Mittwoch, 15. Juni 2011

Flitzer auf'm Hof

Die Sonne stand hoch über dem Schulhof. Es war große Mittagspause und ich hatte leider Aufsicht. Pausenaufsicht kann insgesamt recht entspannt sein, aber noch entspannter könnten Pausen ohne Aufsicht sein und zwar wenn man die Pause ohne Schüler mit den Kollegen verbringen kann. Doch irgendwann ist jeder mal dran oder besser gesagt, regelmäßig ist jeder mal dran. Im Grunde sind Pausenaufsichten völlig unspektakulär. Die Achtklässler pisacken die Siebtklässler. Ein paar Jungs spielen mit Steinen oder Papier Fußball. Die Neuntklässler drücken sich in irgendwelchen Ecken rum, um illegalerweise auch mal auf dem Schulhof zu rauchen und die Zehntklässer sind sowieso die Coolsten und ja eh' bald weg. Es war ganz entspannt, ich unterhielt mich mit ein paar Schülerinnen. Einige Schüler machten ein paar kleine Scherze mit mir und versuchten mich ebenfalls in Gespräche zu verwickeln.

Mir schwante schon Böses als Jan quer über den Hof lief und mich angrinste. Jan gehört zu den Schülern, die einfach nur nerven. Er ist vorlaut, frech und ein wenig dumm. Allerdings hält er sich für unglaublich cool und überschätzt sich damit maßlos. Jetzt stand Jan etwa 10 m von mir entfernt und hatte die Hand an seiner Gürtelschlaufe. Ich schüttelte den Kopf und rief: "Oh nein, Jan, lass es." Er bebte. Ich konnte nur ahnen, was er vorhatte, aber ich hätte nie daran geglaubt, dass er tatsächlich auf dem vollen Schulhof die Hose runterlässt. Hier musste es um einen unglaublichen Wetteinsatz gehen! Doch dann drehte Jan ab, ging an mir vorbei ohne einen Blick und verschwand hinter meinem Rücken. Aber nur um wenige Sekunden später mit bereits geöffneten Gürtel und seinem bestem Kumpel siegessicher an mir vorbeizuziehen. Wie gelähmt schaute ich auf die beiden Jungs. Ich hatte schon ein wenig Angst, denn ich traute Jan alles zu. Alles, außer gute Noten! Jan wand sich. "Ich mach es nicht! Ich mach es nicht" Doch dann geschah das Unfassbare. Jan ließ die Hosen runter und rannte über den Schulhof. Das heißt, er versuchte es, wie man eben so mit runtergelassenen Hosen rennen kann. Ehe ich auch nur zu glauben wagte, was ich da sah, schlug Jan der Länge nach hin. Ich schüttelte den Kopf und das Einzige, was mir an dieser Stelle einfiel war: "Hoffentlich hat das richtig weh getan!"

Fassungslose Gesichter um mich herum. Maurice schaute mich mit großen Augen an. "Hätten Sie gedacht, dass er das wirklich macht? Hätten Sie ihm das zugetraut?" Leise, fast tonlos glitt über meine Lippen: "Jan traue ich fast alles zu." Dann schrie ich aus: "Verdammt, warum hab ich eigentlich meine Kamera nicht dabei gehabt!" Ich ging herum und fragte, ob das denn jemand gefilmt hätte. Schließlich haben doch alle Telefone dabei. Doch keiner hatte weder Foto noch Film gemacht und ich weiß gar nicht genau, ob ich nun "Schade" oder "Gottseidank" sagen soll...

Jan saß jetzt auf einer Bank. Ein wenig geknickt wirkte er schon, das dachte ich zumindest, aber sicher bin ich mir nicht. Ein strahlender Held sieht aber definitiv anders aus. Das Kinn, die Knie und die Hände aufgeschlagen. Ein Mädchen, das neben ihm saß, reinigte seine Wunden mit einem Taschentuch und kümmerte sich ganz liebevoll um ihn. Ist es verwerflich, dass ich in diesem Moment kein bisschen Mitleid mit Jan hatte? Ich zögerte ein wenig, aber ich entschied für mich, dass ich jetzt nicht auf ihn zugehen sollte, um zu fragen, ob er Hilfe braucht. Offen gestanden wäre es mir jetzt doch auch ein wenig peinlich gewesen, ihm in die Augen zu schauen. Schließlich hatte er wenige Sekunden vorher der ganzen Schule sein Geschlechtsteil präsentiert. Währenddessen begann ein Schüler eine Liste aufzustellen und seine Mitschüler zu fragen, ob sie Jan für diese kleine Pausenshoweinlage Geld geben möchte. Viele öffneten ihre Geldbörse und gaben Geld. In der nächsten Stunde fragte mich der Geldsammler, ob ich auch was geben wolle, schließlich hätte ich doch auch meinen Spaß gehabt. Ich schüttelte den Kopf und herrschte ihn an, ob er denn tatsächlich glauben würde, dass ich für sowas auch noch Geld geben würde. Er zog ab. Aber nicht ohne mir noch mit einer stolzen Geste unter die Nase zu reiben, dass Jan damit eben mal 40Euro verdient hätte.

Am nächsten Tag hab ich mich noch mit Michi darüber unterhalten. Der Neuntklässer sagte er mir nur, dass alle Schüler Jan doch letztendlich nur ausgelacht haben. Er hält die Aktion und Jan überhaupt für voll peinlich. Ich entgegnete: "Aber Jan hält sich doch jetzt für den King und den Allercoolsten überhaupt!" Michi schüttelte nur den Kopf: "Ne, ne! Der Typ ist überhaupt nicht cool. Das können Sie vergessen! Wir haben ihn doch alle ausgelacht. Ich bin froh, dass ich mit dem sonst so nichts weiter zu tun habe..."

Mittwoch, 1. Juni 2011

Das Glück der Anderen

Man will nicht nur glücklich sein, 
sondern glücklicher als die anderen. 
Und das ist deshalb so schwer,
weil wir die anderen für glücklicher halten
als sie sind.

You don't want to be only happy,
but you want to be happier than the other.
And that's so hard,
because you think the other are happier
than they really are.

Charles de Montesquieu

Freitag, 20. Mai 2011

Der Goldene Windbeutel 2011

Der Goldene Windbeutel 2011: "foodwatch verleiht zum dritten Mal den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge. Sie entscheiden, wer die unrühmliche Trophäe bekommt. Jetzt abstimmen!"

Donnerstag, 19. Mai 2011

Adolf Hitler - privat

Besonders interessante Einblicke lieferte mir heut ein Schüler, der seine Facharbeit verteidigte. Er wollte unbedingt über Adolf Hitler schreiben, so bekam der junge Mann auch sein Thema. Leider enttäuschte die Arbeit sehr und zwar nicht nur mich, sondern auch die Mitschüler, die mir zu verstehen gaben, dass sie die Verteidigung wirklich langweilig fanden. Doch um die Sache etwas aufzulockern, baute der Referent gekonnt (oder war es etwa unfreiwillig?) Comedy-Elemente ein. Also Humor hat der Tony schon...

Tony erklärte uns, dass Adolf Hitler im ersten Weltkrieg ein kleiner Feldbote war und den Soldaten die Briefe brachte. Also war Hitler "quasi der Neger" der Soldaten, weil er diese Botentätigkeit ausführte. Eine Mitschülerin fragte eben nochmal nach, was denn überhaupt so ein Feldbote sei. Sie bekam entsprechende Erklärung von Tony: "Na, heute gibt es die Deutsche Post und früher hat das halt der Adolf gemacht!"

Gut, dass wir das jetzt endlich wissen!

Dienstag, 12. April 2011

Unfug

An allem Unfug, der passiert, 
sind nicht etwa nur die schuld, 
die ihn tun, 
sondern auch die, 
die ihn nicht verhindern.

All nonsense that happens 
are not only the one guilty 
who do it 
but even those 
that did not stop.

Erich Kästner

Sonntag, 10. April 2011

Feiern und ausschlafen

Meine Mutter meinte immer, wer feiern kann wie die Großen, kann auch früh aufstehen. Ich war da allerdings schon immer anderer Meinung! 



Montag, 4. April 2011

Solche und solche und solche Eltern

Schüler sind schon eine ausgesprochen merkwürdige Spezies, vor allem wenn sie von unzähligen Hormonen gebeutelt, mitten in der Pubertät stecken. Doch im Gegensatz zu Eltern sind Schüler doch meist harmlos.

Es gibt unterschiedliche Kategorien von Eltern. Am liebsten sind mir dabei die Entspannten, die ihr Kind zwar schützen, hegen und pflegen, aber im Allgemeinen doch laufen lassen. Eltern, die ihre Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, sind meiner Ansicht nach die besten Gesprächs- und Kooperationspartner an der Schulfront. Vor allem mischen sich solche Eltern nicht in meinen Job ein  und sind auch nicht der Ansicht, mir erklären zu müssen, wie der Hase im pädagogischen Fach so läuft. Ich würde schließlich auch nie auf die Idee kommen, einen Klempner oder einen Bäcker oder auch einen Gehirnchirugen mal eben zur Seite zu nehmen und zu erklären, dass er von seinem Handwerk keine Ahnung hat. Oder gar ganz offensiv formulieren, dass ich auf meinem Posten völlig fehlbesetzt sei, weil Töchterchen oder Sohnemann zu Haus dies oder das erzählt hat. Meine Chefin sagt immer, in unseren  Job reden immer nur zwei Leute rein: und zwar Hinz und Kunz! Und wo sie ausnahmsweise mal recht hat, da hat sie uneingeschränkt recht.

So musste ich mich mit Eltern auseinandersetzen, die vermutlich kein anderes Hobby haben außer sich um ihren Jungen zu kümmern. Es könne doch nicht sein, dass der Junge mit seiner Dies-, seiner Dings- und seiner was auch immer -kalkulie nicht die entsprechende Aufmerksamkeit erhält. Diese Eltern haben uns doch tatsächlich mehrfach unterstellt, dass wir unseren Job nicht richtig machen. Der Gedanke, dass ihr Junge unter Umständen parteiisch sein könnte, ist auch ohnehin völlig aus der Luft gegriffen. Es wäre geradezu skandalös zu erwarten, dass der Junge sich aufmerksam am Unterricht beteiligt, die Initiative ergreift und - welch freche Forderung - auch mal den Mund aufkriegt und zwar nicht zum Quatschen mit dem Nachbarn, sondern um etwas konstruktiv zum Unterricht beizutragen. Aber der arme Junge... Und wir sollten doch endlich mal Rücksicht nehmen! Worauf eigentlich? Dass er am Wochenende zu viel getrunken hat und deshalb noch völlig übernächtigt ist? Dass er davon zu gestresst ist, mit seinen teuren Markenklamotten zu prahlen? Oder dass er grad mal wieder keinen Bock hatte, die Grundlagen zu lernen?

Aber glücklicherweise habe ich im Moment das Gefühl, dass der Anteil der entspannten Eltern wesentlich höher ist. Doch eine weitere Kategorie von Eltern hab ich noch vergessen. Und zwar die, denen es egal ist, was ihr Kind macht... Und die sind dann letztendlich doch die unangenehmensten!