tag machen. Das Ganze selbstverständlich ganz unpolitisch und ohne die Absicht die Jugendlichen militarisieren zu wollen. Ich bin fast geneigt den Soldatinnen und Soldaten vor Ort zu glauben. Meine Bauchschmerzen kommen daher, dass da alles so schrecklich unkritisch ablief. Schließlich sind wir doch bei der Bundeswehr und ein Soldat sprach davon, dass sich die Bundeswehr zunehmend zu einer Einsatzarmee entwickelt. Aber was das genau bedeutet, wollte keiner wissen. Warum auch?!
Montag, 22. Oktober 2012
ungerecht
Mitten in meinem Geographieunterricht, völlig zusammenhanglos, stellte mir Erik aus der Zehnten folgende Frage: "Jetzt mal ganz ernsthaft! Finden Sie es nicht auch total ungerecht, dass die Mäuse bei Media Markt viel teurer sind als die bei Fressnapf?!"
mh... gute Frage!
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Orientierungslosigkeit
Eine meiner Ansicht nach schlichte geographische Aufgabe, die zum Aufwärmen, also laut didaktischer Klassifikation, zur Motivation gedacht war, führte mich nahezu in eine persönliche Sinnkrise. Um den lernwilligen und bis in die Haarspitzen motivierten Kinderchen einen groben Überblick über die physische Geographie der USA zu geben, bekamen die Lieben die gewöhnlich durchaus beliebte Aufgabe einen Lückentext auszufüllen. Dieser Text beschrieb eine kleine Rundreise durch die USA und sollte mit Hilfe des Atlasses ausgefüllt werden. Meiner Ansicht nach, die sich im Nachhinein mal wieder als völlig verquer herausstellen sollte, müsste dies doch für eine neunte Klasse ohne größere Probleme möglich sein.
Nach dem Austeilen der Arbeitsblätter lautete direkt mal die erste Aufforderung an mich, dass ich doch schon mal die Seitenzahl im Atlas nennen solle. Natürlich tat ich das nicht, denn es war doch klar, dass zur Lösung dieses Lückentextes eine Karte der USA brauchbar wäre. Nun zumindest für mich war das einleuchtend. Diese Ansicht ist allerdings natürlich ausgesprochen arrogant, schließlich hab ich das ja auch mehrere Jahre studiert.
Nun forderte ich die fleißigen Mäuschen auf, dass sie sich selbst eine Karte suchen sollten. Entsetzt, geradezu schockiert, rief Maja aus: "Was? Soll ich jetzt den ganzen Atlas durchblättern, um die passende Karte zu finden?" Trocken entgegnete ich nur, dass ich einer 9. Klasse nicht mehr erkläre, wie ein Atlas funktioniert, also so mit Inhaltsverzeichnis, Kartenübersicht und Register. So verdrehte Maja nur die Augen und begann doch durchaus leicht frustriert den Atlas von vorn nach hinten durchzublättern. Blöd nur, dass die Biester immer mit den ganzen detaillierten Deutschlandkarten beginnen. Das könnte nun noch ein wenig dauern.
Einige begannen schon zu schreiben und ich kontrollierte im Vorbeigehen, welche Karten aufgeschlagen wurden. Oh, dachte ich, wie schön, ich bin gespannt wie Mario die Gebirge in der historischen Karte der Bürgerkriege finden möchte. Nachdem er völlig geschafft mit dem Kopf auf die Tischplatte knallte, erklärte er mir, dass er keine Karten lesen könne. Ich erklärte ihm freundlich, dass er sich die falsche Karte ausgesucht hatte. "Aber, aber...", schnaufte er, "das ist doch eine USA-Karte." - "Ja, aber schau mal, die Karte hat doch einen Titel. Was steht denn hier?" - "Och, das ist doch Scheiße, ich wusste das ich das nicht kann." Und weil ich mit dem pädagogisch wertvoll - Stempel auf der Stirn rumlaufe, habe ich dem Jungen die richtige Karte gezeigt. Eine ähnliche Katastrophe erwartete mich bei Marc, der versuchte den Großen Salzsee auf der Weltkarte zu finden. Aber wie schon erwähnt, ich bin absolut pädagogisch wertvoll.
Noch blieb ich ruhig, aber als mich dann Mario, der zwar jetzt mit der richtigen Karte, aber schon wieder mit dem Kopf auf der Tischplatte signalisierte, dass er zu blöd sei und dass das alles Scheiße sei, schwante mir Böses. Der Junge fragte mich tatsächlich, was denn mit Gebirgszug gemeint sei. Fassungslosigkeit machte sich in mir breit. Wie erkläre ich Gebirgszug? Ähm, so irgendwie viele aneinander gereihte Berge und keine Eisenbahn in bergigen Gelände. Doch wer meint, dass sei schon alles, der irrt. Maja war schon wieder rasend und fast auf 180. Dann platzte sie direkt lauthals in den Unterricht hinein: "Und wo ist jetzt schon wieder Osten?" Ich schüttelte nur den Kopf und anstatt mit der Gegenfrage "Schämst du dich nicht?" oder "Tut Dummheit eigentlich weh? Ich weiß das ja nicht." zu kontern, blieb ich fast versteinert stehen. "Nein, ich erkläre dir nicht die Himmelsrichtungen." - "Na gut, wenn Sie mir nicht helfen, dann kann ich die Aufgabe nicht machen." Mittlerweile hätte ich mein pädagogisch wertvoll gern in die Tonne getreten oder im Clo runtergespült, aber ich blieb doch tatsächlich erstaunlich ruhig.
Bloß gut, dass mich noch keiner gefragt hat, wozu er später mal Karten lesen muss. Schließlich gibts doch Navis, GPS und gugl mäps.
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