Freitag, 14. Dezember 2012

Balzverhalten pubertierender Kleinstädter im ÖPNV

Heute morgen war es kalt und ich musste mal wieder Bus fahren. Gut, schon nicht mehr ganz so kalt wie noch vor ein paar Tagen, aber die Temperaturen lagen immer noch deutlich unter Null. Da verwunderte mich zunächst nur das Outfit mancher Schüler. Zwischen aufgetürmten Schneehaufen und auf gefrorenen Flächen standen ein paar Mädels mit Stoffschuhen, die ja bekanntlich meist nur über eine dünne Gummisohle verfügen. Ich hatte zwei paar dicke Socken in meinen dicken Schuhen und hatte trotzdem kalte Füße. Naja, aber die Hauptsache ist doch, dass das Styling stimmt und Hauptsache Konfers. Das dachte ich mir dann auch als ich Sonja aus der Achten in der Schülermeute entdeckte, denn sie trug bei etwa minus fünf Grad nicht nur eben erwähnte Stoffschuhe, sondern auch die Jacke offen.
Es verwunderte mich dann noch viel mehr, dass Sonja im Bus auch noch ihren breiten Loop-Schal ablegte, der bis dahin ihr großzügiges Dekolletee verdeckte. Vermutlich tat sie das, um sicher zu stellen, dass auch alle genau sehen können, was sie unter ihrem weißen, sehr engen und auch ein wenig durchsichtigem Shirt im Feinripp-Männer-Unterhemd-Stil trug. Verwundert war ich nicht nur, weil es, wie bereits erwähnt, ziemlich kalt war, sondern weil ich Sonja bis dato für ein intelligentes Mädchen gehalten habe, das nicht mit ihren beiden Argumenten in der Bluse trumpfen muss. Aber egal! Die 68er sind doch auch für sexuelle Freiheit auf die Straße gegangen und haben ihre BHs verbrannt. Leider steckt nun hinter Sonjas Offenherzigkeit sicherlich keine politische Aussage, sondern wohl eher die Aussage: Hauptsache die Hupen springen den Jungs direkt ins Gesicht! Das gibt Aufmerksamkeit und Anerkennung. Mit ihrem Dekolletee bis knapp überm Bauchnabel verfehlte sie diese Wirkung nicht. Wenige Haltestellen später stieg ein Zehntklässler ein und setzt sich neben sie. Beide trennte nun nur noch der Gang. 

Der besagte Zehntklässler ist nun schon seit mehr als zwei Jahren als notorischer Flachleger berüchtigt, der Jede nimmt, die nicht bei Drei auf'm Baum ist (und die Anderen schüttelt er wieder runter). Robert hatte nämlich schon Alle. Als er noch in der Achten war, klebte er an einer Zehntklässlerin und zwar kurz nachdem er mit einer aus der Siebten Schluss gemacht hat. Zwischendurch versprach er dann einer anderen Siebtklässlerin die große Liebe und parallel lief dann auch noch was mit der besten Freundin dieser Siebtklässlerin. Und das ist nur das, was ich so beiläufig im Schulhaus mitbekommen habe. Also quasi gar nichts!
Nun lehnte sich also Robert gierig zu Sonja rüber. Man muss seinen lüsteren Blick, das Zwinkern und das zweideutige Grinsen in seinem Gesicht gar nicht interpretieren, denn seine Pose war offensichtlich und sagte bereits alles. Breitbeinig, in Al Bundy Gedächnispose saß er nun da, wobei nur noch  fehlte, dass er sich genüsslich am Sack kratzt und bei Peg ein Bier bestellt. Am liebsten würde er wohl Sonja direkt und ohne große Vorrede auf seinen Schoß ziehen. Vermutlich würde er sogar das Publikum genießen, denn er ist schließlich der Poser, der Checker, der Jede kriegt und zwar ob sie will oder nicht. Mit hochgezogenener Augenbraue sagt sein leichter Silberblick "Ach, Mäuschen, wehr dich nicht! Du willst es doch auch!" Sie lacht, kichert und gibt ihm das kleine, willige Mäuschen, das ihm offenherzig die Brüste fast ins Gesicht drückt. Insgesamt auch irgendwie ein ziemlich aufgesetztes und billiges Schauspiel, bei dem ich frage, warum dieses eigentlich doch kluge Mädel das nicht durchschaut. Ich schätze mal, sie will es nicht durchschauen. 

Später schiele ich nochmal unauffällig rüber und erschrecke als ich mich dabei ertappe, dass ich ihr auf die Brüste schaue und mich frage, ob sie gar keinen BH trägt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen