Freitag, 20. Juni 2014

Ich liebe Sie (zum Zweiten) oder Milf

Heute hatte ich mal wieder so ganz normalen Unterricht, also eigentlich wie immer. Ich stehe oder sitze wahlweise ganz vorn und stelle Fragen. Manchmal referiere ich auch so vor mich hin, obwohl ich mich wirklich bemühe es zu vermeiden. Da fällt mir auf, dies wäre kein guter Satz in einem Arbeitszeugnis: "Sie hat sich bemüht."
Ich hab noch gar nicht richtig angefangen und schon schweife ich ab. Also ich erkläre gerade etwas Wichtiges, obwohl im Grunde eigentlich alles wichtig ist, was ich erkläre, aber dies war eben besonders wichtig. Da sehe ich aus den Augenwinkeln Dan und Konrad plaudern. Nachdem ich meine Ausführungen beendet habe, wende ich mich zu Dan und bitte ihn nochmals zu wiederholen, was ich eben erklärt habe. Ich erwarte, dass er stockt, stammelt oder sich vielleicht sogar dafür entschuldigt, dass er nicht zugehört hat und nicht weiß, wovon ich gerade gesprochen habe. Aber mittlerweile hab ich gelernt, dass dies ausgesprochen selten vorkommt. Und sollte es tatsächlich mal vorkommen, dann muss ich leider davon ausgehen, dass der Schüler es nicht erst meint. Aber heut hat mich mal wieder ein Schüler fast sprachlos gemacht. Denn Dan schaut mich direkt an, seine blauen Augen leuchten als könne ihn kein Wässerchen trüben: "Frau Dingens, ich liebe Sie." Ich bin total perplex und vermutlich steht mir der Mund vor lauter Staunen ein wenig offen. Nur ganz kurz muss ich nach Worten ringen, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass diese Worte an mein Ohr dringen. So antworte ich kurz und trocken: "Dan, ich hoffe, das war eine Wette und du bekommst Geld dafür." - "Nein." Ebenso kurz und trocken war Dans Antwort.

Samstag, 7. Juni 2014

Hausaufgaben und FDP

Wenn in einem Kurs von 16 Schülern nur zwei die Hausaufgaben gemacht haben, dann ist das doch offensichtlich ein verdammt mieser Schnitt. Es ist doch absolut nachvollziehbar, dass der Kollege ob dieser Nachlässigkeit, Faulheit und Ignoranz der Schüler mal so richtig wütend ist. Im Lehrerzimmer lässt er seiner schlechten Laune freien Lauf.
Doch Herr List, ein gaaanz ruhiger Typ, in sich ruhend, verschränkt die Arme vor seinem Bauch und lehnt sich erstmal entspannt zurück. Er beobachtet zunächst noch ein wenig den jungen und aufgebrachten Kollegen. Nach einigen Minuten spricht er ihn an und verblüfft mit folgender Rechnung: "Schau mal! Zwei von Sechzehn sind ein Achtel. Und das sind zwölf Prozent. Davon träumt die FDP."

Tataa! Das Comeback

Ich melde mich zurück in den viruellen Dschungel, um mich wieder in schöner Regelmäßigkeit schriftlich auszukotzen, vielleicht auch um euch auch ab und zu zum Lachen zu bringen und eben einfach wieder in die Tasten zu hauen. Manchmal braucht es eben auch eine Pause bis einen die Muse wieder küsst und die Wörter wieder aufs Papier oder naja eher auf den Bildschirm fließen. Nun fliegen meine Finger über die Tasten und es ist echt ein gutes Gefühl. Es ist das Gefühl wieder etwas zu sagen zu haben. Und ich glaube, ich hab euch, alle meine Leser irgendwie vermisst. Auch wenn ich die wenigsten persönlich kenne und sich die Rückmeldungen und Kommentare in Grenzen halten.

Die Rückkehr wurde mir allerdings von Gugl ein wenig erschwert, denn als ich mich anmelden wollte, unterstellte man mir, dass ich unbedingt bei Gugl plus anmelden sollte. Ich klickte mich also recht widerwillig durch. Überall nahm ich die voreingestellten Häkchen raus, in der Hoffnung am Ziel wieder auf meinen Blog zugreifen zu können. Nun bat mich Gugl plus meine Freunde hinzu zufügen, was ich wiederum verweigerte. Aber dann passierte das Unglaubliche. Ich bin durchaus ein wenig verärgert, dass ich von dieser Meldung keinen screenshot gemacht habe, denn Gugl plus meldete "Du bist ziemlich einsam." - Ich schrie in den Bildschirm meines Rechners "NEIN!!! Bin ich nicht." (Zum Glück sitz ich hier grad allein.)

Frechheit! Bodenlose! Wie kann sich so ein Konzern solche Kommentare anmaßen. Wenn draußen nicht die schönste Sonne scheinen würde, hätte ich jetzt wohl die mieseste Laune des Jahrzehnts. Ich und einsam... Danke Gugl!

Aber jetzt bin ich ja wieder hier. Alles wird gut!

Freitag, 14. Februar 2014

Plakat

In einer kreativen Gruppenarbeit fragt mich Tilly, ob ich mit der Arbeit zufrieden sei. Genauer gesagt, fragt er mich: "Frau Neumann, äh, tschuldigung, Frau Dingens, geht das so?" Ich liebe diese so präzise ausgefeilte Fragestellung, weil ich dann immer genau weiß, was die Schüler wissen wollen und ich kann daraufhin auch immer so präzise Hinweise geben. Auch wenn ich jetzt schon in Tateinheit mit Frau Neumann als gespaltene Persönlichkeit auftrete, kann ich nicht so recht antworten. Ich lege meine Hand ans Kinn und suche mit geschulten Kennerblick nach den richtigen Worten. Warum lernt man sowas eigentlich nicht schon in der Ausbildung?
Der nun doch schon als junger Mann zu bezeichnende Schüler schaut mich erwartungsvoll an. Ich kenne ihn lang genug um zu wissen, dass er schon mit einem uneingeschränkten Lob rechnet. Vermutlich auch aus diesem Grund muss ich ein bisschen nach Luft ringen. Tilly beginnt zu erklären. Ich entgegne ihm ruhig, dass ich weiß, dass es sich bei seiner Darstellung um eine Karikatur handeln soll. Weiter erkläre ich, dass eine Karikatur nicht funktioniert, wenn sie erst ausführlich erklärt werden muss. Das wisse er natürlich und schüttelt dabei den Kopf. Wahrscheinlich denkt er gerade, dass ich völlig inkompetent sei. Das macht aber nichts, denn da steh ich drüber, weil ich hab meinen Hochschulabschluss schon. Er nicht!
So gehe ich nochmal in mich, lege die Stirn in Falten und schinde Zeit für eine richtig gute pädagogisch wertvolle und diplomatische Antwort. So sage ich: "Ich finde deine Idee wirklich gut. Du bist wirklich kreativ. Aber du musst das plakativer machen!" - "WAS? Ich soll noch ein Plakat machen?!"

Jetzt muss ich dem Jungen noch erklären, was plakativ heißt. Das tue ich auch, aber nicht hier...

Freitag, 31. Januar 2014

Winterferien

Der heutige Vertretungsplan war nicht nur sehr bunt, sondern offenbarte auch die tatsächliche Länge der Ferien, nämlich genau von 12:20 - 13:50. Außerdem hatte keiner, also wirklich keiner, noch nicht mal so ein vorwitziger Schüler bemerkt, dass das falsche Datum auf dem Plan stand. 

Ach, ist ja auch egal, Hauptsache Ferien!


Donnerstag, 30. Januar 2014

War Lance Armstrong auf dem Mond?

Neulich fragte mich der Phil ganz aufgeregt, ob ich denn glaube, dass Lance Armstrong tatsächlich auf dem Mond gewesen sei. Seine blauen Augen leuchteten, so versuchte ich ihn mit seiner Frage ernst zu nehmen, da ich davon ausging, dass der Junge wirklich Interesse an dieser Geschichte hatte. Nur fiel es mir schwer die Fassung zu wahren, denn irgendwie haut das mit dem Namen ja nicht so ganz hin. Natürlich war mir klar, worauf er hinaus wollte. Schließlich kenne ich diese Verschwörungstheorie, dass die Amerikaner die Mondlandung angeblich nur im Studio inszeniert haben sollen. Allerdings hatte ich keine Lust mich dazu zu äußern, da mir das auch irgendwie egal ist.

Doch bevor ich Phil zunächst auf den falschen Namen hinweisen konnte, gesellte sich Daniel zu uns und merkte an, in Denkerpose mit der Hand am Kinn: "Aber, Frau Dingens, aber war das nicht Louis Armstrong. Lance war doch so ein Jazzmusiker." Ich musste tief durchatmen und konnte kaum noch an mich halten. Mir liefen schon fast die Tränen. Marten, den ich aus den Augenwinkeln beobachten konnte, hatte vor Lachen schon einen hochroten Kopf und erklärte, dass Lance mit dem Fahrrad sicherlich länger bis zum Mond gebraucht hätte, aber mit entsprechenden Doping wäre es sicherlich möglich. Jetzt brach zunächst meine ruhige Fassade und dann auch in lautes Gelächter aus. Ich rang nun wie Marten nach Luft. Und irgendwie war das jetzt so ein Insider-Ding zwischen Marten und mir. Phil stand immer noch mit seiner Frage und nun dazu noch völlig hilflos in einer Gruppe weiterer Schüler, die alle keine Ahnung hatten, worum es ging. Nach einer Weile bekam nun auch Marten wieder Luft und sortierte dann fachkundig die Namen. Daniel rieb sich das Kinn und nickte wissend: "Ja. Stimmt. Neil Armstrong war der auf dem Mond..."

Dienstag, 21. Januar 2014

Säue und Wölfe

Was bedeutet Wolf im Schafspelz?
Na, das ist doch wie die kleinen, putzigen Hunde, die so kleine Jäckchen anhaben.

Kennt ihr den Ausspruch "Perlen vor die Säue"?
Aber, das stimmt doch gar nicht! Säue fressen doch gar keine Perlen!

...

Stimmt! Aber wie erklärt man Siebtklässlern, was eine Metapher, also ein sogenanntes "sprachliches Bild" ist. Schließlich haben die Kleinen doch blitzschnell erkannt, dass das doch gar nicht geht, also Sprache und Bild. Bilder malt man mit Stiften oder mit Pinsel und Farbe. Bilder hängt man sich außerdem an die Wand. Aber was sollen dann bitteschön sprachliche Bilder sein und was macht man mit denen?