Freitag, 25. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
Busgeschichten
Heut war mal wieder Busfahrtag. Ich begebe mich nun mal wieder gemächlichen Schrittes zur Bushaltestelle. Alles wie gehabt. Nur an diesem Morgen traute ich meine Augen kaum. Einige hundert Meter entfernt stand ein Junge und ich wunderte mich, weil mich das merkwürdige Gefühl beschlich, dass ich den Jungen kennen sollte. Natürlich müssen etliche meiner Schüler auch zu dieser Haltestelle. Doch warum sollte da plötzlich einer meiner Schützlinge an der Straße auf mich warten. Doch nicht etwa um ein paar Meter mit mir zur Haltestelle zu laufen?
Ich runzelte die Stirn und glaubte meinen Augen kaum. Das muss doch der kleine Schuster sein, der mich mit seinem rotzigen Verhalten im Unterricht schrecklich nervt. Der immer, wenn ich ihn ermahne, seine blauen Kulleräugchen aufreißt und den Unschuldsengel gibt. Das hat der Kleine echt gut drauf, denn er ist verflixt knuffig. Anfangs funktionierte die Masche bei ihm noch echt gut, aber das wächst sich ja glücklicherweise mit Zeit ziemlich schnell raus.
Wie mir noch so diese Gedanken durch den Kopf kreisen und ich dem Jungen immer näher komme, wird das Bild deutlicher. Nein, es ist tatsächlich der kleine Schuster, der mich frech angrinst. Er tippt auf seine Uhr und brüllt quer über die Straße "Für die paar Meter mehr als drei Minuten. Sie sind ja wirklich langsam." Verdutzt überquere ich die Straße und trau mich nicht einmal zu fragen, wie er denn auf die Idee gekommen sei auf mich zu warten. Im Grunde denke ich nur mal wieder bei mit "Ne, wie süß! Isser nich knuffig!" Wir gehen die wenigen Meter gemeinsam zur Bushaltestelle und unterhalten uns übers viel zu frühe Aufstehen.
Kurz nachdem wir die Bushaltestelle erreicht haben, verdrückt er sich ohne einen Blick zu seinen Klassenkameraden und ich wundere mich immer noch. Da hat doch der kleine Schuster tatsächlich auf mich gewartet. Isser nicht knuffig!
Nach Unterrichtsschluss steige ich wieder in den Bus. Neben mir ist noch ein Platz frei. Normalerweise machen die Lieben da keinen Terz mehr und setzen sich einfach neben mich. Doch da kommt Marek, grinst mich frech von der Seite an und brüllt durch den ganzen Bus: "Ey, Dingelchen, kann ich hier mal hin?" - Ich stutze. Da muss ich mich wohl verhört haben. Jetzt muss ich wohl doch nochmal die böse, strenge Lehrerin raushängen lassen. Mit einem harten Blick fahre ich ihn scharf an. "Vergiss es! Und schon erst recht nicht in diesem Ton!" Leicht verschämt und mit entschuldigender Geste fragt er nun: "Ja, schon gut, entschuldigen Sie, Frau Dingens, darf ich mich hier hinsetzen?" Ich nehme meine Tasche vom Sitz, nicke nur huldvoll und er setzt sich.
Doch plötzlich dröhnt die tiefe Stimme von einem unseren zahlreichen Mäxe aus der Zehnten durch den Bus. "Ey, Daniel, schau mal, hier drüben! Der Kleine hier aus der Siebten macht sich an deine Freundin ran!" Ich grinse mir einen ab, packe mir meine Kopfhörer mit schön laut Musik auf die Ohren und denke mir meinen Teil. Man muss auch nicht immer alles kommentieren!
Freitag, 18. Mai 2012
Der Junge mit dem Fahrrad
Voller tiefer Emotionen und bewegt verließ ich gestern das Kino. Ich hatte schon ein wenig darauf gehofft,dass der Film, den ich mir spontan aus dem örtlichen Kinoprogramm fischte, nur ein klitzekleinwenig leichtere Kost ist. Doch das Gegenteil war Fall. Dieser französische Film (OT: Le gamin au vélo) liegt mir immer noch schwer auf der Seele.
Doch bei genauerer Betrachtung der Geschichte ist dies auch nicht verwunderlich. Kritiker würden mir vielleicht entgegen, dass ich mich mal hätte vorher besser informiert sollen. Dann wär mir das alles nicht passiert. Richtig! Doch wo kämen wir denn hin, wenn wir immer gleich alles erstmal googlen, einen oberflächlichen Blick auf ein Filmchen oder ein paar Beurteilungen werfen und uns immer auf die Meinung anderer verlassen würden. Hin und wieder sollte man sich doch ein eigenes Bild machen, das eigene Gehirn verwenden und sich eine eigene Meinung bilden.
Montag, 14. Mai 2012
Ein Hinweis
Die Zehntklässler machen Abschlussshirts und in der Mitteilung an den Laden, der die Shirts druckt, stand folgendes:
Bloß gut, dass die keine Deutsch-Prüfung mehr haben. Oder so...
das die namen unter einander aufgelistet werden. In der selben rein folge auflisten
Bloß gut, dass die keine Deutsch-Prüfung mehr haben. Oder so...
Freitag, 4. Mai 2012
Wo liegt eigentlich Japan?
Diese wirklich einfache Frage gab wirklich interessante Einblicke in das topographische Verständnis meiner Schüler. Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Japan und China im Grunde doch dasselbe sind. Warum sollte man dann auch nicht "China" zu "Japan" sagen, denn die sehen doch da hinten eh' alle gleich aus. Dann ist Japan ja bekanntermaßen eine Halbinsel, die an der Küste liegt und zwar direkt neben Asien, so südöstlich von Deutschland. Oder Japan liegt in China. Vielleicht findet sich Japan ja auch unten rechts neben Russland am Meer.
Neben diesen interessanten Neuigkeiten berechnete eine Schülerin auch die Nord-Süd-Ausdehnung des afrikanischen Kontinents, welches die stolze Summe von 720.000.000km ergab. (Das entspricht etwa der Entfernung des Jupiters zur Sonne. Aber ich weiß schon, ich bin mal wieder viel zu kleinlich.)
Dienstag, 1. Mai 2012
Hexenfeuer
Früher war alles besser, selbst so ein lausiges Feuer. Am 30. April wird Walpurgisnacht gefeiert und die Winter-Hexe verbrannt. So stand ich nun mit lieben Menschen um das gestrige Feuer herum und stellte ziemlich schnell fest "Es ist langweilig!" - "Genau" erwiderte mein Gegenüber, "und früher hat das außerdem alles viel mehr gefetzt."
Genau, früher mussten wir noch harte Verhandlungen mit unseren Eltern führen, damit wir Abends länger draußen bleiben durften und nicht schon mit Mutti und Vati nach Hause gehen mussten. Heute ist es egal, wann wir nach Hause gehen. Es war aufregend sich mit Freunden am Feuer zu treffen. Vielleicht traf man ja gar den süßesten Jungen der ganzen Schule, den man natürlich nicht ansprach, sondern nur von weitem anschmachtete. Heute hatte ich das Gefühl, hier hängen nur besoffene Penner ab. Natürlich reizte man früher die Ausgehzeit bis zur letzten Minute aus. Naja, ich überzog auch immer gern ein bisschen. Schließlich war es ja dunkel und man konnte doch die Zahlen auf der Uhr so schlecht erkennen. Aber es war gefährlich all zu lang zu überziehen, denn am Ersten Mai hieß es früh raus zum Aufmarschieren. 8 Uhr war Stellprobe und wenn man dann am Abend vorher zu spät ins Bett kam, erwies sich das morgendliche Weckerklingeln möglicherweise mehr als unerfreulich. Aber ich war damals noch jung genug, um das Aufmarschieren am Ersten Mai mit all den Plakaten und Blumen, die die Kleinen gebastelt haben, aufregend zu finden.
Genau, früher mussten wir noch harte Verhandlungen mit unseren Eltern führen, damit wir Abends länger draußen bleiben durften und nicht schon mit Mutti und Vati nach Hause gehen mussten. Heute ist es egal, wann wir nach Hause gehen. Es war aufregend sich mit Freunden am Feuer zu treffen. Vielleicht traf man ja gar den süßesten Jungen der ganzen Schule, den man natürlich nicht ansprach, sondern nur von weitem anschmachtete. Heute hatte ich das Gefühl, hier hängen nur besoffene Penner ab. Natürlich reizte man früher die Ausgehzeit bis zur letzten Minute aus. Naja, ich überzog auch immer gern ein bisschen. Schließlich war es ja dunkel und man konnte doch die Zahlen auf der Uhr so schlecht erkennen. Aber es war gefährlich all zu lang zu überziehen, denn am Ersten Mai hieß es früh raus zum Aufmarschieren. 8 Uhr war Stellprobe und wenn man dann am Abend vorher zu spät ins Bett kam, erwies sich das morgendliche Weckerklingeln möglicherweise mehr als unerfreulich. Aber ich war damals noch jung genug, um das Aufmarschieren am Ersten Mai mit all den Plakaten und Blumen, die die Kleinen gebastelt haben, aufregend zu finden.
Im Grunde bin ich doch ganz froh, dass ich heut nicht mehr zum Ersten Mai raus muss und im Fernsehen auf allen ZWEI Programmen die große Parade aus Berlin übertragen wurde. Vielleicht war ja früher doch nicht alles besser...
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