Sonntag, 16. Juli 2017

„Oh, das ist jetzt aber blöd.“

Eine Szene wie aus Ladykracher. Das Setting: Klassenfahrt. Es ist kurz nach Mitternacht und ich wäre dabei Anke Engelke, die sich mit verschränkten Armen und bösem Blick vor einem Schüler aufbaut, der sich gerade aus der dritten Etage zu den Mädels nach unten schleichen möchte. Der junge Mann steht da barfuß, in Shorts und T – Shirt. Die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich ihn dabei ertappe, dass er eine gute Stunde nach Beginn der Nachtruhe sein Zimmer verlässt.

Aus dem Unterricht kenne ich ihn äußerst spontan und reaktionsschnell, um nicht zu sagen frech und durchaus auch vorlaut. Nach einer Schrecksekunde stellt er dann trocken fest: „Oh, das ist jetzt aber blöd. Ich geh dann mal wieder.“ So dreht er sich um und verschwindet treppauf. Ich grinse in mich hinein und sag leise: „Ja, dann mach das mal…“

Schnitt

Dann berichte ich meiner Kollegin davon und uns schüttelt ein heftiger Lachflash mit Tränen in den Augen. Wir sind uns einig. Klassenfahrt fetzt!

Freitag, 5. Mai 2017

Ohne Worte spricht mein Körper

Vor ein paar Tagen war ich im Ausland unterwegs. Spazierenderweise genoß ich die Sonne und den Park. Vor mir lief eine kleine Gruppe, vermutlich ein Vater mit seinen beiden Jungs. Die Jungs hatten Papier in den Händen. Bloß gut, dass auch gerade ein Mülleimerauf dem Weg rumstand. Naja, im Grunde stand da ja alle paar Meter einer. Glücklicherweise war das in dem Fall so. Normalerweise kenne ich das eher so, dass man eben keinen Mülleimer findet, wenn man einen braucht. Aber von fehlenden Mülleimern möchte ich heute nicht berichten. Vielleicht, bei Bedarf ein anderes Mal...

Also die Jungs waren durchaus bemüht ihren Müll im besagten Mülleimer zu entsorgen. Nur wer kennt das Problem nicht. Das Papier klebt an den Fingern oder man hat die Flugbahn des Papiers falsch berechnet oder man schüttelt das Papier so locker aus dem Handgelenk, um wenigstens den Anschein zu erwecken, dass man ja das Papier auch wirklich in den Papierkorb werfen möchte. Keiner will ja als Umweltschwein gelten und selbstverständlich entsorgen wir unseren Müll im entsprechenden Behälter. Gerade wir Deutsche sind ja ganz vorne dabei, was Müll sortieren angeht. Die Jungs also schütteln so locker - flockig ihr Papier aus dem Handgelenk und es landet direkt neben dem Papierkorb. Der Jüngere schaut fragend zu dem Älteren hoch. Der Ältere zuckt mit den Achseln und entgegnet in einer Sprache, die ich weder spreche, geschweigedenn kenne, vermutlich etwas wie "Dumm gelaufen" oder "Pech".

Montag, 14. November 2016

Sonntag, 27. März 2016

Bela B. fährt Bus

Gestern war ich mit mal wieder mit dem Bus unterwegs. Ich stand an der Haltestelle und fummelte so an meinem Kopfhörern rum. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass der Bus die Haltestelle ansteuert und ich traute meinen Augen kaum. Mein erster Gedanke war: "Der kleine Bruder von Bela B. fährt im Erzgebirge Bus. Obwohl es könnte auch sein Sohn sein."
Doch bevor ich die Geschichte erzähle, spielen wir doch mal das beliebte Spiel mit den Vorurteilen. Öffnet jetzt mal die Schublade, auf der "Busfahrer" steht. Bei mir jedenfalls ist da ein älterer Herr drin, bei dem das Diensthemd ein klein wenig über dem Bauch spannt und die graue Strickjacke, die er trägt, ist schon ein bisschen abgeschubbert. Diplomatisch formuliert hat das mit Sicherheit bequeme Kleidungsstück seine besten Jahre hinter sich. Der Herr ist schon grau und die Haare sind dünn. 
Souverän, wenn auch lustlos manövriert er den Bus auch durch die engsten Kurven. An dieser Stelle fallen mir noch die bösen Seitenhiebe eines LKW-Fahrers ein, der behauptete, dass Busfahrer nur geradeaus fahren könnten. Vermutlich ist das auch so ein formschönes Vorurteil. Als Fahrgast wartet man vergeblich auf eine Reaktion, wenn man den Bus betritt. Kommunikation ist auch überbewertet. So erhält man wortlos seinen Fahrschein, denn der Herr kennt natürlich das gesamte Tarifangebot aus dem Efef. Vermutlich sogar aus den vergangenen zwanzig Jahren.

Freitag, 29. Januar 2016

Verschwinden

Nachdem ich mich schon vor einiger Zeit - huch - es sind doch tatsächlich schon mehr als fünf Jahre als Lehrer geoutet habe, offenbare ich hier nun eine Leidenschaft aus meinem Privatleben. Ich spiele nämlich seit einem Jahr Theater. Viele mögen jetzt vielleicht der Meinung sein, dass ich das gar nicht bräuchte, denn schließlich hab ich ja schon beruflich den ganzen Tag Theater. Das mag wohl in gewisser Weise schon richtig sein, aber die Stücke, die meine Schülerleinchen so abliefern, sind meist nicht ganz so gut und der Unterhaltungswert hält sich nicht immer, aber meist auch in Grenzen. Außerdem muss ich beruflich immer die Rolle "Lehrer" geben, auch wenn die durchaus sehr abwechslungsreich sein kann, war ich auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

So landete ich also beim Theater. Diese Rolle, die mir zugeteilt wurde, war nun wirklich nicht für mich geschrieben, wohl eher im Gegenteil und verlangte einiges von mir. Doch nach und nach hab ich mich mit diesem fiesen Typen, den ich darstellen muss, angefreundet. Ich bin im Alltag nämlich recht selten, also eher gar nicht fies. (Naja außer manchmal zu Schülern, wenn sie keine Hausaufgaben machen oder mir nicht zuhören.) Doch mittlerweile macht mir diese Rolle sogar richtig Spaß. Ich muss gestehen, so ein bisschen Fiessein fetzt.
Die Premiere war aufregend. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Es war wirklich eine krasse Erfahrung. Doch nach dem dritten oder vierten Auftritt war es echt schwer die Konzentration zu behalten. Zwischen meinen Auftritten saß ich also mit meinen Schauspielkollegen hinter der Bühne. Wir müssen uns ja leise verhalten, damit wir das Stück vorn auf der Bühne nicht stören und auch das Publikum nicht ablenken. Somit fallen Gespräche schon mal aus. Es bleibt leises Getuschel, das uns ab und an ein wenig die Zeit vertreibt. Manchmal wird mit dem Händi gespielt. Doch letztendlich sitzen wir alle auf Stühlen und warten auf unseren nächsten Auftritt.
Ich gähne. Ich bin echt müde und mir ist wirklich langweilig. Es ist also keine Überraschung, dass ich nochmals gähne. Und nochmal. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mir schrecklich langweilig ist? Ich gähne schon wieder sehr herzhaft. Meine Schauspielkollegin schaut mich ernst an und fragt nur kurz: "Langweilig?" Ich reiße die Augen auf. Ich bin irritiert und denke nur: "Ja klar und wie!" Dann fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu: "Dann geh doch!" 

Der Gag saß. Ich wollte lachen, aber ihr wisst schon, wir sitzen immer noch hinter der Bühne und das Stück ist noch lange nicht zu Ende.

Freitag, 15. Januar 2016

Freitagsfüller Nr. 30

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  1. Die Schnelligkeit  war noch nie meins.
  2. Ist doch Jacke wie Hose, könnte auch andersrum sein.
  3. Ich war im - das spielt doch keine Rolle. Es zählt nur das Hier und Jetzt.
  4. Das eine oder andere Paar Schuhe steht unten im Kleiderschrank.
  5. Ich muss unbedingt mal wieder Knutschen im Kino sehen.
  6. Ich mag es, wenn in der dunklen Jahreszeit Kerzen auf meinem Tisch stehen.
  7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Ruhe und Entspannung morgen habe ich  einen Shiatsu-Kurs geplant und Sonntag möchte ich mit meinem Schatz auf der Couch kuscheln!

 Freitagsfüller # 352, gefunden bei Barbara 

Montag, 23. November 2015

Die Jugend von heute ist besser als ihr Ruf

Heute morgen musste ich mal wieder Bus fahren. Bedauerlicherweise, denn meine ausgesprochen sympathische und sonst äußerst zuverlässige Mitfahrgelegenheit war heute unpässlich. 

Ich betrat den Bus. Der Busfahrer freute sich auch mich mal wieder zu sehen. Dann begann das alte Spiel und ich suchte mir einen Sitzplatz. Das erwies sich anfänglich als ein etwas schwierigeres Unterfangen, denn der Bus schien voll besetzt zu sein. In erster Linie zwar von Schülern, aber in zweiter Linie von Taschen, Rucksäcken und dicken Winterjacken. Als ich dann ganz hinten im Bus angekommen war, machte sich der Frust in mir breit: So ein Mist, so früh, kalt draußen und noch nicht mal ein Sitzplatz. Doch dann räumte eine freundliche, aber sehr ruhige Achtklässlerin Jacke und Tasche vom Platz neben sich und ich konnte mich setzen. Ich schloss die Augen, stöpselte mir die Kopfhörer ein und startete die Musik. Nichts hören und nichts sehen - das wünschte ich mir. Ich erwartete eine ruhige Fahrt, in der die Schülerbande um mich herum auch nur Musik hört oder irgendwie halbherzig noch irgendwelche Vokabeln lernt.